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Erfolgreiche Designerinnen : Instinkt statt Excel-Tabellen

  • -Aktualisiert am

Roberta Benteler führt ein Unternehmen mit 40 Mitarbeitern Bild: Lukeyphoto/Roberta Benteler

Es ist nie zu spät für einen Neuanfang: Diese sechs Frauen sind heute erfolgreiche Designerinnen und Modehändlerinnen. Dabei haben sie in einem früheren Leben Immobilien verkauft, Jura studiert, andere Unternehmen beraten.

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          Roberta Benteler: Die Leitsätze des Vaters

          Die Karriere von Roberta Benteler hätte nicht besser laufen können: BWL-Studium mit abgeschlossenem Master in Finance, danach der erste Job als Assetmanager bei der Deutschen Bank in London, zuletzt kümmerte sie sich um Private-Equity-Fonds der Axa in New York. Und stellte fest, dass die trockene Finanzwelt sie fürchterlich langweilte.

          Es war 2008, die Branche steckte gerade in der Krise, zugleich wuchs ihr Wunsch nach Selbständigkeit und aus ihrer Leidenschaft für Mode der Drang, ein Business aufzubauen. Aber der erste Schritt in die elitären Kreise der Fashionszene war schwierig: „Ich war schlicht überqualifiziert“, sagt sie heute. Also jobbte sie bei einer Freundin, die gerade ihr Modelabel aufbaute, schmiedete rund fünf Monate lang Ideen und schrieb Businesspläne. Im Hinterkopf immer den Ratschlag ihres Vaters: „Finde etwas, das es schon gibt. Und mach es besser. Du brauchst ein Konzept, das Wachstumspotential hat.“

          Und genau einen Tag, nachdem er ihre letzte Idee zerpflückt hatte, bummelte sie die berühmte Portobello Road in London entlang, die mit den vielen unkonventionellen Boutiquen ein Shoppingmagnet ist, und hatte die Eingebung, wie dieses Konzept aussehen wird: ein Online-Shop mit Luxusmode für Entdecker. Dann ging alles ganz schnell, zwei Monate später gründete sie das Unternehmen.

          Die ersten Türen öffnete eine gut vernetzte PR-Agentur, es folgte eine langwierige Suche nach den richtigen Partnern für Technik, Vertrieb und Einkauf – und kurz vor dem Launch eine Krise: „Viele Labels wurden kurzfristig von etablierten Händlern blockiert und sind abgesprungen. Wir mussten mit einer Handvoll Designer den Live-Knopf drücken.“

          Heute ist die Wahl-Londonerin mit Avenue 32 die erste Adresse für Fashion-verrückte Frauen, die auf der Suche nach außergewöhnlicher Mode sind. Während früher Excel-Tabellen ihr Handeln lenkten, muss Benteler sich jetzt vor allem auf ihren Instinkt verlassen. Trotzdem bereut sie ihre finanzlastige Ausbildung nicht. „Als Unternehmerin muss man seine Zahlen lesen können.“ Noch ein Leitsatz von ihrem Vater. Eltern wissen eben doch manchmal, was am besten ist.

          Roberta Benteler, Alter: 32, Mitarbeiter: 40, Marke: Avenue 32, Gründung: 2011

          Bild: Anouki by Avenue 32

          Leo Eberlin: Ein bisschen weinen – und dann weiter

          Schmuckdesigner werden oft in Schubladen gesteckt: Man denkt an talentfreie Töchter aus gutem Hause, gelangweilte Millionärsgattinnen oder Fußballerfrauen. Auf Leo Eberlin trifft keines dieser Klischees zu. Ihr Vater starb früh, sie ließ mit 17 Jahren die erzbischöfliche Mädchenschule und das Elternhaus in Köln zurück und zog nach Berlin. Da sie noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss hatte, besuchte sie eine Abendschule und jobbte tagsüber.

          Leo Eberlin
          Leo Eberlin : Bild: Christian C. Hasselbusch

          Die anschließende Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation war mehr Pflicht als Kür: „Ich war eigentlich nur für die Klausuren anwesend und habe stattdessen gearbeitet. Das war die bessere Schule“, erzählt die 28-Jährige. Vieles lernte sie bei einem Juwelier. Dort reifte ihre Liebe für Schmuck, und sie begann, eigene Designs zu zeichnen. Aber bis daraus das eigene Label entstand, sollten noch fünf Jahre vergehen.

          Ihre erste Karriere begann bei der Immobilienfirma Mähren-Gruppe. Sie hatte bei einer Wohnungsvermittlung so viel Eindruck hinterlassen, dass man sie prompt als Assistentin einstellte. Dort fand sie in einer zahlengetriebenen Männerdomäne ihre Mentorin: „Sie hat viel aus mir herausgeholt“, berichtet Eberlin rückblickend. Nebenbei entwarf sie weiter, fertigte immer mehr Auftragsstücke an und merkte, wie gefragt ihr edler Statement-Schmuck ist. Im Urlaub fand sie nach frustrierend langer Suche eine geeignete Produktionsstätte und kündigte dann von heute auf morgen ihren sicheren Job: „Ich bin damals ins kalte Wasser gesprungen und musste natürlich auch Niederlagen einstecken. Es geht nicht fehlerfrei. Dann weint man ein bisschen und weiter geht’s, zurück an den Schreibtisch.“

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