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Modedesign : Dieser Mann bringt Amerika guten Stil bei

Alle wollen Spezialanfertigungen

Joseph Altuzarra ist daran nicht ganz unschuldig. Als er 2012 Tom Ford bei einer Party traf und der große Gucci-Erneuerer der Jahrtausendwende ihm sagte, wie sehr er seine Arbeit bewundere, sei es das größte Kompliment gewesen, das er bis dahin bekommen habe. Wenn jemand ein Kleid von ihm trägt, dann hat sich in den meisten Fällen die Stylistin vorab bei der Marke gemeldet. "Sie war bei der Schau, hat die Looks gesehen. Normalerweise wird sie nun nach einer Spezialanfertigung für ihren Star fragen, eigentlich wollen sie heute alle Spezialanfertigungen. Und ich verstehe das auch." Die Stylistin schickt also die Maße und dazu Informationen. "Sie hasst ihre Arme, so etwas."

2017: Jaime King in einem Kleid von Altuzarra Anfang Januar

Wenn es um einen großen Anlass geht, entwerfen noch andere Modemacher auf Basis der Maße Optionen für den jeweiligen Star. "Ich würde sagen, fünf bis sechs verschiedene werden sicher gefragt", sagt Altuzarra. "Man weiß also eins zu sechs, dass sie dein Kleid trägt." Altuzarra macht sich daraufhin an die Zeichnung. "Wenn sie die gut finden, fertigen wir einen ersten Entwurf aus Leinenstoff und hoffen, die Schauspielerin zu diesem Zeitpunkt hier in New York im Atelier zu treffen, für ein erstes Fitting." Zum Fitting hat der Designer dann auch Beispiele für die Stickerei und die Stoffe vorliegen. "Dabei bekommt man eigentlich schon ein ganz gutes Gefühl dafür, ob sie den Entwurf wirklich mögen oder nicht." Sobald es um den eigentlichen Entwurf geht, das finale Kleid, ist das entsprechende Event in L.A. so gut wie übermorgen. "Wir schicken es dorthin, und dann können wir nur noch beten."

First-Lady-Dressing entfällt

Vier Saisons pro Jahr, so viele Celebrity-Kleider wie möglich: Altuzarras Terminkalender wird immer voller. Aber es muss so sein. "Die Ausstattung von Prominenten ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit." Als die Herzogin von Cambridge im September vergangenen Jahres ein hellblaues Kleid mit dicken Punkten trug, hoher Schlitz am linken Bein, und, gut, nicht ganz so viel Ausschnitt am Dekollete, darunter selbstverständlich ein BH, bekam die Marke so viel Aufmerksamkeit wie noch nie.

Zumindest könnte Altuzarra künftig den Posten First-Lady-Dressing von seinem Terminkalender streichen. Für Michelle Obama entwarf er Kleider für Reisen nach Marrakesch und Tokio. Die Frage, wer auf ähnliche Weise auch Melania Trump einkleidet, hat den amerikanischen Modemachern zuletzt einen großen Gewissenskonflikt beschert. Soll man jemanden einkleiden, der mit jemandem verheiratet ist, dessen Verhalten man von Grund auf ablehnt? Oder ihm mit jenem Respekt begegnen, dem man so gut wie jeder anderen Person der Zeitgeschichte auch entgegenbringen würde? Also einkleiden? Oder zumindest für die Kleider zahlen lassen, wie jede andere Kundin auch?

Er würde Melania Trump auf Anfrage einkleiden

"Das ist echt eine schwierige Frage", sagt Joseph Altuzarra. Einen Standpunkt hat er trotzdem. "Es gibt noch immer diese große Kontroverse in Amerika: Viele Bäckereien, nicht unbedingt in New York, aber in den Südstaaten, weigern sich, Kuchen für die Hochzeiten von Schwulen zu backen. Sie rechtfertigen das mit ihren religiösen Grundsätzen. Sie berufen sich dabei auf ihre Rechte als Bürger, nicht für jemanden zu arbeiten, mit dessen Lebensstil sie nicht übereinstimmen." Er findet das falsch, "fundamental falsch!" Natürlich wird Altuzarra, der Hillary Clinton im Wahlkampf unterstützt hat, kaum Melania Trump fragen, ob er sie für die nächste Party einkleiden dürfe. Und niemand hat bei ihm bisher angefragt. "Aber ihr den Dienst zu verweigern, wäre Doppelmoral. Da geht es auch um Prinzipien. Und darum, zu ihnen zu stehen."

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