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Modedesign : Dieser Mann bringt Amerika guten Stil bei

Für Altuzarra ist Los Angeles so etwas wie die idealtypische Version von Amerika. "Ich bin ja weit davon entfernt aufgewachsen. Ich klinge zwar amerikanisch, aber ich bin es nicht. Und L.A. ist für mich immer noch dieser faszinierend amerikanische Ort." Altuzarra hat mittlerweile den ersten Schluck seines Venti-Iced-Coffees mit dem Strohhalm genommen und sich in den Konferenzraum mit cremefarbenen Wänden und mausgrauen Stühlen gesetzt. "Los Angeles steht für mich wie kein zweiter Ort für die Mentalität des amerikanischen Traums." Er ist mehrmals im Jahr dort, zum Arbeiten. "Aber dann bleibe ich doch immer noch ein paar Tage länger." Er liebt das LACMA, das Los Angeles County Museum of Art, und er mag die Sushi-Kette Sugarfish - obwohl sie mittlerweile auch eine Filiale in New York eröffnet hat, isst er Sushi immer in L.A. "Und ich übernachte meist im Sunset Tower Hotel. Unbedingt nach einem Zimmer mit Balkon fragen!"

Die Stadt wird immer cooler

Für einen Designer ist Los Angeles wie ein Spielplatz, schon wegen der vielen Vintage-Mode in der Stadt. "Danach dort zu suchen ist aufbesondere Art entspannend. Die Qualität ist einfach großartig. Man findet amerikanische Arbeitskleidung, all die Drucke, die Stoffe." Bei "Mister Freedom", einem seiner Lieblingsläden, gibt es Mode, die bis in die Zeit der großen amerikanischen Webereien aus dem 19. Jahrhundert zurückreicht.

Die Amerikaner lassen sich von Altuzarra guten Stil beibringen. Emily Ratajkowski, Alexa Chung und Christina Ricci (von links) auf der Altuzarra-Show im Februar.

Bei "RTH", einem Shop in West Hollywood, der gerade mal ein Jahr alt ist, aber auch schon zu seinen Lieblingsorten gehört, stöbert man mit dem Geruch von Lagerfeuer in der Nase. Für Modemacher sind solche Erlebnisse wie Kurzurlaube. Für Altuzarra besonders, denn seit er vor 15 Jahren nach Amerika gekommen ist, wird die Stadt nur cooler. Die Zeiten, als Los Angeles in der Wahrnehmung von Europäern oder Ostküsten-Bewohnern als Unort galt, hat er kaum mitbekommen. Joseph Altuzarra ist schließlich erst 33 Jahre alt. "Als ich hier ankam, fingen die ersten gerade wieder an, nach Los Angeles zu ziehen. Damals ging es los, dass diese Stadt plötzlich wieder ein intellektueller Ort wurde. Das hat sicher auch meine Wahrnehmung bestimmt."

Altuzarra ist ein großer Film-Fan. Gerade hat er "Moonlight" im Kino gesehen, die berührende Geschichte eines Afroamerikaners im Süden der Vereinigten Staaten, einer der vielversprechendsten Oscar-Anwärter (siehe Seite 42). "Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass ein Film wie ,Moonlight' vor 15 Jahren diese Aufmerksamkeit bekommen hätte, und das liegt sicher auch daran, dass das Fernsehen in den vergangenen Jahren so gut geworden ist", sagt Altuzarra. "Dadurch wurde der Film unter Druck gesetzt, besser zu werden. Okay, vor gut 15 Jahren habe ich auch noch Teenager-Filme gesehen."

Plötzlich zählte die eigene Meinung

Im siebten Arrondissement von Paris wuchs er auf, als Sohn einer amerikanischchinesischen Mutter und eines französisch-baskischen Vaters. Er besuchte eine französische Schule. "Mein Englisch war gar nicht so gut, mein Wortschatz war", er stockt kurz, wie öfter an diesem frühen Morgen, wenn er nach dem richtigen Ausdruck sucht, "eher begrenzt."

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