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Schaufensterfiguren : Die Puppen-Mutter

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Handwerk von Bildhauern: Posen und Körperformen ergeben sich nicht zufällig. Eine der ersten, die das erkannte, war Jil Sander. Bild: Edgar Schoepal

Sie sind eine der am wenigsten beachteten Formen der angewandten Kunst, dabei regen sie die Phantasie an und sind auch noch verkaufsfördernd: Schaufensterfiguren. Susanne Oelmann sieht sie nicht nur beim Stadtbummel – sie handelt mit ihnen.

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          Wenn Susanne Oelmann an einem Schaufenster vorbeigeht, betrachtet sie die gläsernen Fassaden der Konsumtempel anders als die meisten Passanten. Wer nach Feierabend durch die Straßen eilt oder ins Gespräch mit der Begleitung vertieft durch die Einkaufszone spaziert, hält häufig nur inne, wenn ein wirklich auffälliges Kleid oder ein besonders gut geschnittener Anzug Fragen aufwirft: Ob mir das auch stehen würde? Soll ich mich diesen Sommer an Orange wagen? Und ob es die Schuhe wohl auch in meiner Größe gibt?

          Susanne Oelmann hingegen zerlegt das im besten Falle stimmige Bild in seine Einzelteile: Da ist die Passform der Schaufensterfigur, die den Schnitt der Kleidungsstücke erst richtig zur Geltung bringt, der elegante, überlange Hals, und da ist diese Pose, die so natürlich wirkt, dass die Betrachter sich darin selbst erkennen. Oelmann sieht aber auch, wenn etwas nicht gelungen ist. Wenn etwa der Anzug über einer zu muskulös gebauten Figur spannt oder deren Haltung regelrecht verrenkt wirkt.

          „Das nennt man wohl déformation professionelle“, sagt sie und lacht. Bei Schaufensterfiguren verfügt Oelmann, 55 Jahre alt, über ausgesprochen viel Professionalität. Sie leitet das Deutschland- und Österreich-Geschäft von Bonaveri, sozusagen dem Ferrari unter den Schaufenster-Mannequins. Das 1950 im italienischen Cento, in der Region Emilia-Romagna, gegründete Unternehmen adelt mit seinen Figuren die Auslagen von Boutiquen wie Hermès und Versace, von Luxus-Händlern wie Bergdorf Goodman in New York und dem KaDeWe in Berlin, aber auch von Ketten wie Zara und Mode-Ausstellungen von New York bis Frankfurt.

          Bonaveri ist ein Familienbetrieb, genau wie der von Oelmann. 2007 übernahm sie die Geschäfte von ihrer Mutter; ihre erwachsenen Kinder haben ebenfalls schon „mehr als nur in die Firma hineingeschnuppert“. Auch ihre Brüder bezieht sie bei wichtigen Entscheidungen ein. Eine solche fiel im vergangenen Jahr. Mit ihrem Showroom zog sie von der Düsseldorfer Innenstadt an die von Modefirmen gesäumte Kaiserswerther Straße, die nicht nur während der Modemesse von Einkäufern, Journalisten, Fotografen und Designern bevölkert wird. Hier werden die Geschäfte gemacht, die auf der Berliner Fashion Week oft ausbleiben: Ware, die später bundesweit in Boutiquen, Department- und Concept-Stores hängt, wird hier geordert.

          Die Mode steht im Vordergrund

          Seit Anfang des Jahres residiert auch Susanne Oelmann hier, um noch näher an ihren Kunden zu sein. Die sollen nämlich die Figuren aus nächster Nähe betrachten, anfassen und Ideen entwickeln können. In dem hellen Raum, den sich Oelmann mit dem deutschen Label Odeeh teilt, stehen Büsten aus massivem Holz, zum Teil mit Stoff bespannt, neben weißen, filigran wirkenden Figuren in unaufgeregten Posen. Die Gesichter sind nur angedeutet, fast alle stehen auf den Zehenspitzen.

          Versteht die Puppen: Susanne Oelmann

          Aus Laiensicht wirken sie extrem schlank, bilden aber Konfektionsgröße 36 ab, erklärt Oelmann. Dass man sie auch für eine 32 halten könnte, die in der Modewelt so begehrte und von außen so oft gescholtene Size Zero, dürfte an den extrem langen und schmalen Gliedmaßen liegen. Der Hals, die Beine, auch die Hände der meisten Figuren seien ganz bewusst überzogen dargestellt – wofür Oelmann eine Erklärung parat hat: „Das schafft Eleganz und sorgt für die nötige Inszenierung im Schaufenster. Unsere Figuren sollen weniger die Realität imitieren als beim Betrachter Begehren wecken.“

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