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Modedesign : Dieser Mann bringt Amerika guten Stil bei

Aufgewachsen in Paris als Sohn einer chinesisch-amerikanischen Mutter und eines französisch-baskischen Vaters. In Amerika fühlt sich Joseph Altuzarra wohler. Bild: Tobias Everke

Joseph Altuzarra ist so europäisch, wie es ein amerikanischer Designer nur sein kann. Die Stars in Hollywood schätzen seine Mode. Ein Gespräch über coole Kleider für Schauspieler und das Schwulsein unter Präsident Trump.

          9 Min.

          Halb neun Uhr morgens in New York. Joseph Altuzarra steht schon im Büro, in der 14. Etage des historischen Woolworth Buildings. Am Abend zuvor ist der Designer aus Europa zurückgekommen. Den Jetlag nutzt er nun gleich zum Arbeiten. Zehn Tage Italien, Fittings, Stoffauswahl. "Ich mag Mailand wirklich", sagt Joseph Altuzarra. "Aber ich mag es für eine Woche, nicht unbedingt für länger."

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Halb neun: In New Yorker Modekreisen, in denen man leicht bis Mitternacht am Schreibtisch sitzt, selbst wenn keine Deadline droht, und erst so gegen zehn Uhr morgens wieder eintrudelt, ist das recht früh. In den Büros sind um diese Uhrzeit: seine Kommunikationsleiterin, sein Hund, der herumrennt und viel zu lieb bellt, als dass er der noch nicht eingetroffenen Rezeptionistin ihren Job streitig machen könnte, und der Designer selbst. Das war's. Ach ja, und ein Venti-Iced-Coffee von Starbucks, der auf dem langen Konferenztisch bereitsteht, nicht nur der Größe wegen markant: ein Kaffee mit Eiswürfeln, im Winter. Bei eisiger Kälte sieht man so etwas nur in den Vereinigten Staaten.

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          Ein Europäer in Amerika

          Dabei bringt Joseph Altuzarra gerade Amerika Stil bei, also guten Stil aus europäischer Sicht mit besonderem Auge auf die roten Teppiche Hollywoods. Altuzarra ist so europäisch, wie es ein amerikanischer Designer nur sein kann. "Es klingt unglaublich, aber als ich hier anfing, hat niemand davon geredet, dass eine Frau unter ihrem Kleid auch auf den BH verzichten kann." Altuzarra ist in Paris aufgewachsen. "Ein BH ist für Französinnen nur eine Möglichkeit. Mit diesem Bewusstsein bin ich damals nach Amerika gekommen."

          Und mit diesem Bewusstsein gründete er sein eigenes Label. Eigentlich würde man gerne auf die Adjektive sinnlich, sexy und selbstbewusst verzichten, um die Marke zu beschreiben. Aber was, wenn es stimmt? Frauen, die seine Kleider anziehen, fühlen sich sinnlich, sexy, selbstbewusst. Die Schlitze sind immer ein paar Zentimeter höher als erwartet, die Schnitte schmiegen sich an den richtigen Stellen an den Körper, und an anderen Stellen sind sie - für die Prise Humor - betont ausgestellt. Zugleich sind Frauen in seinen Kleidern richtig angezogen und nicht eine Spur vulgär. Das ist wohl das Amerikanische an ihm. "Wer hier Mode machen will, muss wissen, dass die Kunden pragmatisch sind. Bequemlichkeit ist wichtig, ein gewisser Stretchanteil." Seine Kleider werden dadurch nur besser.

          Los Angeles als idealer Ort Amerikas

          Als Frida Giannini vor zwei Jahren bei Gucci gekündigt wurde, war Altuzarra, der heute zu schwarzen Jeans einen Pullover von Gucci trägt, für ihre Nachfolge im Gespräch. Sein Stil hätte Sinn ergeben für die italienische Marke. Aber für Altuzarra, der auch weiterhin eines der größten amerikanischen Talente ist, bleibt es genauso sinnvoll, allein weiterzuarbeiten, also allein mit mittlerweile gut 30 Angestellten und dem Großkonzern Kering als Investor im Rücken. Auch ohne Gucci schätzen sie seine Kleider nun auch in Los Angeles, in Hollywood, wo die Prom-Queens in ihren glänzenden korsettartigen Roben allmählich abdanken. Vor wenigen Tagen erst trug Jennifer Lawrence eines seiner Kleider. Seine Kommunikationschefin meint: "Wir hatten ein gutes Wochenende."

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