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Modedesign : Dieser Mann bringt Amerika guten Stil bei

Die größte Überraschung für Altuzarra, als er 2001 am Swarthmore College in Pennsylvania mit seinem Studium der Kunst und Kunstgeschichte begann: dass seine Meinung plötzlich etwas zählte. "Im französischen Bildungssystem geht es noch immer um ganz klare Regeln. Nach denen soll man denken. Die Meinung des einzelnen Schülers interessiert hingegen niemanden. Als ich nach Amerika kam, war das Schwerste im Studium für mich tatsächlich, meine eigene Meinung zu einem Sachverhalt zu artikulieren."

Ein Jahr bei Givenchy genügt

Nach dem Studium zog Altuzarra nach New York, arbeitete als Praktikant bei Marc Jacobs und als Freelancer bei Proenza Schouler. Er sah sich längst in der Mode, obwohl er nie Design studiert hatte. Ein französischer Schnittmacher, Nicolas Caito, brachte ihm ein Jahr lang die Grundlagen bei und gab ihm schließlich den Rat, zurück nach Paris zu gehen. Dort wurde er 2006 einem Headhunter des Luxuskonzerns LVMH vorgestellt - für einen ambitionierten Jungdesigner kommt das einem Sechser im Lotto gleich. Eine Woche später begann er unter Riccardo Tisci bei Givenchy. In seiner Zeit dort, einem ganzen Jahr, hatte er gerade einmal drei Wochenenden frei. Das genügte an Erfahrung, um in New York sein eigenes Label zu gründen.

2015: Michelle Obama beim japanischen Kaiser in einem Kostüm von Altuzarra

Es war das Jahr 2008, ausgerechnet jene Zeit, als sich die Märkte gerade im freien Fall befanden und die Finanzkrise auch die Mode kalt erwischte. Für junge Designer wie Joseph Altuzarra, Jason Wu, Phillip Lim oder Alexander Wang bot die Zeit trotzdem eine große Chance. Sie waren klug und ihre Marken klein, also wendig genug, um sich sofort auf Krise einzustellen: Ihre Teile lagen preislich knapp unter denen der etablierten Marken, waren tragbarer und trotzdem nicht langweilig.

Hochzeit im Rainbow Room über dem Rockefeller Center

Und in Michelle Obama, die oft ihre Entwürfe trug, hätten sie keine bessere Botschafterin finden können. Nicht umsonst sagt Altuzarra, dass er sich heute amerikanischer fühle, trotz der vielen Jahre in Paris, der doppelten Staatsbürgerschaft. "Ich mag mein Leben hier wirklich sehr. Das hat sicher auch damit zu tun, dass ich kein sonderlich glücklicher Jugendlicher war. Paris verbinde ich immer noch mit diesem bedrückenden Gefühl, das ich damals hatte. In Amerika konnte ich erst richtig aufblühen."

In Amerika traf er auch seinen heutigen Mann, den Immobilienentwickler Seth Weissman, vom "Observer" zu einem der "Top 50" unter den neuen "Power-Schwulen" ernannt. Vor zwei Jahren war Hochzeit, inklusive der legendären Wedding-Ankündigung in der "New York Times" und der Nachberichterstattung in der amerikanischen "Vogue". Zehn Monate lang plante das Paar. Eigentlich wollten sie im Ausland heiraten, bis sie durch Zufall auf den gerade frisch renovierten Rainbow Room über dem Rockefeller Center stießen. "Unsere Hochzeit war eine der ersten dort."

Unter Obama vieles als selbstverständlich hingenommen

Zu den Gästen gehörte auch Ivanka Trump, was Auskunft gibt über die gesellschaftliche Größenordnung der Altuzarra-Weissman-Hochzeit. Die Tochter des neuen Präsidenten galt zu der Zeit schließlich noch als großer social butterfly, als gute Bekannte von Chelsea Clinton.

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