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Bottega Veneta : Kunsthandwerk mit Milliardenpotential

Models präsentieren die Marke Bottega Veneta auf der Mailänder Modewoche im Februar 2015 Bild: dpa

Der Taschenhersteller Bottega Veneta drückt aufs Tempo, die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro ist übersprungen. Dabei stand das Label Anfang des Jahrtausends kurz vor der Pleite.

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          Kann es so schnell weitergehen? Bottega Veneta ist in den vergangenen Jahren nicht nur in einem atemberaubenden Tempo gewachsen. Das italienische Taschen-, Mode- und Luxushaus ist in der Pariser Muttergesellschaft Kering SA auch eines der profitabelsten Tochterunternehmen. Die Margen betragen mehr als 30 Prozent; die Investitionen können vollständig über den Mittelzufluss (Cash flow) finanziert werden; und unter dem Strich steht ein dickes Plus. Da darf man schon fragen, ob sich das ungebremste Wachstum in einer konjunktursensiblen Branche so fortsetzen kann.

          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Carlo Alberto Beretta, der zu Beginn dieses Jahres Bottega-Geschäftsführer wurde, weiß, dass die Erwartungen hoch sind. Der Manager, der zuvor elf Jahre beim Herrenausstatter Zegna tätig war, ist dabei in einer zugleich schwierigen und glücklichen Lage: Sein Vorgänger Marco Bizzarri, der zur schwächelnden Kering-Hauptmarke Gucci gewechselt ist, hat bei Bottega Standards gesetzt, an denen Beretta gemessen wird. Gleichzeitig aber verstehe er sich mit ihm so gut, beteuert Beretta, dass er ihn stets nach seiner Einschätzung fragen könne.

          Die Umsatzhürde von einer Milliarde Euro hat Bottega Veneta übersprungen - und schließt damit schnell zu Milliardenunternehmen der italienischen Luxusbranche wie Ferragamo, Prada, Armani und Dolce & Gabbana auf. Und nun? „Klar werden wir nicht mehr im hohen zweistelligen Prozentbereich wachsen wie in den vergangenen Jahren“, sagt Carlo Alberto Beretta in seinem ersten Interview mit einer deutschen Zeitung. „Aber wir legen weiter zu. Wir bauen weiter aus. Wir verfeinern unser Instrumentarium.“

          Der Chef von Bottega Veneta: Carlo Alberto Beretta
          Der Chef von Bottega Veneta: Carlo Alberto Beretta : Bild: PR

          Beretta ist zur Eröffnung des neuen Frankfurter Geschäfts an den Main gekommen. Sieben Geschäfte hat die Marke schon in Deutschland, in Düsseldorf sucht man noch nach einer geeigneten Fläche. Dabei schielt Bottega nicht nur auf Touristen: „Die örtlichen Kunden geben auch viel Geld aus“, sagt Beretta, „das sehen wir besonders in Deutschland.“ Um das Interesse an der Marke anzuheizen, geht der neue Geschäftsführer auf neue Kunden zu, will mehr zugängliche Produkte anbieten und setzt andere Akzente bei der Produktpalette. Abstriche an der Positionierung will er dabei nicht machen: „Wir sind in einer Marktnische - und da wollen wir auch bleiben.“

          Am oberen Endes des Luxusmarktes steht die Marke schon lange - aber allzu lange hat es kaum jemand bemerkt. 1966 begann in Vicenza das Geschäft mit Ledertaschen. Als Bottega Veneta („venezianische Werkstatt“) vor der Pleite stand, griff im Februar 2001 die Gucci-Gruppe (heute Kering) zu, setzte 2002 den Deutschen Tomas Maier als Designer ein und richtete sich neu aus. Mit seiner No-logo-Strategie des diskreten Luxus schrieb Maier eine der großen Sanierungsgeschichten der Luxusbranche. Allein im vergangenen Jahrfünft wuchs der Umsatz von 402 Millionen Euro (2009) auf 1,13 Milliarden Euro (2014).

          Über die Jahre hat die Luxusmarke das Angebot gezielt ausgebaut. Maier, der einen untrüglichen Sinn für Kunsthandwerk, Qualität und Funktionalität hat, trieb die Damen- und Herrenkollektionen voran. Außerdem diversifizierte man das Geschäft mit Schuhen, Brillen und Möbeln. „Wir sind eine Lifestyle-Marke“, sagt Beretta. Die inzwischen rund 250 Läden in aller Welt - wo schon rund zwei Drittel des Umsatzes gemacht werden - müssen eben auch mit eigenen Produkten ausgestattet werden. Beretta mag andere Preiskategorien im Blick haben - Abstriche an der Qualität will er nicht machen.

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