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Berliner Modewoche – Tag 1 : Lass die Affen aus’m Zoo

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Typischer Tag 1 auf der Berliner Modewoche: Es geht abgeranzt los, viele probieren sich an etwas Neuem und Festzelt bleibt Festzelt.

          4 Min.

          Es ist Fashion Week in Berlin! Nicht nur die Saison ist neu – modisch sind wir jetzt im Frühjahr/Sommer 2016 – hier jagt am ersten von vier Modewochen-Tagen wirklich ein Debüt das nächste. Für gewöhnlich ist das in Berlin keine gute Nachricht. Denn weil es etlichen Designern noch immer an Unterstützung wie Erfahrung fehlt, zeigen sie eine Debütkollektion – und dann nie wieder was. Es ist deshalb auch nicht weiter überraschend, dass das erste tolle Debüt des Tages von einer Institution auf dem Schauenplan kommt – und das gleich im doppelten Sinne: Mit dem Label Sopopular eröffnet am Dienstag zum ersten Mal ein Männer-Label die Modewoche. „Wir haben unseren Weg gefunden. Wir wissen jetzt, wer unser Kunde ist“, sagt Designer Daniel Blechman, und diese Erkenntnis scheint Früchte getragen zu haben: „Ich habe mich mehr getraut.“ In der Tat, der uniforme und monochrome Look der vergangenen Saisons bleibt, ist aber lange nicht mehr so düster und wird durch Organza und Fransenstrick gebrochen. Auch Epauletten sucht man in diesem Heer von Kriegern vergebens – die Schultern sind durch Cut-Outs textilfrei. „In Asien läuft es mittlerweile, Europa kommt langsam“, sagt Blechman. London und Paris sind im Fokus, „und langsam zieht auch Deutschland nach. Ganz langsam.“ Damit’s für die internationalen Kunden auch was zu gucken gibt, ließ er die Schau vom Schauspieler RJ Mitte eröffnen, der in „Breaking Bad“ die Rolle des Walter White Jr. innehat.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zweites Debüt an diesem heißen Juli-Tag: Statt wie sonst eine Präsentation zu zeigen, lässt sich Ivanman, als Herrenmodedesigner ebenfalls bereits etabliert in Berlin, zum ersten Mal auf eine Schau ein: Die brandneue Mercedes-Benz-Fashion-Week-Location im „Me Collectors Room“ an der Auguststraße kann man ruhig als Versuch verstehen, die Festzeltstimmung im Modezelt – viele bunte Sponsoren von Herlitz bis Mastercard, Blumenkränze in den Haaren der Schauengäste und eben einige Newcomer-Labels, deren Arbeiten, sagen wir es, wie es ist, einfach zu unreif für den Laufsteg sind – mit Unterstatement und einem Touch Kunst zu brechen. Da passt Ivanman schon deshalb hin, weil er mit seinen Entwürfen das Genderbending weiterdenkt. Er steckt Männer in Hemden mit tiefen Ausschnitten! In Farben wie türkis, pink, rot, gelb! In Strickbodies! Ivanman zeigt, dass all das auch zum dunklen Anzug passt – und zugleich ein Bruch mit Gewohnheiten ist. Mit dieser Mischung ist er jetzt für den renommierten Woolmark-Preis nominiert, der am kommenden Montag in Antwerpen vergeben wird.

          Wolle von glücklichen Tieren

          Wo wir gerade bei Wolle sind: Das Material für Whitetails wunderschöne Anzüge, die dunkelblauen Einteiler, Shorts und Kimono-Kostüme, stammt von glücklichen Tieren. Der Designerin Margit Peura geht es um Nachhaltigkeit wie um Style, Berlin muss ein guter Ort sein, um so etwas zu zeigen. Sonst könnte die Finnin, nun in ihrer zweiten Saison, schließlich auch in Helsinki präsentieren können, dem kreativen Standort ihres Labels.

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