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Influencer in Cannes : Ein Traum von einer Anzeige

Auf dem roten Teppich: In Cannes präsentiert die deutsche Influencerin Caro Daur Schmuck und Kleider. Bild: AFP

Der Teppich in Cannes ist Laufsteg für teure Mode und noch teureren Schmuck. Präsentiert wird der Luxus jetzt auch von Influencern – wie Caro Daur.

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          Aus diesem Stoff sind in Cannes die Träume. Über den roten Teppich, der hinauf in den Festivalpalast führt, gehen Regisseure mit ihren Filmteams den Premieren entgegen. Die Kleider der Schauspielerinnen, die Smokings der Männer – das ist nicht Spaß an der Eitelkeit, in Cannes ist es Vorschrift. Wer die steile Treppe hinaufwill, muss den Dresscode befolgen, daher ist das Festival an der Côte d’Azur glamouröser als Venedig oder Berlin. Wer hier welches Kleid zu einer Premiere trägt – das ist in den Medien und vor allem den sozialen Medien sofort ein Thema. So ist der Teppich zum Schauplatz für Haute Couture und Haute Joaillerie geworden, für teure Mode und noch teureren Schmuck.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Und nun kommen auch noch die Influencer. Zum Beispiel Caroline Daur aus Seevetal bei Hamburg. Sie sitzt an diesem Tag auf der Dachterrasse des Hôtel Martinez, die für die Dauer des Filmfests mit der dazugehörigen Suite von Chopard angemietet wurde. Das Schmuckunternehmen ist in Cannes allgegenwärtig. Es entwirft die Goldene Palme, mit der am Ende der beste Film ausgezeichnet wird. Viele Schauspielerinnen tragen Ohrringe, Ketten oder Ringe der aktuellen Kollektionen. Seit 21 Jahren ist die Marke Partner des Filmfestivals. „Wir sind glücklich“, sagt Caroline Scheuffele, Ko-Präsidentin und Kreativdirektorin von Chopard, „dass unsere Schmuckkollektionen nun auch von Influencern getragen werden.“ So erreicht die Marke stärker als je zuvor junge Kundinnen.

          Den Begriff Influencer mag sie nicht

          In diesem Jahr hat das Unternehmen vier Social-Media-Stars zum Festival eingeladen – aus den Vereinigten Staaten, Brasilien, Spanien und eben Deutschland. Caro Daur, 23 Jahre alt, schlank, blond, hübsch und smart, hat 1,5 Millionen Follower auf Instagram. Den Begriff Influencer mag sie gar nicht. „Das Wort ist superschwierig. Der Begriff ist überhaupt nicht definiert. Er erklärt nicht, was man macht und mit welcher Qualität. Er sagt nur, dass man eine Reichweite hat, aber nicht einmal, wie groß die ist.“ Influencer – das klingt nach netten Fotos und viel Geld. Dabei sei das, was sie mache, weitaus mehr. Daher möchte sie lieber als Entrepreneur bezeichnet werden.

          „Man spricht ja zunächst einmal mit den Marken und stellt sich vor“, sagt sie. Soll heißen: Sie ist nicht nur ein Model. „Ich möchte meinen kreativen Input mit einbringen und sagen: Das bin ich, das ist meine Persönlichkeit, so könnte ich mir das vorstellen.“ Dafür müsse man lange in Meetings oder am Telefon sitzen. „Ich sage auch viel ab, wenn es nicht passt.“

          In Cannes arbeitet sie mit Chopard (Schmuck) und Alberta Ferretti (Mode) zusammen. Drei Tage ist sie hier. Bei den komplizierten Wegen ist es gar nicht so einfach, überall pünktlich zu sein. Der Verkehr in der Küstenstadt ist während des Festivals durch Polizeiabsperrungen und Sicherheitskontrollen rund um Hafen und Strandpromenade eingeschränkt. Die meisten Strecken geht sie zu Fuß. Und wenn doch mal eine Absperrung im Weg ist? Dann springe sie drüber, sagt sie. Nichts stresse sie mehr, als wenn Leute auf sie warten müssten.

          Fast 500 Fans kommentieren ihren werbenden Post

          Ihr Terminkalender hier ist voll: Partys, Foto-Shootings, Anproben, Charity-Lunch, zweimal roter Teppich, ein Auftritt für ein Parfüm. Er wird später mit kurzem Video auf ihrer Instagram-Seite zu sehen sein. Dort schlendert sie über den roten Teppich auf dem Bootssteg eines Luxushotels, das blaue Seidenkleid flattert im Wind. Rund 48.000 Fans klicken das Herzsymbol an, fast 500 hinterlassen einen Kommentar: „Merveilleuse!“ – „Du bist so schön!“

          Berechnet wird nach Followern und Klicks. Kim Kardashian – mit 111 Millionen Instagram-Followern – soll 550.000 Dollar für einen werbenden Post verlangen. In Deutschland liegen die Preise viel niedriger, hier hat aber auch niemand so viele Follower. Bis vor kurzem mischte sich solche Werbung ohne Markierung mit anderen Inhalten. Nach einem Gerichtsurteil von 2017 muss Werbung nun auch in Deutschland gekennzeichnet werden. Bei Caro Daur steht am Ende der Bildbeschreibung bei einem Post, für den sie Geld bekommt, „Anzeige/Ad“.

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