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Tipps für die Selbständigkeit : Plan Plein

Schritt 10: Schausteller einspannen

Karl-Heinz Müller von der Bread & Butter hatte mir damals zwei Saisons lang einen Stand umsonst gegeben – und ich stattete ihm im Gegenzug seine Lounge mit Möbeln aus. In der dritten Saison wollte er, dass ich den Platz kaufe. Und ich sagte: Pass auf, wenn du ihn mir umsonst gibst, baue ich dir hier eine Geisterbahn hin. Das fand er cool. Da bin ich zu einem Schausteller gegangen, der im Weihnachtsgeschäft viel zu tun hatte, aber im Januar hat er mir die Geisterbahn da fürn Appel undn Ei in die Halle gebaut. Da stand dann also eine 30 Meter lange und 15 Meter hohe Geisterbahn, zwei­stöckig. Ich baute meinen Messestand in die Geisterbahn, alle mussten die Bahn nehmen. Alle sind ausgeflippt. Und alle wollten hier unbedingt etwas kaufen. Mit der Jacke konnte ich so eine Million Umsatz machen.

Fashion Week in Mailand: Courtney Love singt während der Präsentation von Philipp Pleins Sommerkollektion mit Robotern.

Im Rückblick waren die ersten Jahre die schwierigsten. Als ich zum ersten Mal nach Mailand kam, musste ich zum Beispiel in einem Stundenhotel schlafen. Tagsüber haben dort die Prostituierten gearbeitet, abends konnte ich wieder einziehen und musste am nächsten Morgen wieder ausziehen. Ich hatte ja gerade einmal ein Budget von 60, 70 Euro die Nacht. Dafür gibt es in Mailand kein Zimmer. Noch nicht mal ein Etap-Hotel. Und was glauben Sie, wie viele Leute einem sagen, das, was man da macht, werde keinen Erfolg haben. Meine Eltern waren die Ersten, die darauf gehofft haben, dass der Sohn endlich wieder mit dem Jura-Studium weitermacht und dass aus dem Business nichts wird.

Schritt 12: Keine Kredite aufnehmen

Die Marke Philipp Plein funktioniert nur aus dem Grund, weil sie am Markt Berechtigung hat. Dann benötigt man auch keinen Kredit. Wir sind jetzt in einer Situation, dass wir uns mit den großen Marken messen müssen, obwohl wir eigentlich noch Newcomer sind.

Entertainment Building: Pleins Laden in Homgkong.

Schritt 13: Einsehen, dass das Pilotprojekt längst kein Spiel mehr ist

Direkt in meinem Unternehmen sind jetzt 213 Leute beschäftigt. Wenn man die Franchisepartner dazunimmt, sind wir weit mehr als 500 Leute, die für die Marke arbeiten. Es hat wie ein Spiel begonnen, aber daraus ist jetzt Ernst geworden, den point of no return haben wir schon überschritten.

Schritt 14: Mit den großen Marken Schritt halten

In diesem Jahr eröffnen wir knapp 40 Boutiquen, wir unterhalten Läden an der Via Montenapoleone in Mailand, am Rodeo Drive in L. A., der Madison Avenue in New York, Bond Street in London, Piazza di Spagna in Rom. Dort haben wir gerade den ehemaligen Sergio-Rossi-Store übernommen. Es ist nicht einfach, neben den ganz Großen mitzuspielen, die schießen mit scharfen Kugeln. Struktur ist das A und O. Die Modebranche  wird dominiert von ein paar wenigen großen Gruppen, so wie die Automobilindustrie.

Eröffnung des Philipp Plein-Geschäfts in der New Yorker Madison Avenue

Elon Musk hat es als Einziger seit vielen Jahrzehnten geschafft, sich mit seinem Tesla zu etablieren, in einer Nische. Aber eigentlich haben die großen Unternehmen den Markt fest im Griff. Eine Volkswagen-Gruppe oder Fiat oder Chrysler lässt keinen Platz, und genauso ist es in der Modeindustrie. Das ist ein hart umkämpfter Markt, und jeder möchte seinen Marktanteil beschützen. Wir sagen, es ist unangemessen, sich mit diesen Marken zu messen, sie sind ja viel älter, stärker, größer. Aber das Ziel ist, sich dahin zu entwickeln, denn die Kunden stellen ja genau die gleichen Erwartungen an unser Produkt wie an die von allen anderen Marken. So ist man unter Druck gesetzt, mithalten zu wollen. Das ist eine schöne Motivation. Der Schnellste gibt das Tempo vor. Wenn man ein Rennen fährt, möchte man ja auch nicht hinten mitfahren, sondern ganz vorne.

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