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Uhren-Trends : Understatement am Handgelenk

So flach wie fein: Die „Ballon Bleu Extraflat“ von Cartier ist nur 7,05 Millimeter hoch.

Auch andere Hersteller führen längst Uhren mit flachen Gehäusen und variieren dafür gerne ihre Klassiker. So hat Cartier seine „Ballon bleu“, die seit 2007 im Programm ist, vor zwei Jahren um eine „Flat“-Variante erweitert. Nur 7,05 Millimeter ragt das Gehäuse der „Ballon bleu extraflat“ (19.100 Euro) in die Höhe; die normale „Ballon bleu“ bringt es auf immerhin 13 Millimeter. Im vergangenen Jahr lancierte Cartier zusätzlich die „Tank Louis Cartier XL Extraflat“ (11.800 Euro). Mit einer Höhe von nur 5,1 Millimetern ist sie die dünnste Cartier-Uhr überhaupt. Im Gegensatz zu Piagets „Altiplano 43mm“ mit Automatikwerk wird sie aber mit der Hand aufgezogen. „Im exquisiten Bereich haben flache Uhren einen besonderen Rang“, sagt Cartier-Nordeuropa- Chefin Patricia Gandji. Bei Männern komme hinzu, dass die Uhr oft ihr einziges Schmuckstück sei. „In den letzten Jahren hat sich der Trend entwickelt, mehrere Uhren zu besitzen, passend zu jedem Anlass.“ So manche flache Uhr ist eine Zweit-Uhr - wenn es am Abend mal dezenter sein soll.

Der Schweizer Hersteller Hublot hat mit der „Classic Fusion Ultra Thin“ (ab etwa 13.500 Euro) eine Uhr im Angebot, die mit einer Gehäusehöhe von 8,3 Millimetern ebenfalls zu den sehr flachen Uhren im Luxussegment zählt. „Nach der Finanzkrise zeichnete sich in der Uhrenbranche eine Tendenz zu bescheidenerem Auftreten ab, verbunden mit einer Rückkehr zu traditionellen Werten“, sagt Philippe Roten, Director Sales und Retail bei Hublot. „Bei uns zeigt sich dieser Trend in der großen Beliebtheit der Classic-Fusion-Modelle, die sich auf die Wurzeln der Marke besinnen.“ Auch Frauen zeigten ein wachsendes Interesse an Technik. Daher werden heute weit mehr mechanische Damenuhren nachgefragt.

Wie ein papierdünner Armreif um das Handgelenk

Doch die flachen Uhren werden noch aus einem anderen Grund immer beliebter: „Sie stehen für das Können und die Präzision einer Uhrmanufaktur“, sagt Michael Klefoth von Piaget. Je flacher das Gehäuse, desto höher die Anforderungen an das Werk und die Präzision der Mechanik. Eine besonders flache Uhr ist deshalb immer teurer als eine höhere. Die wachsende Nachfrage nach flachen Uhren spielt vor allem den europäischen Traditionsmarken in die Hände. Als um 1970 die Quarztechnik aufkam, vorangetrieben vor allem von japanischen Unternehmen wie Seiko, gerieten mechanische Uhrwerke aus den europäischen Manufakturen ins Hintertreffen. Die Quarzkrise stürzte die europäische Uhren-Industrie in ihre bislang größte Krise. Seit die Mechanik-Uhr im Luxussegment eine Renaissance feiert und flache Uhren mit hohen Ansprüchen an Feinmechanik und Präzision stark nachgefragt werden, hat sich die Branche davon erholt.

Flach und sogar günstig: Sieben Millimeter „Zeppelin-Flatline Ref. 7334-4“ kosten 200 Euro.

„Dünn“ muss übrigens nicht zwingend „teuer“ und „klassisch“ bedeuten. Das will vom kommenden Jahr an das amerikanische Unternehmen „Central Standard Timing“ aus Chicago beweisen. Dessen Gründer Dave Vondle hat eine futuristische Armbanduhr entwickelt, die nur 129 Dollar kosten soll. Sie soll aus einem extrem dünnen Stück rostfreien Stahls hergestellt werden. Mit einem Gewicht von nur zwölf Gramm und einer Dicke von 0,8 Millimetern soll sie für lange Zeit die dünnste Uhr sein. Vorbild für die „CST-01“, die bislang nur als Prototyp existiert und wie ein papierdünner Armreif um das Handgelenk geschnallt wird, war die Textdarstellung auf elektronischem Papier bei E-Books. Die „CST-01“ wird mit einer hauchdünnen Batterie betrieben, die in zehn Minuten geladen ist und einen Monat halten soll. Knöpfe gibt es nicht, einstellen kann man auch nichts. Die Zeit wird über eine Basisstation eingestellt, die auch die Batterie der Uhr auflädt. Angezeigt wird die Zeit über ein „E Ink“-Display.

Geheimtipp für Liebhaber und Pragmatiker

Als Dave Vondle sein ungewöhnliches Projekt im vergangenen Winter gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Jearry O’Leary der Öffentlichkeit vorstellte, hatten sie eine große Vision, aber nicht genügend Geld. Doch der Prototyp der „CST-01“ überzeugte Uhren-Fans: Schon nach kurzer Zeit überstieg die Zahl der Vorbestellungen die Erwartungen. 200.000 Dollar benötigten Vondle und Leary, um die „CST- 01“ weiterzuentwickeln und erste Exemplare zu produzieren. Nach wenigen Monaten hatten sie bereits eine Million Dollar eingenommen.

Anfang 2014 sollen die ersten „CST-01“, die den neuen Trend zur Flachheit auf die Spitze treiben, ausgeliefert werden. Sie könnten sich bei Uhren-Liebhabern und pragmatisch veranlagten Menschen zu einem Geheimtipp entwickeln. Schließlich gibt es auch einen ganz profanen Grund, auf eine flache Uhr zu setzen: Sie verschwindet besser unter dem Ärmel als ein dicker Chronograph. In Zeiten von Slim-Fit-Hemden kann man das nicht hoch genug schätzen.

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