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Designer Thomas Höhnel : Er schaut auf die Uhr

Die unterschiedlichsten Modelle: Thomas Höhnel zeigt seine Arbeit für Nomos Glashütte. Bild: Jens Gyarmaty

Uhrmacher fertigen Uhren. Aber sie haben nicht unbedingt Gespür für gutes Design. Dafür gibt es Menschen wie Thomas Höhnel. Bei Nomos nimmt er die Gestaltung millimetergenau.

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          Einen entscheidenden Vorteil hat ein Videointerview im Lockdown, wenn es sich bei dem Gesprächspartner um einen Designer im Homeoffice handelt: Man bekommt einen Eindruck davon, mit welchen Objekten einer wie Thomas Höhnel selbst lebt. Also genauer hinschauen. Was liegt dort Buntes im Hintergrund herum? Neue Entwürfe? „Nein, dann wäre ich steinreich“, sagt Thomas Höhnel von seinem Küchentisch aus und lacht. „Das ist Lego, ein bisschen unaufgeräumt.“ Auch Thomas Höhnel schaut genauer hin. Das ist sein Beruf. Er schaut auf die Uhr. Wer an Uhrenfertigung denkt, landet meist schnell in kleinen Bergdörfern in der Schweiz oder in Glashütte. Oder er hat das Bild eines Promis vor Augen, der eine Uhr für eine Kampagne bewirbt.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vielleicht hat er schon mal von einem der berühmten Designer gehört, die auf Projektbasis Uhren entwerfen und dann im nächsten Job für andere Marken Sofas oder Türklinken. Auch die Uhrenmarke Nomos verpflichtet für ihre Modelle solche großen Namen, Mark Braun zum Beispiel oder Werner Aisslinger. Aber sie gönnt sich zudem jemanden wie Höhnel. Thomas Höhnel prägt, wie die Stars und die Uhrmacher, das Image einer Marke – auf seine Weise. Das Produktdesign Team wacht über die typische Nomos-Gestaltung, und Höhnel gehört dazu. Welche Bedeutung sie hat, ist klar, wenn man sich anschaut, wer Nomos am Handgelenk trägt: Sammler, die von den mechanischen Uhren mit ihrer klaren Linienführung überzeugt sind; und Menschen, die ohne Nomos vielleicht gar keine Uhr besäßen und sie wie ein Designobjekt tragen.

          Die Auswahl ist riesig: Thomas Höhnel im Büro von Berlinerblau am Paul-Linke-Ufer in Berlin.
          Die Auswahl ist riesig: Thomas Höhnel im Büro von Berlinerblau am Paul-Linke-Ufer in Berlin. : Bild: Jens Gyarmaty

          „Ich war nicht schon immer ein Uhren-Nerd“

          Der Schriftsteller Gary Shteyngart, ein selbsterklärter Uhren-Nerd, beschrieb das vor einigen Jahren schön im Magazin „New Yorker“: „Diese Uhren verkaufen sich nicht an die oberen ein Prozent, sondern an die kreativen Klassen. ‚Wenn ein Journalist anfängt, Karriere zu machen‘, sagte mir ein deutscher Freund, ‚legt er sich eine Nomos zu.‘“ Höhnel sagt: „Ich war nicht schon immer ein Uhren-Nerd.“ Das begann erst mit Nomos. Zunächst studierte er an der Universität der Künste in Berlin Design und arbeitete im Anschluss als Grafiker bei einem Start-up, System 180. Dort ging es um Messebausysteme und um die Einrichtung von Büros. Irgendwann klopfte Zara Home bei dem Berliner Betrieb an, mit einem Auftrag für 120 Läden im Jahr.

          Höhnel arbeitete einige Jahre an Renderings und visualisierte Einrichtungen. Irgendwann wollte er weiter und unterhielt sich mit einer Freundin über Nomos Glashütte. Die Ortsmarke im Namen kann Designer, die auf der Suche nach etwas Neuem sind, und für die Berlin der natürliche Lebensraum ist, leicht in die Irre führen. „Ich wusste nicht, dass Nomos auch Leute in Berlin sitzen hat“, sagt Höhnel. Darauf kam er über eine Annonce, und kurze Zeit später war er schon bei Nomos, zum Probearbeiten. Oder genauer gesagt bei Berlinerblau, dem Designbüro von Nomos in Berlin.

          Was ist möglich?

          Von den Dimensionen eines internationalen Filialnetzes für einen spanischen Discounter musste Höhnel nun gedanklich in seiner Arbeit herunterschrauben auf 35 Millimeter im Durchmesser und 6,2 Millimeter in der Höhe, dazwischen Handarbeit Made in Glashütte. Das sind die Daten der Tangente, und zu Höhnels ersten Aufgaben gehörte es damals, 2011, ein Sondermodell für die Wempe-Boutique in New York zu entwerfen. Es war eine gute Übung, um die Marke verstehen zu lernen, sich in die Designsprache einzufinden. „Schlicht, zurückhaltend, unterstated, geometrisch“ sei sie, sagt der Achtundvierzigjährige. „Aber niemals langweilig.

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