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Uhren : Ost-West-Beziehung am Handgelenk

Einheitsuhr von Mühle Bild: Hersteller

Ein Projekt namens Einheitsuhr: Mühle und Meistersinger, ein Betrieb aus dem Osten, einer aus dem Westen, lancieren anlässlich von 30 Jahren Wiedervereinigung Uhren in limitierter Edition.

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          Nichts gegen die Uhrenbranche. Es gibt sehr nette Menschen, die sie prägen. Keine Frage auch, dass Uhren bei einer bestimmten Klientel für große Emotionen sorgen. Soll eine neue Uhr aber darüber hinaus auf Begeisterung stoßen, müssen häufig die Prominenten ran, und dann endet das meistens doch in recht spaßbefreiten Ergebnissen. Dann schlägt die Stunde ihrer Manager, die für Interviews vorher eingereichte Fragen streichen und die Interviewzeiten abkürzen. In langweiligen Antworten über Modell XY auf noch langweiligere Fragen zu Modell XY, in Slogan-Predigten und Marken-Huldigungen.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dabei geht es auch anders, mit einem interessanteren Thema, das sich durchaus auf die Uhrenbranche übertragen lässt. Mit der Wiedervereinigung vor 30 Jahren waren nämlich schon die Ersten aus dem Westen in Glashütte, wo die Uhrmacherei besondere Tradition hat.

          Einheitsuhr von Meister Singer
          Einheitsuhr von Meister Singer : Bild: Hersteller

          Schon 1845 hatte sich Ferdinand Adolph Lange in Glashütte niedergelassen und fortan Bergarbeiter zu Uhrenmachern ausgebildet. Die Zahl der Betriebe stieg, die in Folge der Enteignung 1945 später zu einem Großbetrieb fusionierten und als VEB Glashütter Uhrenbetriebe den Osten wie den Westen mit Modellen belieferte. 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist in Glashütte mit zahlreichen Betrieben das alte Zentrum für Uhrmacherei auch ein neues, das es selbst mit dem Schwergewicht der Branche, der Schweiz, aufnehmen kann. Die Swatch-Group hat sich eingekauft (Glashütte Original und Union Glashütte), der Richemont-Konzern (A. Lange & Söhne) und Unternehmer wie Roland Schwertner (Nomos). Die Familie Mühle baut seit 1868 von Glashütte aus an Zeitmessern, seit 1990 wieder im eigenständigen Betrieb.

          Das Unternehmen Meistersinger hingegen sitzt, untypisch für diese Branche, in Münster in Westfalen. Mühle und Meistersinger, ein Betrieb aus dem Osten, einer aus dem Westen, lancieren nun, anlässlich von 30 Jahren Wiedervereinigung, Uhren in limitierter Edition, für die es keine Prominenten braucht, um die Modelle künstlich mit Spannung aufzuladen. Die Geschichte ist spannend genug. Am Projekt Einheitsuhr, bestehend aus Mühle- und Meistersinger-Uhren, haben Mitarbeiter beider Unternehmen gemeinsam gearbeitet. Zu haben sind die Uhren einzeln oder im Set als Ost-West-Beziehung.

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