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Trauer um Kenzo Takada : Ein Leben für die Farben

Kenzo Takada hatte als erster japanischer Designer in Paris Erfolg. Im Alter von 26 Jahren war er 1965 mit einem Frachtschiff nach Marseille gekommen. Bild: AFP

Zum Tod des japanischen Designers Kenzo Takada, der seine eigene Welt bunter dachte und darauf eine Weltmarke aufbaute.

          2 Min.

          Ein Prachtbau an der Rue de Sèvres im sechsten Pariser Arrondissement im Oktober vor zwei Jahren: Kenzo Takada ist bei der Arbeit. Er ist zu diesem Zeitpunkt 79 Jahre alt, und denkt trotzdem nicht an Ruhestand. Im Nebenzimmer sind seine Mitarbeiter gut beschäftigt, er selbst sitzt in diesem Moment in einer Sofaecke und gibt dem Magazin der F.A.Z. ein Interview über sein neues Projekt – ein Parfum für das Schönheitsunternehmen Avon. Das müsste er nicht machen. Das möchte er aber. „Ich arbeite einfach gerne“, sagt er.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kenzo Takada hat sein Leben der Arbeit gewidmet, genauer gesagt, dem kreativen Schaffen – und noch genauer: den Farben. Diese Sprache verstand er, lange, bevor er sich fernab seiner japanischen Heimat einen Namen machte und ein Unternehmen aufbaute. Die Sprache der Farben half ihm früh beim Überwinden von Hindernissen. Kenzo Takada, geboren am 27. Februar 1939 in der Präfektur Hyogo, nordwestlich von Osaka, habe sich beruflich nie etwas anderes vorstellen können als Modedesign oder Malerei, sagte er mal. Design allerdings durften im Japan der fünfziger Jahre nur Frauen studieren. Kenzo Takada schaffte es trotzdem und auch gegen den Willen seiner Eltern an die Modeschule, an das Bunka College in Tokio und brach nach seinem Abschluss 1964 Richtung Europa auf. Einen ganzen Monat brauchte er mit dem Schiff bis Marseille. 1965 landete er in Paris, sein Zielort, der aber kaum das Paris war, das er von Bildern kannte. Vielmehr eine dunklere, kühlere Version davon.

          Für ihn, den Mann der Farben, war das wenn überhaupt eine Herausforderung, seine Welt bunter zu denken. 1970 gründete er ein Unternehmen, das zunächst ein Shop war: Jungle Jap, eine Kreuzung aus Dschungel und japanischem Design, die zwei Themen, die ihn interessierten. Kenzo Takada nähte jedes Stück von Hand, und es dauerte nicht lange, bis er sich mit seiner Arbeit in der Branche einen Namen gemacht hatte. Als einer der wenigen nicht-französischen Designer in Paris – und überhaupt erster Japaner in Paris – war er eine Seltenheit, und der Erfolg umso überraschender. Kenzo Takada war das Vorbild, Designer wie Yohji Yamamoto, Issey Miyake und Rei Kawakubo kamen erst später.

          Kenzo Takada nimmt Applaus nach seiner Männermodenschau im Juni 2019 in Paris entgegen. An seiner Seite läuft Sängerin Solange Knowles. Bilderstrecke
          Rückblick auf Kenzos Leben : Erbauer eines Modeimperiums

          Ende des Jahrzehnts gehörte seine Marke, die er schnell auf seinen Vornamen umgetauft hatte, zu jenen, die sich in der Stadt am besten verkauften. Sein Stil passte in die freiheitliche Stimmung der Siebziger und entsprach später den überladenen Achtzigern. Von 1983 an entwarf er auch für Männer, es folgte Kenzo-Homewear, Kenzo-Düfte. Die Marke Kenzo wuchs über den kein bisschen arbeitsscheuen Macher hinaus. Im Jahr 1993 stieg der Luxuskonzern LVMH ein. Bis 1999 blieb der Gründer im Unternehmen, dann im Alter von sechzig Jahren zog er sich zurück.

          In den Folgejahren ließ er dennoch hin und wieder von sich hören, denn die Rechte an seinem Namen behielt er. Eine Seltenheit in der Branche. „Am Anfang, kurz nachdem ich das Haus 1999 verlassen hatte, war es trotzdem komisch, an den Geschäften vorbeizulaufen“, sagte er damals in dem Gespräch im Oktober 2018.

          Der Mann Kenzo Takada blieb eigenständig tätig. Es wird ihn, der zum Zeitpunkt des Gesprächs kaum aussah wie 79 auch junggehalten haben. Hinzu kamen die mehrmonatigen Aufenthalte in Japan, die er zur Erholung nutzte. „Paris ist meine Basis“, sagte er und meinte damit die Wohnung direkt über seinen Büro-Räumen. „Ich reise viel, gönne mir Massagen, besuche Ausstellungen, und dann arbeite ich ein wenig. Nicht jeden Tag, aber regelmäßig."

          Dem Duft, um den es in diesem Gespräch ging, hatte er den Namen „Life Colour“ gegeben. Am Sonntag ist der Mann, der sein Leben den Farben widmete, im Alter von 81 Jahren in einem Krankenhaus in Neuilly-sur-Seine bei Paris an den Folgen seiner Covid-19-Erkrankung gestorben.

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