https://www.faz.net/-hrx-9oeac

Stefanie Giesinger : „Ich wurde schon oft gebodyshamt“

Bauchfrei ohne Photoshop: Stefanie Giesinger in Los Angeles für „Tezenis“ Bild: Hersteller

Stefanie Giesinger ist eine der wenigen, die nach „Germany’s Next Topmodel“ als Model Karriere gemacht hat. Wie sie das geschafft hat und warum sie in ihrer aktuellen Bikini-Kampagne mit Narbe zu sehen ist, erzählt sie beim Treffen in Frankfurt.

          Als Stefanie Giesinger nach Frankfurt kommt, um Bademode für die italienische Firma Tezenis vorzustellen, könnte das Wetter nicht besser passen. Über der Einkaufsstraße Zeil brennt die Sonne, so dass man gern sofort in einem der hier auf glitzernden Schaufensterpuppen ausgestellten Bikinis an den nächsten Pool flüchten würde. Giesinger nimmt die Hitze gelassen. Sie trägt ein kleines weißes Häkeloberteil zu Jeans-Shorts und weißen kniehohen Stiefeln. Zwei Fotografen umtanzen die junge Frau. Sie hält geduldig lächelnd bunte Oberteilchen in die Kamera, die mit Zitronen oder Hibiskusblüten bedruckt sind. Dann lässt sie sich zum Interview auf einem Sessel nieder und erzählt, wie sie überhaupt hierhergekommen ist.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          2014 gewann sie die Heidi-Klum-Casting-Show „Germany’s Next Topmodel“. Schon damals fiel sie dadurch auf, dass sie höflich war und umgänglich und sich nicht in die Spielchen anderer Kandidatinnen verhedderte. Nicht alle Gewinnerinnen der Model-Casting-Show haben danach tatsächlich als Model Karriere gemacht. Stefanie Giesinger ist eine der erfolgreichen Ausnahmen. Sie ist bei Agenturen in London und New York unter Vertrag, läuft auf Modewochen, ist das Gesicht für mehrere Marken und hat mit der Drogeriekette „dm“ unlängst ihre eigene Kosmetiklinie entwickelt. Und all das, obwohl sie gerade einmal 22 Jahre alt ist. Wie sie das geschafft hat? „Ich hatte ganz viel Glück, war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt sie bescheiden. „Ich war mir aber auch für nichts zu schade, bin zu allen Castings gegangen, in alle Städte geflogen. Es steckt viel Arbeit dahinter.“ Auch Social Media, schiebt sie nach, habe sehr zum Erfolg beigetragen.

          Followerzahlen entscheiden auch über Aufträge

          Auf Instagram folgen ihr mittlerweile mehr als 3,7 Millionen Menschen. Das sind mehr, als die deutschen Models Toni Garrn und Lena Gercke zusammen aufweisen können. Dass diese Followerzahlen auch über einen Auftrag entscheiden können, weiß Giesinger aus ihrem Arbeitsalltag: „Es ist echt verrückt, aber immer, wenn ein Model zum Vorstellungsgespräch kommt, ist die erste Frage: Wie viele Follower hast Du“, sagt Giesinger. „Das ist eigentlich traurig, es lässt das Talent außen vor. Denn beim Modeln geht es ja nicht um Instagram, sondern darum, die Sachen zu präsentieren. Aber die Kunden wissen eben, wenn sie ein Mädchen mit Reichweite nehmen, dann kaufen sie nicht nur das Mädchen ein, sondern auch die ganzen Fans.“

          Sie selbst versuche, auf Instagram privat zu bleiben. „Ich liebe es, meinen Alltag zu teilen und Fotos zu posten, die ich gemacht habe und schön finde“, sagt sie. Doch gerade weil sie als Model viel mit ihrem Körper arbeiten muss, erlauben sich Nutzer auf den sozialen Netzwerken dazu viele Kommentare. „Ich wurde schon oft gebodyshamt. Einige sagen: Du bist zu dünn. Einige sagen: Du bist zu dick. Unter einem Bikini-Foto gab es zuletzt lauter Hater-Kommentare, dass meine Brüste zu klein seien. Dagegen habe ich mich gewehrt und gesagt: Wie könnt ihr so etwas sagen? Ich liebe diesen Körper, meine Seele lebt in diesem Körper, ich kämpfe in diesem Körper. Also sagt nichts Negatives dazu.“ Von den Fans gab es dafür viel Zuspruch und Unterstützung in den Kommentaren.

          Das mit dem Kämpfen sagt sie dabei nicht etwa kokett. Giesinger hatte bereits während der Modelcasting-Show öffentlich erklärt, dass sie an einer seltenen Magen-Darm-Krankheit leide, die mitunter nur operativ behandelt werden kann. Die Narbe, die von einer Operation am Bauch zurückgeblieben ist, zeigt sie allerdings stolz. Auf den Werbeplakaten des Wäschelabels Tezenis ist sie deutlich zu sehen. „Ich find’s mutig von der Marke“, sagt Giesinger. „Es ist ein sehr moderner Schritt.“ Besonders in der Modebranche, wo Schönheit noch immer mit Unversehrtheit gleichgesetzt wird, sind solche Bilder bislang die Ausnahme. Narben und Unregelmäßigkeiten, alles, was nicht ins Idealbild passt, wird mit Photoshop beseitigt. „Ich bin da sehr stolz drauf“, sagt Giesinger, „und froh, dass es nicht retuschiert wurde.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Axel Voss auf der Gamescom : Zu Gast bei Feinden

          Der EU-Abgeordnete Axel Voss ist die Hassfigur der Youtuber und Gamer. Mit der Reform des Urheberrechts hat er die Szene gegen sich aufgebracht. Sein Besuch auf der Spielemesse Gamescom lief dann aber anders als erwartet.

          3:0 bei Schalke 04 : Bayern und die große Lewandowski-Show

          Nach dem Remis zum Start der Saison zeigen die Münchner „auf“ Schalke ihre ganze Klasse. Beim klaren Sieg ragt vor allem der Torjäger heraus. Es ist ein Spiel voller denkwürdiger Momente.
          Noch baumelt der Golf an den Greifarmen im Zwickauer VW-Werk. Bald soll ihn das Elektromodell ID ablösen.

          VW-Werk : Zwickau wird elektrisch

          VW produziert im sächsischen Zwickau bald nur noch Elektroautos. Das Werk wird damit zum Modell für die ganze Branche. Was bedeutet das für die Arbeiter? Ein Besuch im Versuchslabor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.