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Schwimmkleidung : „Das Muster muss zur Seele passen“

  • -Aktualisiert am

Schildkrötenmuster zieren diesen Sommer einige Modelle von Vilebrequin. Bild: Hersteller

Wir haben Roland Herlory, Geschäftsführer der Badehosenmarke Vilebrequin, getroffen. Ein Gespräch über den Spagat zwischen Stilsicherheit und Urlaubsgefühl.

          Monsieur Herlory, Sie verkaufen rund 700.000 Badehosen pro Jahr. Sie müssten also wissen, wie Männer am Strand am besten aussehen.

          Wir haben in den siebziger Jahren die moderne Badehose erfunden. Dazu gibt es eine schöne Geschichte. Kennen Sie die?

          Wahrscheinlich nicht so gut wie Sie.

          Der Franzose Fred Prysquel, der Gründer, verliebte sich und zog nach Saint-Tropez, um die Frau für sich zu gewinnen. Er erzählte mir von den Anfängen einmal am Telefon: „Wir verbrachten den ganzen Tag am Strand, ich wollte diese Frau von mir überzeugen, aber habe mich nicht wohl gefühlt in diesen schrecklichen kleinen Badehosen, die in den Siebzigern jeder trug.“

          Also entwarf er sein eigenes Modell?

          Genau, er kombinierte den Stil der französischen Riviera mit den bunten, knielangen Shorts der Surfer in Australien und Kalifornien, die er als Journalist von seinen Reisen um die ganze Welt kannte. Die Shorts kamen gut an, also fragte er bei Freunden nach einer Nähmaschine und begann sie zu produzieren. Die Dame seines Herzens hatte eine Boutique, in der er sie verkaufen durfte. Der Name Vilebrequin bedeutet übersetzt übrigens Kurbelwelle. Für Motorsportfan Fred das Herz des Motors. Ein schwieriges Wort, selbst die Franzosen schreiben es bis heute oft falsch.

          Roland Herloy weiß, was das Äquivalent zum weißen Hemd ist.

          Er verkaufte das Unternehmen aber schon zehn Jahre später. Wie ging die Liebesgeschichte aus?

          Oh, sie haben geheiratet und Kinder bekommen.

          Können Sie sich an Ihre allererste Shorts von Vilebrequin erinnern?

          Ja, es war ein Geschenk zum 18. Geburtstag. Ich habe meine Ferien oft in Saint-Tropez verbracht, und damals wollte man zwei Dinge unbedingt haben: Cowboystiefel und diese Shorts. Es war ein buntes, grafisches Modell, das ich leider verloren habe.

          Selbst Männer, die sich sonst eher klassisch kleiden, greifen bei der Badehose oft zu auffälligen Mustern und kräftigen Farben. Woran liegt das?

          Die Ferien beginnen schon mit dem Kauf der Badehose. Unsere Kunden sind überwiegend Business-Leute, sie tragen jeden Tag Anzug und vielleicht Krawatte. Da will man sich endlich mal fallen lassen und frei fühlen. Also trägt man im Urlaub vielleicht eine Hose mit pinkfarbenen Elefanten oder grünen Krabben. Wir verbinden Phantasie mit Qualität, so fühlt man sich nicht lächerlich.

          Woran erkenne ich denn die Qualität einer Badehose?

          Zuallererst am Tragegefühl. Die Qualität des Materials ist der Schlüssel, denn Sonne und Salz sind aggressive Elemente. Wir nutzen kein Polyester, sondern ein Polyamidgarn, das trocknet schnell und fühlt sich trotzdem natürlich an. Der empfindlichste Teil der Badehose ist das Netz im Innenteil. Wenn es in einer Badehose von Vilebrequin kaputtgeht, reparieren wir es.

          Und was kann ich schon auf den ersten Blick prüfen, wenn ich zum Beispiel noch schnell am Flughafen eine Badehose brauche?

          Die Nähte sollten innen genauso makellos wie außen sein, an Stellen mit mehr Belastung, wie den Seitentaschen, arbeitet man mit einem stärkeren Doppelstich. Und natürlich sollte sie kleine Löcher haben, damit sich die Hose im Wasser nicht aufplustert. Der kostspieligste Teil der Badehose ist übrigens die Tasche: Sie wird von Hand plaziert und dann angenäht.

          Dabei ist die Hosentasche doch eigentlich nutzlos bei einer Badehose.

          Es ist nicht nur ein stilistisches Merkmal. Wir haben auch ein Patent auf die wasserdichten Hüllen für die Taschen. Man kann Schlüssel und Kreditkarte darin verstauen und schwimmen gehen.

          Der Klassiker der Herrengarderobe ist ein weißes Hemd. Wie sieht die entsprechende Badehose aus?

          Ganz klar: Sie hat eine mittlere Länge und ist dunkelblau, das ist sehr klassisch. Das Muster muss dann zu der Farbe Ihrer Augen passen. Oder noch besser: zu Ihrer Seele.

          Da schaut man gerne länger hin: St.-Tropez-Urlaub für den Allerwertesten.

          Warum denn nicht schwarz? Das geht doch immer und macht schlank.

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