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Uhrenmesse in Genf : Mehr Kunst als Handwerk

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Der Papagei aus Rosenblatt-Intarsien auf der Ballon Bleu de Cartier Bild: F.A.Z.

Dass das Handwerk einen goldenen Boden hat, wird nirgendwo so deutlich wie in der hohen Uhrmacherei. Luxusuhrenhersteller pflegen alte Handwerkskünste – oder erwecken sie wieder zum Leben.

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          Der Papagei auf der Damenuhr Ballon Bleu de Cartier ist eine einzige Farborgie. Es sind aber keine Federn, sondern Rosenblätter. Dafür hat Cartier ein neues Handwerk „kreiert“: florale Intarsienarbeit. Rosenblättern wird die Feuchtigkeit entzogen (wir vermuten nach Art der Gefriertrocknung, darüber wollte man uns nichts sagen), dann werden sie gefärbt und mit Konservierungsflüssigkeit getränkt. Das Rosenblatt klebt die Künstlerin (das können Frauen einfach besser) auf eine hauchdünne Holzplatte, sägt kleine Stückchen davon aus und setzt sie auf dem Zifferblatt zum Federkleid des Papageis zusammen. Edelsteine für Auge und Schnabel sowie Miniaturmalerei um das Auge vervollständigen das bunte Bild, das von einer diamantbesetzten Lünette umrahmt wird. Und ja, man kann auch die Zeit ablesen auf der 42 Millimeter großen Weißgolduhr mit Automatikwerk.

          Dass das Handwerk einen goldenen Boden hat, wird nirgendwo so deutlich wie in der hohen Uhrmacherei. Hier versammelt sich die Crème de la Crème des Kunsthandwerks. Menschen, die mit Lust und Liebe und vor allem mit ruhiger Hand Zifferblätter in Kunstwerke verwandeln, sind gefragt und rar. Die Luxusmarken pflegen sie, aus gutem Grund: Denn was den Herren eine Große Komplikation ist, sind den Damen entweder die Brillanten auf ihren Zeitmessern oder aber die exquisit gestalteten Zifferblätter. Auf dem Uhrensalon des Richemont-Konzerns waren dieser Tage wieder solche Kleinode zu sehen. Natürlich sind sie teuer: Es kann ja schon mal ein Monat vergehen, bis eine Malerin mit einem einhaarigen Pinsel die gewünschte Miniatur auf ein Zifferblatt übertragen hat.

          Feinarbeit: so kommt der Papagei auf die Uhr Bilderstrecke
          Feinarbeit: so kommt der Papagei auf die Uhr :

          Es dauert auch Wochen, bis ein Steinsetzer 1500 Brillanten auf einer Uhr verankert hat, von den Emailkünstlern ganz zu schweigen, die immer mit dem Risiko leben, dass der letzte von zehn Bränden die ganze Arbeit ruinieren kann. Und dann wird noch skelettiert, graviert, guillochiert und finissiert, was das Material hergibt. All das macht die Resultate dieser Bemühungen so einzigartig, dass sie bei der begüterten Kundschaft nicht nur Begehrlichkeiten wecken, sondern auch die Freude an diesen Unikaten.

          1500 Diamanten auf Zifferblatt fürs Ziffernblatt

          Vacheron Constantin hat auf seiner Kollektion Métiers d’Art Fabuleux Ornements eine Reise durch verschiedene Kulturen in kunstvolle Uhren umgesetzt. Die vier höchst unterschiedlichen Zifferblätter stehen für französische Spitze, indische Handschriften, osmanische Architektur und chinesische Stickerei. Zehn Meister verschiedener Metiers waren hier tätig, um den Raum um das dezentral angeordnete, skelettierte Handaufzugskaliber zu dekorieren. Die französische Spitze entsteht auf einem emaillierten Untergrund aus Weißgoldranken und Edelsteinen, die bunten Illustrationen indischer Handschriften spiegeln die zehn Emailfarben auf den Blüten vor einem blauen Himmel wider, ausgeführt in Camplevé-Technik, bei der Umrisse in den Untergrund geritzt und die Vertiefungen für die einzelnen Emailfarben ausgehöhlt werden. Nach dem zehnten Brand das Blätterwerk ins Email zu gravieren ist eine wahre Meisterleistung. Auf dem Perlmutt des osmanischen Dekors ruht ein goldenes Gitter, verziert mit Perlenhälften, und die chinesische Stickerei hat auf einem roséfarbenen Untergrund aus Opalblättchen in Cloisonné-Technik feinste, aus Edelsteinen geschnittene Blüten und haarfein gravierte Blätter in unglaublicher Detailtreue.

          Piaget zeigte eine Uhr mit nicht weniger als 1500 Diamanten auf Zifferblatt, Lünette und Werk, rund 20 Karat. Diese hohe Kunst des Steinsetzens ist hier kombiniert mit einem skelettierten Tourbillonwerk, eine perfekte Synthese aus hoher Uhrmacherei und bester Juwelierskunst. Wir schätzen das glitzernde Wunderwerk auf eine runde Million Euro. Eine Sternzeichen-Kollektion zeigte Van Cleef & Arpels: Auf den für die vier Elemente stehenden farbigen Email-Zifferblättern stehen die Sternbilder aus passenden Edelsteinen, umgeben von kunstvoll geschnittenem Perlmutt.

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