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Anime zum Mond-Neujahrsfest : Sonderkollektionen mit Totoro und Doraemon

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Freundlicher Waldgeist für zuhause: Loewe gibt eine Sonderkollektion mit Totoro heraus. Bild: Picture-Alliance

Das Mond-Neujahrsfest ist in vielen asiatischen Ländern ein Feiertag. In diesem Jahr nehmen Luxushäuser es zum Anlass, Sonderkollektionen mit Anime-Helden herauszugeben.

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          Neues Jahr, neuer Konsumrausch: Während „Holiday Collections“ alle Jahre wieder zu Weihnachten und Silvester zum Standard-Repertoire des Handels gehören, ist das, was viele „Chinese New Year Collection“ nennen (wenngleich „Lunar New Year“ akkurater wäre, schließlich gibt es in Asien mehr als nur ein Land) ein recht neues Phänomen. Knapp einen Monat vor dem Neujahr nach Mondkalender, das dieses Jahr auf den 12. Februar fällt, vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein großes Modehaus eine neue Festtagskollektion verkündet.

          Und weil das kommende Jahr im chinesischen Jahreshoroskop im Zeichen des Büffels steht, der Kraft, Entschlossenheit und Aufrichtigkeit symbolisiert, schmückt er bei Marken wie Burberry, Chloé oder Dior – man kann die Liste hier endlos fortführen – T-Shirts, Taschen, Treter. Etwas subtiler halten es Miu Miu und Fendi, die sich nur auf die Glücksfarbe Rot und chinesische Models besinnen, oder Dr. Martens, wo man einfach Jadetalismane an die Schuhe schnürt.

          Doraemon ziert bei Gucci Uhren, Shirts und Schuhe.
          Doraemon ziert bei Gucci Uhren, Shirts und Schuhe. : Bild: Gucci

          Ganz anders blicken Gucci und Loewe auf das neue Jahr: Sie kollaborieren mit bekannten und beliebten Manga- und Anime-Figuren. Gucci lässt seine Models mit dem Kinderhelden Doraemon tanzen, dessen Gesicht auch die Kollektion schmückt. In Europa wenig bekannt, ist der blaue Roboterkater, der aus der Zukunft geschickt wird, um dem Jungen Nobita Nobi zur Seite zu stehen, seit seiner Geburt vor über fünfzig Jahren wohl in fast jedem Kinderzimmer in Ost- und Südostasien zu finden. Ähnlich die (ausnahmsweise nicht explizit „Chinese New Year Collection“ genannte) Sonderkollektion von Loewe mit Figuren aus „Mein Nachbar Totoro“, dem beliebten Anime des Studios Ghibli, in dem der titelgebende Waldgeist den Mädchen Satsuki und Mei hilft.

          Beliebt wie Mickey Mouse in Europa

          Ein wohlgesinnter Begleiter und Beschützer zum neuen Jahr, das ist ein schöner Gedanke, ebenso wie das kindlich Verspielte ein schöner Gedanke in allzu ernsten Zeiten ist. Zwar sind diese Charaktere in China und vielen anderen asiatischen Ländern so beliebt wie Mickey Mouse in Europa, doch kommen sie aus Japan, einem Land, das seit der dortigen Einführung des gregorianischen Kalenders vor über hundert Jahren überhaupt gar kein Mond-Neujahr mehr feiert. Haben da etwa europäische Unternehmen die kulturellen Unterschiede eines ganzen Kontinents über einen Kamm geschert? Oder führen sie einfach den Trend zu Comic-Kollaborationen fort, den auch schon Supreme mit Akira, Uniqlo mit Sailor Moon und Adidas mit Dragon Ball Z gefeiert haben?

          In Asien ist der Roboter-Kater Doraemon so bekannt wie in Europa Mickey Mouse.
          In Asien ist der Roboter-Kater Doraemon so bekannt wie in Europa Mickey Mouse. : Bild: Gucci

          Diese Capsule Collections sind immerhin etwas kreativer als die sehr naheliegende und vielleicht erstbeste Idee, einfach alles in rot zu tauchen und mit Büffelköpfen zu versehen. Wie ausgeprägt das kulturelle Verständnis für asiatische Bräuche ist, ist ohnehin nebensächlich. Schließlich wird das Mond-Neujahr von schätzungsweise 1,5 Milliarden Menschen gefeiert und ist einer der weltweit wichtigsten Feiertage überhaupt. In der Volksrepublik China wird es einfach nur Frühjahrsfest genannt, in Korea Solleal, in Tibet Losar und in Vietnam Tet; und obgleich es vielerorts chinesische Einflüsse gibt, hat jedes Land seine eigenen Bräuche. Allen gleich ist die Feierlaune und das Hoffen auf bessere Zeiten, das durch alle möglichen Glückssymbole begleitet wird. Kaum verwunderlich, dass große Marken da versuchen, mit der guten Laune in diesen aufstrebenden Märkten, in denen die Kaufkraft in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist, auch die Konsumlust anzukurbeln. In der Hoffnung, dass die Konsumenten vom entbehrungsreiche Jahr 2020, in dem die Pandemie dem Neujahrsfest einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, so ausgehungert sind, dass sie dieses Jahr umso ausgiebiger feiern, warten große Marken, inklusive Apple, wo man in dieser Hinsicht sonst eher zurückhaltend ist, mit besagten Sonderkollektionen auf.

          Europäische Dominanz schwindet

          Wenn Mode und Konsum also Seismographen gesellschaftlicher Verhältnisse sind, dann bestätigen die omnipräsenten, mal mehr, mal weniger gelungenen, Referenzen an Kulturphänomene aus dem asiatischen Raum nur das, was Politik- und Wirtschaftswissenschaftler seit Jahren predigen: Dass die europäische Dominanz schwindet und sich nun eben auch kommerziell (pop-)kulturelle Motive aus dem Raum Asien-Pazifik global ausbreiten. Dass die vom Pandemie-Jahr gebeutelten Konsumgüterkonzerne so stark auf die aufstrebenden Volkswirtschaften des Ostens blicken ist bezeichnend. Und dass die Büffel stark dem Stier ähneln, der bekanntlich eine starke Wirtschaft symbolisiert, drückt vielleicht umso mehr die Hoffnung auf einen neuen Bullenmarkt aus. Ob sich die Hoffnungen der großen Marken im Osten bestätigten, wird sich um die Feiertage zeigen.

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