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Adilette von Adidas : Freiheit für die Füße!

Gibt es inzwischen in allen Farben und Formen: Die Adilette am Fuß unserer Autorin Bild: Aylin Güler

Einst waren sie für Fußballspielerfüße unter der Dusche gedacht, inzwischen sind sie als Slip-on-Sandale zum sommerlichen Kultschuh geworden: Die Adilette von Adidas in der Kolumne Sneak around.

          2 Min.

          Sommer, Sonne, 36 Grad (und es wird noch heißer). Obwohl ich Sneaker liebe und sie zu jeder Jahreszeit trage, befreie ich die Füße an heißen Sommertagen gerne und greife zur Alternative: den Adiletten, auch bekannt als „Badelatschen“, „Latschis“, „Schlappen“. Weniger bekannt ist die Geschichte der berühmten Sandale.

          Aylin Güler

          Redakteurin für Social Media.

          Die Legende besagt, dass 1963 mehrere Sportler um Schuhe baten, die sie auch in Umkleideräumen und beim Duschen tragen könnten. Sie sollten vor Nässe und Schmutz schützen. Adolf „Adi“ Dassler, Gründer des Sportartikelherstellers Adidas, war ein Genie der Funktionalität und hatte stets ein offenes Ohr für die Nöte der Athleten. Die Produktionstechnik war allerdings noch nicht so weit, Kunststoff als Sohle spritzen zu können. So musste Dassler bis Ende der sechziger Jahre warten, bis spezielle Maschinen für die Produktion entwickelt waren. 1972 kam die Adilette auf den Markt – kurz vor den Olympischen Sommerspielen in München. Der Schuh ist mit Saugnäpfen an der Sohle ausgestattet, damit man beim Duschen nicht ausrutscht. Die breite Silhouette bietet dem Träger Komfort.

          Geht zu allem

          Inzwischen sind die Slip-on-Sandalen zum Kultschuh geworden. Andere Hersteller haben längst nachgezogen und entwickeln selbst Badeschuhe, drucken Sprüche darauf oder verzieren sie mit Schleifchen und Plüschigem, wie es Rihanna für Puma gemacht hat. Aber auch Luxusmarken wie Gucci, Prada und Givenchy folgen dem Trend, um ordentlich daran mitzuverdienen. Viele Magazine verkündeten seit 2017 als den wichtigsten Schuhtrend: die Luxus-Adilette.

          Justin Bieber in Badelatschen – nicht auf dem Weg in die Dusche, sondern beim Verlassen seines New Yorker Appartements.
          Justin Bieber in Badelatschen – nicht auf dem Weg in die Dusche, sondern beim Verlassen seines New Yorker Appartements. : Bild: ddp Images

          Obwohl sie inzwischen auf der ganzen Welt kopiert wird, verdient Adidas noch immer Millionen mit dem Original. Aktuelle Verkaufszahlen gibt der Hersteller nicht preis, aber die Adilette gehört zu den beliebtesten Modellen der Marke. In diesem Jahr stellte Adidas sogar erstmals Braut-Adiletten vor. Die Wedding-Edition ist in Weiß gehalten, hat dezente Stickereien und Bänder aus Satin. Für eine Strand-Hochzeit sicher eine gute Wahl – ob sie mit Pumps und Stilettos mithalten kann, ist eher fraglich.

          Die gängigsten Adiletten-Farben sind Marineblau und Schwarz, mit den bekannten drei Streifen, auch wenn es die Latschen in jeglichen Tönen und Ausführungen gibt. Sogar Superstar-Adiletten findet man im Onlineshop, angelehnt an die Superstar-Sneaker, die ich schon vorgestellt habe. Viele Skateboarder, Surfer und Hip-Hopper in den Vereinigten Staaten laufen schon länger in Adiletten herum, auch in Frankreich boomt das Geschäft mit den schwarz-weißen Schlappen. Schuld daran ist der Rapper Alrima. In seinem Song „Claquettes Chaussettes“ aus dem Jahr 2017 singt er: „Ich trage Schlappen und Socken – du weißt schon, so ist das in der Siedlung.“ Was zuvor als geschmacklos galt, ist seither bei jungen Männern angesagt.

          Einst waren sie für Fußballspielerfüße unter der Dusche gedacht, und lange galten sie als Merkmal deutscher Proll-Touristen auf Malle, mittlerweile sind sie ein Allrounder. Man trägt die Adilette mit hochgezogenen Tennissocken auf dem Weg zum nächsten Späti, lässig zur Jogger im Rap-Musikvideo oder zum Kleidchen als Stilbruch. Diese Latschen gehen wirklich zu allem.

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