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Doc Martens 1460 am Fuß unserer Autorin Bild: Aylin Güler

Doc Martens 1460 : Wie gemacht für stürmische Zeiten

Ihr rebellisches Image haben sie schon lange abgelegt, trotzdem sind sie alles andere als angepasst: Der Doc Martens 1460-Klassiker in der Kolumne Sneak around.

          2 Min.

          Ich werde immer wieder von Freunden und Lesern gefragt, ob ich auch andere Schuhe außer Sneaker besitze. Ich muss zugeben: Mein Schuhschrank besteht überwiegend aus Basketball-Schuhen, Retro-Sneakern oder Running-Schuhen. Doch für die kälteren und vor allem nassen Tage im Jahr schlüpfe ich auch gerne mal in robustere Schuhe. In den vergangenen Wochen waren das überwiegend die Klassiker-Stiefel von Doc Martens. Zur Zeit sind sie ungemein gefragt. Nicht nur, weil sie cool aussehen, sondern weil sie eine vernünftige Alternative sind, wenn Schnee und Glatteis die Straßen unsicher machen. Sie zieren die Füße von Models und Anhängern ganz unterschiedlicher Subkulturen. Die Stiefel, die bei uns „Docs“ genannt werden, haben wohl endgültig das postideologische Zeitalter erreicht. Um das zu erklären, muss ich etwas ausholen.

          Aylin Güler

          Redakteurin für Social Media.

          Als der deutsche Arzt Dr. Klaus Märtens 1945 die ersten Dr. Martens entwickelte, wollte er einen robusten Schuh für Arbeiter. Man sollte auch nach langen Stunden keine platten Füße bekommen. Also entwickelte der Arzt gemeinsam mit einem befreundeten Ingenieur einen „orthopädischen Schuh“ mit einer „Air-Wear-Sohle“. Zunächst trugen Polizisten und Postboten die Schuhe. Richtig populär wurden sie aber erst Mitte der sechziger Jahre durch die Skin-Szene in Großbritannien, die damals noch nicht rechtsextrem war. Die klobigen Stiefel wurden schnell Teil des Skin-Signature-Looks. Frauen kombinierten sie zu Netzstrumpfhosen und Minirock. In den siebziger und achtziger Jahren wurden die Stiefel dann hauptsächlich von Punks getragen, in den Neunzigern von Gothics. Heute sind sie ihr rebellisches Image los – und werden sogar auf dem roten Teppich getragen.

          Für jeden gibt es das passende Paar Docs

          Zwischendurch, um das Jahr 2000, stand die Firma knapp vor dem Aus. Die Verkaufszahlen gingen drastisch zurück, und alle Fabriken bis auf eine in Großbritannien mussten geschlossen werden, um die Insolvenz abzuwenden. 2003 begann die Wiederbelebung mit Modedesignern aus aller Welt, die den klassischen 1460-Schuh neu interpretierten und individualisierten.

          Ob Grunge, Pop oder Hip-Hop: Inzwischen werden Docs quer durch alle Geschlechter und Altersgruppen getragen. Mit charakteristisch gelber Naht, mit oder ohne Plateau, glänzend oder matt, schwarz oder bordeaux, flach, klassisch halbhoch oder ganz hoch, schlank geschlossen oder lässig offen – nach Belieben und zu jedem Kleidungsstil. Und natürlich gibt es die Stiefel heute nicht mehr nur aus Leder, sondern auch als vegane Variante.

          Mir gefallen Docs besonders gut, wenn sie als Kontrast zu schicker Kleidung getragen werden. Jeder kann sie seinem Style anpassen. Man muss aber bereit sein, sich ein paar Blasen beim Einlaufen zu holen.

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