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Tom Chapman im Gespräch : „Für Männer muss Mode bequem sein“

Tom Chapman Bild: Matches Fashion

Tom Chapman, Gründer und Chef des Onlinehändlers „Matches Fashion“, hat die aktuellen Modeschauen stets im Blick. Er weiß, was und wie Männer kaufen.

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          Mr. Chapman, neulich hat Christopher Kane auf der Londoner Modewoche seine Damenkollektion in der Tate Modern gezeigt, gleich hier gegenüber des Cafés. Sie sind, mit Ihrer Frau Ruth, Gründer und Chef des Onlinehändlers „Matches Fashion“, achten also auf solche Auftritte. Wie gefiel Ihnen die Kollektion?

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sehr gut, Christopher Kane ist einer meiner liebsten Modemacher in London - schon lange bevor der Konzern Kering in ihn investiert hat, als er noch ein junger Designer war, der sich durchkämpfen musste.

          Und die Schau von Burberry kurz davor?

          Ohne Zweifel die beste Kollektion, die ich von Christopher Bailey gesehen habe. Die Herrenlooks waren stark.

          Die Männer trugen über den Anzügen große Ponchos mit Fransen um die Schultern sowie Jacken aus Cord und mit Leo-Muster. Wird sich das verkaufen?

          Darüber haben wir erst neulich gesprochen: Für uns wird Burberry immer besser. Früher waren die Stoffe hart, man musste einen bestimmten Körperbau haben, um es zu tragen, jetzt sind die Schnitte lockerer. Der Cord war dieses Mal großartig, auch die dicken Pullover. Mode muss bequem sein. Frauen sehen das vielleicht anders, aber für Männer ist das wirklich wichtig.

          Aber wer im Netz einkauft, weiß nicht, ob etwas tatsächlich bequem ist.

          Ja, aber wenn Männer eine Marke für sich entdeckt haben, bleiben sie ihr oft treu. Sie wissen, wie sie sich trägt, welche Größe sie brauchen und ob sie bequem ist. Dann bleiben sie oft dabei. Und wenn diese Männer uns vertrauen und wir ihnen weitere passende Marken anbieten, dann fangen sie auch an zu experimentieren. So können übrigens über das Internet selbst junge Marken schnell bekannt werden, das finde ich so spannend am Netz.

          Ist das im traditionellen Einzelhandel anders?

          Ja. Marken müssen warten, bis die Einkäufer von Kaufhäusern oder Boutiquen es mit ihnen versuchen. Dann heißt es warten, bis die Ware da ist. Und wenn es gut läuft, verlangen die Einkäufer mehr. Bis man richtig präsent ist, kann es Jahre dauern. Jetzt geht man zur Schau und kann eine halbe Stunde später über Social Media sehen, ob darüber gesprochen wird. Ein gutes Beispiel dafür ist die Sportswear von heute, die jung ist, ohne dass man jung sein muss, um sie zu tragen, Labels wie Public School. Plötzlich geht es nicht mehr nur um einen Look, sondern um die Form, wie man wahrgenommen werden möchte.

          Das heißt, die Männer schauen sich nun auch in Ihrem Online-Store um, ohne konkret nach Produkten zu suchen?

          Es kommt auf die Interaktion an. 55 bis 60 Prozent kommen per Smartphone auf unsere Seite, besonders zwischen 13 und 14 Uhr sowie zwischen 19 und 21 Uhr, als direkte Reaktion auf verfügbare Produkte. 30 Prozent unseres Umsatzes erzielen wir durch Produkte, die erst seit kurzem zu kaufen sind, sie heißen bei uns „Just In“.

          Und welche Marken funktionieren da besonders gut?

          Saint Laurent! Besonders in den Vereinigten Staaten.

          Wirklich, das passt den Amerikanern?

          Vielleicht nicht den Männern im Mittleren Westen. Aber von der Marke kaufen wir tatsächlich die Laufsteg-Teile. Die Amerikaner kaufen sehr nach Zahlen, vielleicht ist Saint Laurent dort deshalb nicht ausreichend erhältlich. Wir schauen nicht nur auf die Zahlen. Für uns funktioniert es auch in Deutschland sehr gut, so wie Balenciaga, Gucci, Bottega Veneta und Valentino.

          Und was für Stücke wollen die Herren gerade tragen?

          Designer-Sneaker, vermutlich wegen der Bequemlichkeit. Und aus Rucksäcken ist eine Erfolgsgeschichte geworden.

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