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F.A.Z. versteigert Kleid : Eine Jacke und mehr für Mädchenbildung

Das Model Toni Garrn versteigert in einem Hotel in New York auf Modeschauen getragene Kleider, die ihre Model-Kolleginnen gestiftet haben. Bild: Helmut Fricke

Taschen von Gisele, Jacken von Gigi: Toni Garrn sammelt bei ihren Model-Freundinnen Kleider – und versteigert sie zugunsten der Mädchenbildung in vier afrikanischen Ländern. Für ein Kleid, das Garrn in unserem Magazin getragen hat, können Sie am Dienstag mitbieten.

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          Pures Chaos hier! Jacken, Schuhe, Blusen, Gürtel – und mittendrin irgendwo Toni Garrn. Zum Glück macht sie alles gleichzeitig: ein Kleid auf den Bügel hängen, auf den Laptop mit den Preislisten schauen, die ganze Aktion blitzschnell erklären. Und langsam lichtet sich das Durcheinander. Gut so, denn bald kommen auch schon die ersten Gäste, Freunde, Bekannten, Kunden ins Hotel 11 Howard in Downtown Manhattan.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Toni Garrn veranstaltet wieder einmal ihren „Supermodel Flea Market“. Während der New York Fashion Week im September ist das so etwas wie eine kleine zweite Modewoche. Nur gehen hier keine Models über den Laufsteg, sondern ein Model kämpft sich mit einigen Helfern durch Klamottenberge: sortiert die Einzelteile, hängt Preisschilder dran, legt sie aus und stellt am Eingang eine Kasse auf den Tisch, so dass auch jeder gleich weiß, dass es hier nichts umsonst gibt.

          Eine Handtasche von Gisele Bündchen, eine Bluse von Joan Smalls, eine Jacke von Gigi Hadid: Hunderte Teile von Dutzenden Models, die meist in New York wohnen, hat Toni Garrn nun schon im vierten Jahr in Folge gesammelt. Die Erlöse des Flohmarkts, der hier gleich beginnt, gehen an die Toni Garrn Foundation, die Mädchenbildungsprogramme in Ghana, Ruanda, Burundi und Zimbabwe unterstützt. So haben ihre Model-Kolleginnen das gute Gefühl, dass ihre Schränke sich etwas leeren – und dass sie damit auch noch etwas Gutes tun.

          Nicht nur XXS-Größen

          Models bekommen die Segnungen des Konsums mit voller Wucht zu spüren. „Auch aufgrund von Instagram werden wir mit vielen Sachen beschenkt“, sagt Toni Garrn, als sie eine kurze Pause am Kleiderberg einlegt. „Jeder hofft, dass wir seine Marke dort im Bild zeigen. Teils sind das Sachen, die uns gar nicht passen oder die einfach nicht unseren Geschmack treffen.“ Oder ein Model hat einen Look schon auf einem großen Event getragen und kann ihn deshalb nicht nochmal anziehen. „Wir können diese teuren Sachen doch nicht einfach wegwerfen!“

          Vergangenes Jahr brachte die Versteigerung 150.000 Dollar für die Toni Garrn Foundation – das soll sie dieses Jahr ebenfalls wieder erreichen.

          All die großen Namen von Bella Hadid über Karlie Kloss und Angela Lindwall bis Constance Jablonski haben viel zu geben. Mehr als 500 Kleidungsstücke und Accessoires sind zusammengekommen. Was nicht weggeht beim Flohmarkt, wird dann auch im Internet angeboten – über die Plattform Paddle8, die noch bis zum Ende des Jahres die besseren Teile unters Volk bringt.

          „Gisele und Bella haben jeweils mehr als 20 Teile gespendet“, sagt Toni Garrn, die mit ihrem Team schon seit dem frühen Morgen Ordnung ins Spendenchaos bringt. Das 11 Howard, ein Boutiquehotel in Soho, stellt die Bibliothek im ersten Stockwerk zur Verfügung. Neben den Büchern sind da nun Blusen, High-Heels und Taschen ausgestellt, auch ein Kleid mit afrikanischen Mustern, das Toni in Ghana gekauft hat, wo sie oft für ihre Stiftung unterwegs ist. „Und nicht, dass man denkt, hier ginge es nur um XXS-Größen“, sagt sie. „Es gibt auch Teile von Schauspielerinnen und Plus-Size-Models.“

          Ihr eigener Kunde

          Die Idee, die Kleider sinnvoll wiederzuverwerten, kam ihr, als ein japanisches Model nach der Katastrophe von Fukushima auf diese Weise Spenden gesammelt hatte. Also fragte sie Model-Freundinnen nach Kleidungsstücken, die sie übrig haben. Im ersten Jahr kamen über den Verkauf etwa 40.000 Dollar zusammen, im zweiten Jahr schon fast 60.000 und im vergangenen Jahr an die 150.000 Dollar, allerdings gleich in vier Städten: Paris, Berlin, London, Madrid.

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