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50 Jahre Magazin-Laden : Haltung im Regal

  • -Aktualisiert am

Sie setzten weiter auch auf den stationären Handel etwa in München und Stuttgart, weil sich im Geschäft die Marke und ihre Kunden begegnen. Bild: Magazin

Die „Magazin Warenhandelsgesellschaft für technische Güter und Einrichtungsbedarf“ wird 50. Geschäftsführer Stephan Dornhofer spricht über die Anfänge des Ladens und den roten Faden in seinem Sortiment.

          4 Min.

          Stuttgart, 1971: Vier junge Leute eröffnen einen Laden, die „Magazin Warenhandelsgesellschaft für technische Güter und Einrichtungsbedarf“. Im Angebot: Gebrauchsgegenstände für eine neue Zeit. Heute hat das Magazin Geschäfte in Stuttgart, Bonn und München – und einen Webshop. Seit 2006 gehört der Design- und Möbelhandel als eigenständige Marke zu Manufactum. Stephan Dornhofer, Magaziner der zweiten Generation, ist seit 1984 Geschäftsführer.

          Herr Dornhofer, „Was man in der Werkstatt ehrt, ist für die Wohnung nicht verkehrt“, so lautete vor 50 Jahren einer der Leitsätze der Gründer des Magazins. Gilt das noch heute?

          Ja, das ist nach wie vor ein roter Faden, der sich durch das Sortiment zieht, wenn auch nicht bei jedem einzelnen Produkt. Zu dieser Haltung gehört die ästhetische Wahrnehmung des Produkts, dieses Offene, Ehrliche, Selbstreferenzielle, durchaus Werkzeugmäßige. Und eine selbsterklärende Funktionalität.

          Der erste Magazin-Laden war eigentlich das Nebenprodukt eines Forschungsprojekts an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, eine Art Praxisübung. Was die Gründer umtrieb, der Widerspruch zwischen Kapitalismuskritik und der Aufgabe als Gestalter, neue Produkte zu entwerfen, ist noch immer aktuell, oder?

          Brandaktuell. Aus dem kapitalismuskritischen Geist der Gründer ist ja schnell eine merkantile Idee geworden. Wir beim Magazin leben in dem Dilemma, dass wir als Händler tätig sind, aber als Designer wirken wollen. Uns ist klar, dass wir dafür sorgen, immer noch mehr Produkte in die  zu setzen. Umso mehr gilt der Anspruch, dass das vernünftige Produkte sind.

          Was macht ein Produkt vernünftig?

          Da gibt es harte Facts, angefangen beim Materialeinsatz über Dauerhaftigkeit und Robustheit bis hin zu gestalterischer Qualität. Gerade die sorgt dafür, dass ich einen Gegenstand nicht morgen gleich wieder ersetzen mag.

          Mit Augenzwinkern: Stephan Dornhofer, seit 1984 Geschäftsführer des Magazins.
          Mit Augenzwinkern: Stephan Dornhofer, seit 1984 Geschäftsführer des Magazins. : Bild: Magazin

          Um den ersten Laden in Stuttgart hatte sich über die Jahre ein regelrechtes Netzwerk entwickelt. Andere Akteure öffneten weitere Läden, es gab gemeinsame Verkaufsprospekte. Ist dieses Modell wieder aktuell in Zeiten der sozialen Medien?

          Wir leben in einer Welt, in der das kaum mehr verständlich ist. Heute passiert Vervielfältigung als Franchise, alles wird in Konzepte gegossen, die eben nicht frei verfügbar sind. Damals war das Geschäftsmodell quasi als Open Source multiplizierbar, es herrschte eine große Offenheit. Man ist mit offenen Armen aufgenommen worden, als Multiplikator der großen Idee.

          Wie funktionierte der Austausch?

          Es gab eine Vielzahl von Magazin-Geschäften, die sich auf die Stuttgarter Idee berufen haben. Man war befreundet oder zumindest bekannt, es war eine offene Arbeitsgemeinschaft.

          Haben Sie auch gemeinsam Produkte für das Sortiment beschafft?

          Die gemeinsame Beschaffung und der Informationsaustausch, das waren wesentliche Ziele der Zusammenarbeit. In dieser Zeit waren Produkte noch nicht so selbstverständlich greifbar wie heute. Es gab allerdings auch einige uninspirierte Nachahmer, deren Sortiment mit den Leitgedanken der Gründer nicht mehr viel zu tun hatte. Da galt es, Distanz zu wahren.

          Damals waren Sie Entdecker. Sie mussten Telefonbücher und Branchenverzeichnisse durcharbeiten, um potentielle Lieferanten zu finden.

          Heute ist alles für jeden irgendwie greifbar, der Horizont erscheint unendlich. Doch das Pendel schwingt wieder in die andere Richtung. Europäische Unternehmen holen die Produktion aus Fernost zurück, um Wertschöpfungsketten kürzer und kontrollierbarer zu halten.

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