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Socken-Unternehmer : Die Socken Mannheims

Die von-Jungfeld-Gründer Maria Pentschev und Lucas Pulkert mit ihren Socken Bild: Marcus Kaufhold

Früher waren Socken schwarz. Heute herrscht Anarchie an den Füßen. Für zwei Gründer aus Mannheim wurde das zum Geschäftsmodell – mit einigen berühmten Kunden.

          4 Min.

          Die Socke war mal schwarz – oder zumindest dunkel. Fast unumstößlich war diese Regel für die Herren der Geschäftswelt. Heute aber herrscht Anarchie an den Füßen. Die Socke kennt keine Grenzen mehr: Sie ist bunt, sie blendet, sie glitzert, sie hat Muster. Überschlagen Herren, die auf Bühnen sitzen, die Beine, blitzen die lustigsten Exemplare hervor.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch so neu sei das gar nicht, findet Maria Pentschev: „Die bunte Socke hat Tradition. Damit wollten sich schon die englischen Adeligen von der Bourgeoisie abheben.“ Pentschev, 33 Jahre alt, ist vom Fach, sie ist Sockenunternehmerin. Gemeinsam mit Lucas Pulkert, 26 Jahre, betreibt sie die Marke „von Jungfeld“. Beide sind Gründer und Geschäftsführer des Mannheimer Start-ups Stilfaser.

          „Die Socke adelt den Mann“, lautet der Werbespruch des Unternehmens. Er prangt in einem ihrer Youtube-Videos vor einer Nahaufnahme der Socken des Moderators Joko Winterscheidt, der sich in einer alten Villa mit einem Gewehr in der Hand auf einem Sofa räkelt. Jokos Socken sind rot mit einem dunklen Streifen, der sich einmal quer rund um den Fuß legt. 100 0000 Leute haben sich dieses Video angeschaut. Winterscheidt ist einer ihrer Investoren.

          „Wilde Web-App-Ideen“

          Pulkert und Pentschev haben sich in einem der schickeren Viertel Mannheims kennengelernt. Es gibt hier angesagte Bars, in denen man Cocktails schlürft, die mehr kosten als drei Döner. Eine Popakademie bildet Musiker und Musikmanager aus, die im Start-up-Zentrum nebenan dann Filmagenturen und Beratungen gründen. Die Leute sind mit Renn- und Lastenrädern unterwegs. Der Jungbusch, so heißt das Viertel, könnte auch in Berlin sein. Die ersten Jahre hatten sie ihre Büros auch dort. Inzwischen sind sie umgezogen in das nächste Viertel, das hipper werden soll. In einer alten Kaserne reihen sich die Start-ups aneinander.

          Pentschev, Österreicherin mit bulgarischen Wurzeln, war im Jungbusch an der Popakademie, finanzierte ihr Studium als Sängerin: „Coversängerin, Studiosängerin, Backgroundsängerin, alles.“ Pulkert, ursprünglich aus Nürnberg, kam frisch aus dem Studium, hatte seinen Bachelor in Kultur, Wirtschaft und Geschichte gemacht.

          Mit Socken hatten die beiden nicht viel am Hut. Erst hätten sie „wilde Web-App-Ideen“ gehabt, sagt Pulkert heute. Da hätten die Investoren aber abgewinkt. Dann seien sie auf die Idee gekommen, Socken zu verkaufen, online und im stationären Handel. Mode sei ja üblicherweise sehr emotional – nur Socken seien das lange nicht gewesen, sagt Pulkert. Von den Investoren hätten sie dann Geld bekommen, um eine Reise durch Deutschland zu machen und sich über die Sockenlandschaft zu informieren. Innerhalb von drei Monaten hätten sie „von Jungfeld“ als ihre Marke entwickelt.

          „Wir hatten keine Ahnung“

          „Sagt mal, warum seid ihr eigentlich in diesen gesättigten und umkämpften Markt eingestiegen?“, hätten Kunden und Konkurrenten sie später gefragt, erzählt Pentschev. Ihre Antwort: „Wir wussten das alles nicht.“ Pulkert ergänzt: „Wir hatten keine Ahnung vom Markt und vom Produkt.“ Eine Socke wirke ja erst mal einfach, fährt Pentschev fort, „wir wurden eines Besseren belehrt“. „Hätten unsere Investoren gewusst, wie kompliziert das Geschäft ist, hätten sie uns das Geld auf keinen Fall gegeben“, sagt Pulkert. Winterscheidt findet sein Investment dagegen plausibel: „Jeder trägt Socken. Fast jeden Tag. Verrückt, dass nicht mehr Menschen in Socken investieren.“

          Aus ihrer Anfangszeit berichten Pulkert und Pentschev von falsch berechneten Margen und schlecht durchdachten Strategien. Doch gerade das Ungewöhnliche habe sie anfangs erfolgreich gemacht, sagen sie. Damals hingen ihre Socken nicht an Haken, wie man das kennt. Stattdessen haben sie die Socken in „hochfiligranen Boxen“ verpackt, sagt Pulkert. „Die Läden haben das gefeiert“, meint Pentschev. Eben weil der Markt so gesättigt gewesen sei, sei er auch auf der Suche nach neuen Konzepten gewesen.

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