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Urlaubssünden : Von wegen Ibiza-Surfer-Babe-Charme

  • Aktualisiert am

Von Links nach Rechts: „Das pinke Ding“, „Pharao-Kaftan“, „thailändische Zelt-Hose“ und „die Tunichtgut-Tunika“. Bild: Helmut Fricke

Im Urlaub erscheint alles leichter - vielleicht erklärt das auch, warum wir uns zum Kauf seltsamer Kleidungsstücke oder Deko-Objekten hinreißen lassen. Oft bemerkt man erst im Alltag, wie wenig diese Dinge eben dahin passen.

          5 Min.

          Das pinke Ding

          Der Mantel hing im „River Island“ in der Oxford Street, und er stach uns sofort ins Auge. Er war schick und nicht gerade billig, und er war pink, eine Farbe, die meine Frau seit ihrer Kindheit nicht mehr getragen hatte. Als Clou zierte ihn eine glitzernde Brosche in Form eines Schmetterlings. In einem deutschen Geschäft hätte sie so was nie anprobiert, hier aber war etwas anders - ob es nun die Londoner Luft war, der Freiheitsdrang des noch halbwegs frischverheirateten Ehepaars oder die Tatsache, dass meine Frau, was wir da aber noch nicht wussten, während unseres London-Trips schwanger war.

          Sie zog den Mantel an, mochte ihn - aber traute sich nicht. Doch die Entscheidung war nur verschoben. Allein in der Oxford Street gab es zwei weitere „River Island“-Stores, und in jedem von ihnen hing es: das Schmetterling-Ding in Kaugummipink. Der stete Tropfen höhlt den Stein, und irgendwann war meine Frau weich genug: Wir kauften den Mantel. Nahmen ihn mit in unsere Pension. Und stellten, kurz vor unserer Abreise, fest: Die Brosche fehlte. Also das, was dem Stück den gewissen Pfiff gab.

          Ein weiteres Mal hetzte ich in die Oxford Street, um dort zu erklären, dass man uns einen Mantel ohne Brosche verkauft hatte, worauf die Verkäuferin den Schmetterling von einem anderen Mantel löste und ihn mir in die Hand drückte. Daheim allerdings war das Triumphgefühl rasch verflogen. In den elf Jahren seit der Reise hat der Mut meiner Frau gerade gereicht, den Mantel fünf-, sechsmal zu tragen, obwohl sie zwischenzeitlich noch mal schwanger war. Und die Brosche, die sie wohl mal unserer Ältesten lieh, ist spurlos verschwunden. (Jörg Thomann)

          Der Pharao-Kaftan

          Es war im Sommer vor 30 Jahren - die erste große Reise ohne Eltern. Sie führte in ein Sehnsuchtsland. Seit ich auf Howard Carter und seinen Tutanchamun gestoßen war, wollte ich Ägyptologe werden. Zumindest eine ganze Weile. Nun stand ich endlich im Tal der Könige - und das fast ganz alleine. Es hat seine Gründe, warum sich im Juli nicht einmal angehende Ägyptologen in die berühmteste aller Nekropolen verirren: Das Thermometer klettert am Rande der Wüste locker auf 60 Grad. Selbst die kühlen Gräber, die tief ins Erdinnere führen, waren längst nicht mehr so verheißungsvoll, wie sie mir zu Hause in den Bildbänden vorgekommen waren. Ich schleppte mich von Ramses II. zu Tutanchamun und dann noch weiter zur vermeintlichen Pharaonin Hatschepsut.

          Hemd und Hose klebten mir am Körper. Wie wohltuend erschienen mir da die leicht im Wind flatternden knöchellangen Gewänder einiger Ägypter, die mir nicht nur die tollsten und echtesten Grabbeigaben feilboten, sondern auch einen baumwollenen Kaftan hervorzaubern konnten. Zartes Blau, hübsche Bordüre am Hals und sensationell günstig. Was würden die Daheimgebliebenen staunen, dachte ich - wohl von der Sonne geblendet oder gestochen. Denn mit dem arabischen Gewand hatte die Touri-Tunika bei näherem Hinsehen wenig gemein.

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