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Stil-Fragebogen: Carine Roitfeld : „Ich google mich nicht selbst“

  • Aktualisiert am

Carine Roitfeld hat für das Anzeigenmotiv der „Mercedes-Benz Fashion Week“ das Styling übernommen. Bild: action press

Carine Roitfeld ist eine der wichtigsten Stylistinnen der Welt. Die deutsche Hauptstadt ist für die Französin, die jetzt „Global Fashion Director“ für „Harper’s Bazaar“ ist, ein besonderer Ort.

          3 Min.

          Carine Roitfeld wird 1954 in Paris geboren. Nach Berlin ist die ehemalige Chefredakteurin der französischen „Vogue“ der Arbeit wegen gekommen. Aber auch sonst verbindet sie viel mit der Stadt: Ihr Vater lebte hier, nachdem er aus Russland gekommen war und bevor er nach Paris weiterzog.

          Was essen Sie zum Frühstück?
          Zu Hause geht es schnell: Es gibt schwarzen Kaffee, Brot und Butter. Im Hotel ist es glamouröser. Zum Glamour-Frühstück gehört ein Eiweiß-Omelette, Grünzeug, Toast, grüner Tee.

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?
          Ich bin keine große Shopperin. Schließlich arbeite ich mit Kleidung. In meiner Freizeit schaue ich lieber ein Ballett an. Aber ein paar Adressen habe ich. Rick Owens: Ich kaufe in dem Shop in Paris ein, weil mich die Leute da kennen. Außerdem: Comme des Garçons und Hermès.

          Hebt es Ihre Stimmung, wenn Sie einkaufen?
          Natürlich. Manchmal muss man ja nur ein T-Shirt kaufen, um das Gefühl zu haben, schöner zu sein. Obwohl, manchmal hat man danach auch ein schlechtes Gewissen.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?
          Ein Geschenk von Mario Testino, das er mir vor 18 Jahren gemacht hat: ein weißes Kleid von John Galliano. Es ist praktisch, um die Maße zu kontrollieren. So weiß ich, dass sich meine Figur nicht verändert hat.

          Tragen Sie zu Hause Jogginghosen?
          Hauptsächlich Leggins. Gerne aus Kaschmir.

          Haben Sie Stil-Vorbilder?
          Nein. Aber von der Mode abgesehen ist Liz Taylor mein größtes Vorbild. Sie ist vielleicht nicht die am besten gekleidete Frau, aber sie war schön, eine tolle Schauspielerin, oft verheiratet und politisch inkorrekt.

          Haben Sie jemals ein Kleidungs- oder Möbelstück selbst gemacht?
          Ein Möbelstück niemals. Aber ich habe eine Makeup-Linie entworfen, die Farben, die Dosen. Am schwierigsten dabei ist es, einen Namen für jedes Produkt zu finden.

          Besitzen Sie ein komplettes Service?
          Nein.

          Mit welchem selbst zubereiteten Essen konnten Sie schon Freunde beeindrucken?
          Ich koche nicht. Zum Glück kocht mein Mann gerne.

          Welche Zeitungen und Magazine lesen Sie?
          Ich bin nicht einer Zeitung treu. In Frankreich „Le Figaro“. Und die Stücke in der amerikanischen „Vanity Fair“.

          Welche Websites und Blogs lesen Sie?
          Blogs sind nicht für meine Generation gemacht. Ich versuche mich zu zwingen, sie zu lesen. Es gibt Leute, die googeln sich jeden Morgen. Ich google mich nicht, ich lese keine Zeitung. Was mache ich eigentlich morgens? Ballett!

          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?
          Ich habe Freunde, denen ich von Hand schreibe. Das versuche ich an meine Kinder weiterzugeben. Wenn ich ein schönes Geschenk bekomme, ist eine Mail unhöflich. Ich schreibe einen Brief, selbst wenn es nur drei Zeilen sind.

          Welches Buch hat Sie am meisten beeindruckt?
          Ich bin besessen von Dostojewski, von sämtlichen Romanen. Er ist sehr schön bildlich in der Art, wie er schreibt.

          Ihre Lieblingsvornamen?
          Vladimir – auf Russisch bedeutet es Frieden auf Erden, es ist der Name meines Vaters und meines Sohnes. Aber ich werde wütend, wenn man Vlad sagt. Man kann Vladimir sagen oder Volodya, aber Vlad ist wie eine Beleidigung.

          Ihr Lieblingsfilm?
          Ich mag Klassiker. Zum Beispiel „Le Mépris“ von Godard, schon wegen der Villa Malaparte auf Capri.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?
          Ich liebe es, ein Auto zu haben, aber ich fahre nicht gerne. Ob ich vorne oder hinten sitze, kommt auf den Fahrer an.

          Tragen Sie eine Uhr?
          Nein.

          Tragen Sie Schmuck?
          Normalerweise ja. Aber wenn ich morgens keine Zeit habe, wie heute, dann eher nicht.

          Haben Sie einen Lieblingsduft?
          Seit 20 Jahren bin ich „Opium“ von Yves Saint Laurent treu. Umso größer ist die Herausforderung, ein Parfum zu kreieren, das „Opium“ ersetzen könnte. Das muss ich ja selbst tragen wollen. Am liebsten würde ich es in einem Jahr während der Couture-Woche präsentieren.

          Was ist Ihr größtes Talent?
          Ich bin sehr neugierig.

          Was ist Ihre größte Schwäche?
          Ich wäre gerne disziplinierter.

          Wie kann man Ihnen eine Freude machen?
          Mit der Wahrheit. Ich vertraue wenigen. Viele sagen, alles was ich mache, sei großartig. Das ist natürlich Quatsch.

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?
          Mein Vater hat immer gesagt: Einen Fremden fragt man am besten über ihn selbst.

          Sind Sie abergläubisch?
          Sehr! Ich würde niemals jemandem das Salz reichen. Oder als ich als Kind einen Ozean überqueren sollte: Bevor das Schiff ablegte, musste man in der Halle warten. Da Wasser zu trinken, hätte bedeutet, man würde nicht zurückkehren.

          Wo haben Sie Ihren schönsten Urlaub verbracht?
          In Südafrika auf einer Safari mit meinen Kindern vor mehr als 15 Jahren. Beim schönsten Urlaub geht es aber hauptsächlich um die Menschen, mit denen man reist.

          Wo verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub?
          Auf den Turks und Caicos. Wir haben dort ein Haus gemietet. Die ganze Familie kommt zusammen und streitet sich zehn Tage lang.

          Was trinken Sie zum Abendessen?
          Wodka, immer kurz vor dem Abendessen.

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