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Sängerin bei der Met Gala : Simply Gaga!

Es ist: ein äußerst hochwertiges Geschenk! Als Traum in Pink begann Lady Gaga ihren Auftritt bei der Met-Gala. Bild: EPA

Alljährlich toben sich modeaffine Stars auf der Met Gala aus. Auch in diesem Jahr gibt es eine ungekrönte Queen der schrägen Outfits: Lady Gaga übertrumpft (mal) wieder alle – und häutet sich vor aller Augen.

          Zwiebeltechnik – die wird ja gern in großen, beheizten Räumen empfohlen, in denen sich viele Menschen aufhalten. Oft ist nämlich den einen zu warm, während die anderen eingepackt sind in Schals und Daunenjacken. Wie die Zwiebel viele Schichten hat, so kann man sich über sein Unterhemd eine Bluse, über die Bluse einen Pullover ziehen, über den Pullover einen Cardigan und so fort und umgekehrt – Sie verstehen das Konzept. Dass man aus alltäglichen Praktiken gleich eine Kunstperformance machen kann – nun ja, das gelingt vielleicht nur Lady Gaga. Zur Met Gala am Montagabend, einem alljährlich vom Modemagazin „Vogue“ ausgerichteten Spenden-Abend, erschien die Grammy- und Oscar-prämierte Sängerin nicht nur mit einer Entourage aus Anzugträgern, die beständig vor ihr niederknien, ihren Schirm und ihre Schleppen halten und sie anhimmeln, sondern auch in gewohnt schrägem Outfit, mit dem sie zeigt: Das ist keine schnöde Zwiebel, das ist Kunst!

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Es ist auch in der Modewelt nichts furchtbar Neues, mehrere Schichten zu tragen und sich dann zu häuten. Viktor & Rolf haben ihre Models längst in zehn Kleidungslagen übereinander auf den Laufsteg geschickt. Auch Gaga arbeitete schon mit den Amsterdamer Designern zusammen. Die Met Gala stand in diesem Jahr unter dem Motto „Camp“, also einer Art der Kunstwahrnehmung, die sich am Künstlichen orientiert, zur Übertreibung neigt und auf eine flamboyante Weise dandyhaft ist. Wie geschaffen für eine wie Gaga, die ihre Frisuren so oft wie die Socken wechselt, und deren künstlerischer Mehrwert ohnehin darin besteht, eine Kunstfigur erschaffen zu haben, die so gaga wie wandlungsfähig ist. Und die obendrein einen Titel zurückzuerobern hatte. Mit Kleidern aus rohem Fleisch (MTV Music Awards 2010), aus hunderten Kermit-Fröschen (RTL Deutschland 2009) oder in einer durchsichtigen Nonnenkluft (Lollapalooza 2010) galt sie als unangefochtene Queen der extravaganten Roben. Bis dann Rihanna im vergangenen Jahr alles und jeden in den Schatten stellte, als sie ganz einfach als Päpstin (eine schwarze noch dazu) bei der Met Gala erschien.

          Die zweitoberste Haut der Gaga: ein schwarzes, elegantes Kleid. Unter dem sich noch mehr Kleiderschichten verbergen. Bilderstrecke

          Gaga legte also nach. Und wer wäre Lady Gaga, wenn sie ganz einfach einen roten Teppich entlangschreiten und sich für ein schönes Kleid feiern ließe! Sie erschien also in Pink, so Pink, wie es pinker wirklich nicht geht, angetan mit einer riesigen, gleichfalls pinkfarbenen Schleife um den Kopf, die ihr den Anschein eines prall-leuchtenden Geschenks gab, das es auszupacken galt – eine Aufgabe, die ihrer Entourage zufiel. Die Gaga-Zwiebel häutete sich insgesamt drei Mal: Auf das Pink, auf marilynhafte Weise noch schnell aufgebauscht, folgte Schwarz, auf Schwarz wieder Pink und auf Pink folgte – Unterwäsche. Wieder in Schwarz. Zwischendrin hatte die Gaga-Gefolgschaft immer wieder nette Accessoires für die Monstermama, wie sie von ihren Fans liebevoll genannt wird, parat: eine überdimensionierte Sonnenbrille hier, ein Schirmchen da, und fertig ist der Gaga-Auftritt der Herzen, eine „Perfomance“, wie eine Reporterin auf einem „NBC“-Video der insgesamt sechzehnminütigen Häutung dieser Zwiebel ehrfürchtig haucht.

          Ob zum Häuten der Zwiebel ein Posieren in schwarzer Glitzerunterwäsche und hauchdünner Strumpfhose nötig ist, das muss jeder Koch selbst entscheiden. Jedenfalls gibt es kaum etwas Gagahafteres als ihr aufreizendes Getue, wenn sie ein kleines Wägelchen mit Schampus hinter ihrem Glitzerhintern herzieht, oder ihr weit aufgerissener Mund, wenn sie sich lasziv auf der Showtreppe für die Fotografen räkelt. Ein netter Mann in schwarzem Anzug bringt ihr noch eine Schachtel mit Ringen, die sie sich aufzieht – und klunkerbehängt und um einige Schlagzeilen, wenn nicht gar einen alten neuen Titel reicher, stolziert sie davon.

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