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Zum Tod von Beppe Modenese : Der Erfinder von Mailand

Ohne den Gründer gäbe es in Mailand nichts zu sehen: Beppe Modenese, hier bei Andrea Pompilio im Juni 2015, hat die Modewoche vor fast vier Jahrzehnten aufgebaut. Bild: Helmut Fricke

Giorgio Armani und Gianni Versace wuchsen mit ihm zu Weltgröße: Beppe Modenese, der die Modewoche gründete und den italienischen Designern zu Ruhm verhalf, ist wenige Tage vor seinem 91. Geburtstag verstorben.

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          In den letzten Jahren saß er nicht mehr so oft in der ersten Reihe der Modenschauen. Dabei war Beppe Modenese ein gerngesehener Gast – bei den Designern ohnehin, denn sie hatten ihm viel zu verdanken, aber auch bei den anderen Gästen, als wohltuender Anblick zwischen all den Journalisten und Influencern. Nun kommt er gar nicht mehr. Denn Beppe Modenese ist am Samstag in Mailand gestorben, wenige Tage vor seinem 91. Geburtstag.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Die Mailänder Mode hat ihm viel zu verdanken – denn ohne ihn gäbe es sie nicht. Vor vier Jahrzehnten erfand er die Modewoche in der Hauptstadt der Lombardei. Plötzlich wurde die Alta Moda in Rom mit ihrer Maßschneiderei und der Pitti Uomo in Florenz mit seiner Herrenmode von einer ungemein dynamischen Damenmode-Szene abgehängt, die sogar Paris Konkurrenz machte. Giorgio Armani, Gianfranco Ferrè, Gianni Versace wuchsen mit ihm zu Weltgröße. Und durch die „Milano Moda Donna“, die immer im Februar und September stattfindet, wurden neue Designer wie Miuccia Prada oder Dolce & Gabbana erst weltbekannt.

          „Prime Minister of Fashion“

          Giuseppe Modenese, den alle nur Beppe nannten, wurde am 26. November 1929 in Alba geboren und erlernte das Modemarketing in Florenz, ausgerechnet. Dort organisierte er Schauen im Palazzo Pitti, an denen zu Beginn der fünfziger Jahre Designer wie Roberto Capucci oder Emilio Pucci teilnahmen. Er moderierte in den Fünfzigern die Fernsehsendung „Vetrine“ für Mode und Design, baute die Messen Ideacomo (für Seidenstoffe) und Ideabiella (für Wollstoffe) mit auf, leitete den „Sindacato Italiano Alta Moda“, arbeitete für Esteé Lauder und Chanel und gründete 1978 die Veranstaltungsagentur Modit. Eine Modewoche zu gründen, das klingt einfach. Aber Modenese musste als Pendeldiplomat Bekleidungshersteller, Messeveranstalter und Modemacher zusammenbringen. „Wir waren gegenüber den Franzosen sehr im Nachteil“, sagte er 2007. „Jeder arbeitete gegen jeden. Ich habe gesagt: Wir treten gemeinsam gegen die an!“

          Im März 1979 gingen die Schauen erstmals über die Bühne. Ein Jahr darauf kamen Armani, Ferré, Versace. Der sagenhafte Aufstieg des Mailänder Prêt-à-Porter begann. „Nur weil ich alle zusammenbrachte, hatten wir den großen Erfolg.“ Dem „Prime Minister of Fashion“, wie ihn „Women’s Wear Daily“ 1983 nannte, gelang es nur mit viel Geduld, gutem Zureden und großer Treue – die sich eben auch darin ausdrückte, dass er noch als Ehrenpräsident der Modekammer neben Stefano Gabbanas Mutter oder Stilikone Anna Piaggi in der ersten Reihe saß.

          Durch seinen Einsatz wurde Mailand seit den achtziger Jahren zur Mode- und Designmetropole. Sie nährt auch eine weitverzweigte Szene aus Designern, Fotografen, Journalisten, Models, Einzelhändlern und Agenturen, zu schweigen von Hotels, Clubs, Restaurants, Taxiunternehmen. Das Geschäft mit dem Schönen schob sogar die Entwicklung ganzer Stadtviertel an, etwa an der Porta Genova oder am Bahnhof Garibaldi. Mailand war prädestiniert für den Titel Modehauptstadt, schon wegen der kurzen Wege zur Seidenstadt Como, zu den Stoffzentren Biella, Prato und Vicenza und den Strickstädten Carpi und Treviso.

          Roten Socken als Markenzeichen

          Beppe Modenese schwebte als guter Geist über allen und allem. Für Lavinia Biagiotti zum Beispiel, die ihrer Mutter Laura im Kaschmir- und Düfte-Imperium gefolgt ist, war er sogar ein väterlicher Freund. „In dieser Branche, in der jeder über jeden herzieht, hört man nichts Negatives über ihn“, sagte sie. Als sie einmal mit ihm durch Manhattan ging, bekam sie auch eine Ahnung von seiner Popularität: „Ciao, Beppe!“, rief jemand über die Madison Avenue.

          Mit dem Alter wurde er nur noch beliebter. Als Ehrenpräsident der Camera Nazionale della Moda Italiana konnte er das schwierige Tagesgeschäft seinen Nachfolgern überlassen. Und unvermutet machte er eine späte Karriere als Street-Style-Star. Der diskrete Vermarktungskünstler im maßgeschneiderten dunkelblauen Anzug wurde all den Fotografen zur Personifizierung italienischer Herrenmode. Er hatte eben auch Sinn für Details: Die roten Socken wurden zu seinem Markenzeichen. „Mein Freund Balthus, der Maler, meinte, rote Socken bringen Glück“, sagte er dazu. Bei ihm wurde die Prophezeiung wahr.

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