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Textilbranche : Jeans für die Gutbetuchten

Sein Vater Hisao hat es ihm vorgemacht. Der hatte vor zwanzig Jahren im südjapanischen Kojima unter dem Namen Collect eine erste kleine Jeans-Firma gegründet. Weitere folgten. Heute sind es vier. Der alte Manabe hat sie alle unter das Dach einer Holding gestellt. Die Japan Blue Group. Ein Name wie ein Versprechen. Blaue Wunder aus Japan. Früher hatten sie in Kojima Uniformen für Soldaten und Eliteschulen geschneidert; heute geht es um Denim, Jeans und den gepflegten Alltag.

Kein Stoff kommt aus China

Die Manabes halten alle Teile der Fertigungskette fest in der Hand, vom Zwirnen bis zum Weben, vom Färben bis zum Nähen und zum Verkauf. Ein kleines Imperium mit begrenzter Aussicht. Kein Stoff kommt aus China, keine Zwirne aus Vietnam, keine Knöpfe von den Philippinen, nichts aus Kambodscha, Malaysia oder Indonesien. Das kommt ihm nicht ins Haus. Das hat Tradition in der Region. Als der einstige Schauspieler und Stuntman Toshikiyo Hirata drüben in Kurashiki Ende der siebziger Jahre die erste Jeans-Schneiderei aufgemacht hatte, haben sie alle noch gelacht.

Hirata blieb locker, baute seine eigene Baumwolle und seinen eigenen Indigo an, holte sich ein paar ausgediente Webstühle aus Amerika, stellte eine Handvoll Näherinnen ein und verkaufte seine erste Jeans für tausend Dollar, später legte ihm ein Kunde für eine Hose achttausend Euro auf den Tisch. Ein Wahnsinn und ein Meisterstück. Alles beste Ware, alles erste Klasse, alles erste Wahl. Hirata machte seinen Schnitt. Die Nachbarn horchten auf und gingen ans Werk.

Katsu Manabe

Heute werden in den alten Textilzentren Südjapans die wohl besten Jeans-Stoffe der Welt gemacht. Ole Madsen will sich das bald mal ansehen. Scott Morrison war schon da. Er kauft hier immer ein, zweimal im Jahr. Die Japaner haben Preise wie auf den Stoffmessen von Paris. Auf ihren hundert Jahre alten schmalen Shuttle-Looms weben sie heute wieder wie zu Zeiten von Levi Strauss - unzenschweren Ring-Denim in Köperbindung und mit der weiß-roten Webkante. Die Färber bringen das Indigo so auf die Garne, dass die Oberfläche der Fäden blau, der Fadenkern aber tief weiß bleibt. Dafür gibt es eine handvoll Techniken. Eine ist komplizierter als die andere. Jede sorgt für ein ganz eigenes Aussehen beim Abrieb. Die Patina der Stoffe.

„Wir haben hier alles, was wir brauchen“, meint Katsu Manabe. Kleine japanische Marken wie Syoaiya, Rampuya oder Mantaro haben in der Szene einen großen Ruf. Manabe verkauft von der Stange und fertigt nach Maß. Gemacht wird, was der Kunde will. Damit erlöst der Familienbetrieb heute rund 25 Millionen Euro. Der Laden läuft - offline wie online. Verkäufe übers Internet haben der Firma neuen Schwung gegeben. Die Nachfrage in Europa ist riesig. So hat Manabe in Paris eine Dependance aufgemacht.

Kann man die Konkurrenz nicht schlagen, dann muss man mit ihr arbeiten. In New York hat Scott Morrison einen Pakt geschlossen. Er holt all seine Stoffe aus Nippon und macht daraus sein eigenes Geschäft. Einen Steinwurf entfernt von seiner Firma in der Mercer Street lag einst der Kramladen der deutschen Einwandererfamilie Strauss - die Genuesische Seefahrerhosen aus dem New Yorker Stadtteil „Little Italy“ nach Kalifornien bringen, sie Jeans taufen, einen Welthit und ein riesiges Geschäft daraus machen sollte. Der aus Kalifornien stammende Morrison brachte sie zurück nach New York. Goldrausch am Hudson.

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