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Influencer in Cannes : Ein Traum von einer Anzeige

Aus Cannes werden diesen Zusatz sieben Bilder tragen. Einige davon sind auf der Chopard-Terrasse aufgenommen, auf der sie jetzt auf den Schmuck für ihren Roten-Teppich-Auftritt am Abend wartet. Im Hintergrund glitzert das Meer. Die Yachten stauen sich in der Bucht. An das blaue Terrassengeländer schmiegen sich Orchideen und Farne – die Orchideen finden sich auch in einem Teil der Kollektion für den roten Teppich wieder. Jury-Präsidentin Cate Blanchett trug am Eröffnungsabend ein Paar lange Orchideen-Ohrringe. Von diesem Modell gibt es zwei Ausführungen. Ein Paar, heißt es bei Chopard, wurde bereits verkauft. Auf den weißen Polstern auf der Terrasse sitzen nicht nur Schauspielerinnen und Filmemacher, um sich Schmuck abzuholen – sondern auch Kunden, die sich Schmuckstücke zum Kauf vorführen lassen.

Den Trubel scheint sie zu genießen

Für Caro Daur bringt eine Mitarbeiterin zwei rotlackierte Schatullen. Darin Ringe, zwei Ketten und filigrane Armbänder mit Diamant-Herzchen. Sie legt sie für ein Foto an, versteckt die Armreifen, die sie bereits trägt, kurzerhand unterm Pullover und wirft dem Fotografen einen koketten Blick zu. Schnell wechselt sie zwischen dem Klicken des Kameraverschlusses die Pose. Mal die Hände vors Gesicht, mal entspannt, mal herausfordernd in die Kamera blickend.

Sie ist ein Profi, mittlerweile auch auf dem roten Teppich. Das erste Mal lief sie ihn in Cannes vor zwei Jahren entlang. Amanda Steele, eine amerikanische Beauty-Influencerin, erlitt im vergangenen Jahr eine Panikattacke, bevor sie vor die Fotografen trat. Caro Daur scheint den Trubel vor der Premiere des Wettbewerbsfilms „Blackkklansman“ zu genießen. Ihren bisher vielleicht größten Auftritt vor Modepublikum hatte sie auf dem Laufsteg für Dolce & Gabbana, die Italiener buchten sie sechsmal für ihre Shows.

Bis dahin war es ein langer Weg. Nach dem Abitur begann sie mit dem BWL-Studium und arbeitete nebenher als Werkstudentin bei Michael Page. Dann kam Instagram. Sie probierte sich auf der neuem Plattform aus. Den Durchbruch, so schätzt sie es selbst ein, hatte sie vor zwei, drei Jahren. Und plötzlich hatte sie mehr als eine Million Follower. „Meine Community ist mit mir gewachsen, die kennen mich also schon lange und wissen, dass ich auch Fehler eingestehe oder mich ungeschminkt zeige. Ich denke, sie mögen, dass ich real, ehrlich und authentisch bin. Ich zeige ungefiltert, wie ich als Person bin.“

„Ohne meine Familie würde es nicht funktionieren“

Die Marken-Kooperationen wählt sie gut aus. Bis heute hat sie keinen Manager, erledigt all ihre Kommunikation selbst und wohnt, wenn sie mal nicht in Tokio, Paris oder Mailand unterwegs ist, bei ihren Eltern in Seevetal. „Ich bin auf einem Dorf groß geworden. Ohne meine Familie würde es nicht funktionieren. Es ist schön, nach den vielen Reisen – 302 Tage im letzten Jahr – einen Rückzugsort zu haben. Ich bin sehr viel unterwegs, darf unglaublich viele Orte bereisen und lerne unterschiedliche Kulturen und Menschen kennen.“

Und obwohl sie für Konsumgüter wirbt – nicht der Konsum, der Spaß am Ausprobieren sei ihr wichtig. „Ich habe es schon immer geliebt, mit meiner Mutter durch Boutiquen zu schlendern und Sachen anzuprobieren – egal, ob man sie sich leisten konnte oder nicht. Der Spaß am Anprobieren ist bis heute geblieben. Aber ich hatte noch nie den Drang, diese Dinge besitzen zu müssen.“

Für den roten Teppich in Cannes trägt sie am Abend ein schulterfreies schwarzes Kleid, dessen feine Chiffonlagen bis zum Boden reichen. Dazu ein Halsband, Ohrringe und Ringe mit vielen Diamanten. „Gorgeous“, schreiben ihre Follower und posten Herzchen dazu. An diesem Abend trägt Caro Daur für sie die Stoffe, aus denen Träume sind.

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