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Streifen-Klassiker : Hier läuft zurecht was quer

  • -Aktualisiert am

Der Klassiker aus Saint Jaimes wird auch heute noch in demselben Örtchen hergestellt wie vor hundert Jahren. Bild: Hersteller

Ein Shirt mit Streifen in Blau–Weiß, typisch französisch, klar. Aber woher kommt dieses Stück, das in seiner Heimat als La Marinière bekannt ist? Die ursprüngliche Funktion hatte mit Mode wenig zu tun.

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          Ob man sich gerade in der Bretagne oder in der Normandie befindet, ist für Menschen, die von auswärts kommen und nach Saint-James wollen, nicht immer ganz einfach zu sagen. Kommt man mit dem Schnellzug an, so ist der nächstgelegene Bahnhof der von Rennes – in der Bretagne. Nimmt man das Auto, so folgt man dem Schlenker der französischen Autoroute vorbei an Rouen und Caen quer durch die Normandie bis hin zu deren westlichsten Zipfeln.

          In dem kleinen Ort in Nordfrankreich unweit des Mont-Saint-Michel wird seit über 100 Jahren die Marinière gefertigt, die weit über die Grenzen Frankreichs hinaus für die Region am Ärmelkanal steht. Und auch hier ist zunächst nicht ganz klar, woher der Pullover eigentlich kommt. Im Englischen heißt es Breton-Shirt, was zunächst auf die Bretagne schließen lässt.

          Ringelshirt war ursprünglich niederes Statussymbol

          Der Hauptsitz der Strickerei Saint James aber, die das Original mit exakt 20 Streifen produziert, liegt in einem Industriegebiet des gleichnamigen Örtchens, in der Normandie. Im Jahr 1067 wurde die Festungsstadt von Wilhelm dem Eroberer gegründet, Guillaume, wie er hier heißt. Hortensiensträucher blühen vor den typischen Granit- und Kalksteinhäusern. Eine der größten Sehenswürdigkeiten in Saint-James ist – Saint James, die Strickerei.

          Die Marinière, das weltbekannte Ringelshirt, das hierzulande auch als Seemannspullover bekannt ist, war einst das Zeichen der niederen Klassen. Kaum vorzustellen, denn heute hat so gut wie jeder Franzose eines in seinem Kleiderschrank hängen. Auch über die Landesgrenzen hinaus ist es ein Klassiker, ein Shirt mit langen Ärmeln, für Regionen, in denen man auch sommers etwas braucht, wenn es mal kühl wird.

          Eine Mitschuld daran, dass dieses Streifenshirt von der normannischen Küste heute auf der ganzen Welt als so typisch französisch verstanden wird, trägt – wer sonst – Coco Chanel, die es wie keine andere verstand, mit Mode vermeintlich unumstößliche gesellschaftliche Grenzen zu sprengen.

          Durch die Stars des letzten Jahrhunderts wurde das Shirt zum Klassiker

          Wie so oft in ihrer Karriere fand Gabrielle Chanel Gefallen an einem Objekt, das in der Bourgeoisie ihrer Zeit eher für Naserümpfen sorgte. In diesem Fall war es die Uniform der Matrosen, nicht jedoch jene der höherrangigen Offiziere. Chanel integrierte die Marinière in ihre Kollektion, die sie in ihrem Laden im schicken Küstenort Deauville verkaufte. In Deauville verbrachten die Reichen und Schönen der Belle Époque ihren Sommerurlaub; sie gingen in Chanels 1913 eröffneter Boutique ein und aus.

          Ähnlich wie später mit Kunstperlen und synthetischen Duftstoffen gelang ihr mit dieser Grenzüberschreitung ein Coup, den man kurz zuvor noch für unmöglich gehalten hatte: Ein vermeintlich ordinäres Stück Arbeitskleidung wurde unter dieser Designerin zum Klassiker. Brigitte Bardot sorgte für den Sexappeal, indem sie dieses Teil trug, James Dean gab ihm eine aufrührerische Note und Audrey Hepburn eine elegante. Selbst Madonna und Kurt Cobain trugen es, nachdem Jean Paul Gaultier zum Enfant terrible der französischen Mode avanciert war und es in seinen Kollektionen wieder aufgegriffen hatte.

          Brigitte Bardot verhalf den Querstreifen zu mehr Sexappeal.
          Brigitte Bardot verhalf den Querstreifen zu mehr Sexappeal. : Bild: Picture-Alliance

          Seinen Ursprung nahm das Unternehmen Saint James in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Das Wasser des Flüsschens Beuvron wird dort seit fast einem Jahrtausend zum Spinnen und Färben des Wollgarns genutzt. Die Wolle der Schafe, die in den Salzwiesen der Normandie grasen, ist besonders viel Wind und Wetter ausgesetzt und eignet sich daher perfekt für wetterfeste Kleidung.

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