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Stil-Fragebogen : „Sammeln ist meine größte Schwäche“

Es ist einer der erfolgreichsten Interior,- und Produktdesigner Deutschlands: Werner Aisslinger in seinem Berliner Designstudio. Bild: privat

Werner Aisslinger ist einer der gefragtesten deutschen Designer. Im Stil-Fragebogen spricht er über uralte T-Shirts in seinem Schrank, seine größte Modesünde und seinen letzten handschriftlich verfassten Brief.

          3 Min.

          Was essen Sie zum Frühstück?

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf jeden Fall Avocado. Und Brot. Es gibt aber manchmal auch eine Porridge-Phase.

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

          Hosen online, weil ich es hasse, mich in diesen Kabinen umzuziehen, die immer irgendwie zu klein sind. Den Rest oft unterwegs - man kennt das ja, dass man auf Reisen relaxter ist. Aber es gibt auch zwei, drei Läden in Berlin: Andreas Murkudis oder The Store im Soho-House.

          Hebt es Ihre Stimmung, wenn Sie einkaufen?

          Wenn man Kleidung kauft, erfindet man sich manchmal ein bisschen neu, auf der Oberfläche. Das kann interessant sein. Aber ich bin überhaupt kein Shopper.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

          Es gibt uralte Sachen, Memory-Stücke, die ich nie weggeben werde: T-Shirts, die habe ich mir mit 21 gekauft. Eines ist ärmellos und lila, ein anderes aus so einem schönen Frotteestoff.

          Was war Ihre größte Modesünde?

          Ich habe vor einem Jahr einen karierten Mantel gekauft, den ich zurückgegeben habe. Das passiert mir selten.

          Tragen Sie zu Hause Jogginghosen?

          Nein.

          Haben Sie Stil-Vorbilder?

          Paul Smith.

          Haben Sie jemals ein Kleidungs- oder Möbelstück selbst gemacht?

          Möbel natürlich ganz viele, das ist mein Job. Kleidungsstücke nicht. Wobei: Meine Mutter, eine Lehrerin, war ursprünglich Schneiderin. Da habe ich als Kind vielleicht mal was mitgenäht.

          Besitzen Sie ein komplettes Service?

          Nein.

          Mit welchem selbst zubereiteten Essen konnten Sie schon Freunde beeindrucken?

          Ich bin nicht so der große Koch. Aber meine Käsepätzle - ich komme aus dem Allgäu - finden die Leute ganz gut.

          Welche Zeitungen und Magazine lesen Sie?

          F.A.Z. und „Süddeutsche“ online. Selten „Die Zeit“, gelegentlich die „Domus“, die ist für meinen Job wichtig. Und ich habe einen Haufen Magazine zu Hause rumliegen. Aber die kaufe ich so eruptiv. Alle zwei, drei Monate gehe ich in Läden wie „Do you read me?!“, den kleinen Store an der Auguststraße, und nehme mir, was ich interessant finde, um einfach wieder mal eine Bildwelt zu absorbieren.

          Welche Websites und Blogs lesen Sie?

          Manchmal gucke ich bei „Dezeen“ rein. Ansonsten Sport: Fußballblogs.

          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

          Zum 90. Geburtstag meiner Mutter.

          Welches Buch hat Sie am meisten beeindruckt?

          Als Kind war es sicher „Krabat“. Dann hat man so seine Hermann-Hesse-Phase, irgendwann kommt Thomas Mann. Aber in den vergangenen Jahren? Ich lese ziemlich viel. Vielleicht „Tyll“ von Daniel Kehlmann.

          Ihre Lieblingsvornamen?

          Die meiner Kids: Flori und Juli. Meine Tochter heißt Florentine, mein Sohn Julian.

          Ihr Lieblingsfilm?

          „Blow Up“ von Antonioni.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

          Mit.

          Tragen Sie eine Uhr?

          Ja. Selbst designt, für Lorenz, eine Mailänder Firma, mit Metallgehäuse und Silikonarmband, meine ist gelbschwarz. Wir machen aber gerade eine coole Herrenuhr mit Nomos Glashütte. Das wird dann die Uhr sein, die ich die nächsten 30 Jahre trage.

          Tragen Sie Schmuck?

          Einen Familiensiegelring, der schon in der dritten Generation bei mir gelandet ist. Dann gibt es noch ein Textilband mit einem Messingverschluss, das mir meine Freundin geschenkt hat. Das liebe ich auch.

          Haben Sie einen Lieblingsduft?

          Vetiver von Creed.

          Was ist Ihr größtes Talent?

          Pure, non-konforme Kreativität. Ich bin in der angewandten Kunst unterwegs, als Designer bin ich ja kein Künstler. Da ist es immer die Frage, wie sehr man sich dem Markt beugt oder autonom bleibt. Ich halte mich für jemanden, der relativ kompromisslos ist.

          Was ist Ihre größte Schwäche?

          Chaos, glaube ich. Und sammeln. Weil ich wenig wegschmeiße, sammelt sich einiges an. Ich bin halt nicht in einer Wegwerffamilie groß geworden: ein paar Spielzeuge, mit denen man zu Rande kommen musste, wenige Kleidungsstücke, die einen lange begleiteten. Dadurch entsteht ein sehr inniges, subjekthaftes Verhältnis zu den Objekten, man verbindet sich mit den Dingen. Im Prinzip ist das auch etwas Positives, das für die heutige Generation absurd klingen mag. Aber weil es mir schwerfällt, Dinge abzugeben, behalte ich irgendwie alles. Das macht mein Chaos noch schlimmer.

          Womit kann man Ihnen eine Freude machen?

          Mit gutem Essen. Und mit Witzen. Ich habe selbst nicht so die Gabe, Jokes zu produzieren. Aber Leute, die witzig sind, wie meine Freundin, darüber freue ich mich total.

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

          Fußball.

          Sind Sie abergläubisch?

          Gelegentlich.

          Wo haben Sie Ihren schönsten Urlaub verbracht?

          Ich bin viel gereist, aber Venedig ist meine Stadt: Da fühle ich mich wohl. Man darf natürlich nicht im Juli in der Gluthitze hinfahren, wenn die Stadt voller Chinesen ist.

          Wo verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub?

          Wahrscheinlich in Singapur. Dort habe ich eine kleine Firma und bin sowieso sehr viel da. Könnte aber auch eine Skireise werden.

          Was trinken Sie zum Abendessen?

          Crémant.

          Aufgezeichnet von Julia Schaaf.

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