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„Slow Fashion“ : Wie grün kann ein Shirt für 2,99 Euro sein?

  • -Aktualisiert am

Bio oder nicht? Bei Baumwolle, hier auf einem Feld in Brasilien aufgenommen, gibt es Qualitätsunterschiede. Bild: dpa

Immer mehr Marken spezialisieren sich auf nachhaltige Mode und produzieren „Made in Europe“. Sogar Discounter geben sich inzwischen umweltbewusst. Doch gibt es grüne Mode um jeden Preis?

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          Als das Rana Plaza in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka 2013 in sich zusammenfiel wie ein Kartenhaus und mehr als 3000 Menschen unter sich begrub, war das Entsetzen groß. Der schwerste Unfall in der Geschichte des Landes mit über 1100 Toten war die Konsequenz von Missmanagement und einer schnelllebigen Textilwirtschaft, die auf Ausbeutung setzt und Mindeststandards nicht erfüllt. Die Arbeiter im Rana Plaza produzierten damals unter anderem für Textilgiganten wie Benetton, KiK und Mango. In Folge der Katastrophe kam es zu Protesten und Boykottaufrufen. Mehrere große Fabriken wurden geschlossen.

          Die Modeindustrie ist gleich nach der Ölwirtschaft der zweitschmutzigste Wirtschaftszweig der Welt und produziert insbesondere seit Beginn des Jahrtausends gigantische Mengen Müll und CO2. Im Schnitt kauft jeder Deutsche etwa 60 neue Kleidungsstücke im Jahr, trägt sie aber nur halb so lang wie noch vor 15 Jahren. Die Textilindustrie boomt – vor allem die Kunstfaser Polyester, aus nicht erneuerbarem Erdöl hergestellt, wird immer mehr genutzt. Eine einzige Sechs-Kilogramm-Waschladung mit Textilien aus synthetischen Stoffen kann bis zu 700.000 Mikrofasern in das Abwasser spülen. Kleidung ist so günstig wie nie, gespart wird bei Produktionsbedingungen, Umweltschutzstandards – und der Qualität. Gleichzeitig steigt die Zahl der Altkleiderexporte, der Second-Hand-Markt im globalen Süden steht vor dem Kollaps. Einige Länder in Südamerika, Afrika oder Asien weigern sich bereits, Altkleider zu importieren.

          Tödlich: In asiatischen Sweatshops, wo Kleidung für westliche Konzerne hergestellt wird, kommt es immer wieder zu Bränden. Bei diesem in Manila kamen 2015 mehr als 70 Menschen ums Leben.
          Tödlich: In asiatischen Sweatshops, wo Kleidung für westliche Konzerne hergestellt wird, kommt es immer wieder zu Bränden. Bei diesem in Manila kamen 2015 mehr als 70 Menschen ums Leben. : Bild: AFP

          Im Discounter ist mittlerweile nicht nur das Obst „bio“

          Da sich immer mehr Menschen weigern, das System „Fast Fashion“ zu unterstützen, zieht die Industrie nach. Sie gibt sich mittlerweile betont verantwortungsbewusst. Unternehmen wie „H&M“ und „Zara“ veröffentlichen jährlich sogenannte „sustainability reports“, also Nachhaltigkeitsberichte – die eingeleiteten und angekündigten Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen und sozialen Produktionsbedingungen fußen allerdings auf freiwilliger Selbstverpflichtung.

          Sogar Discounter wie Aldi und Lidl fahren inzwischen eine öffentlichkeitswirksame Nachhaltigkeitsstrategie, nicht nur das Obst soll hier „bio“ sein. Klickt man sich durch die Website von Aldi Süd stößt man dort beispielsweise auf vielversprechende Dokumente wie „Detox commitment“, „Corporate Responsibility Grundsätze“ oder „Sozial-Standards in der Produktion“. Letzteres stützt sich auf den „Global Compact“ der Vereinten Nationen, bei dem sich Unternehmen dazu bereit erklären, Missstände wie Kinder- oder Zwangsarbeit zu verhindern. Der Discounter wirbt außerdem auf seiner Website mit dem „100 by Oeko-Tex Standard“, der allerdings nur garantiert, dass das Endprodukt schadstofffrei ist und ausdrücklich kein Siegel für Nachhaltigkeit ist, häufig aber als solches verstanden wird. Aldi-Konkurrent Lidl formuliert das verhaltener. Zwar seien bereits Schulungen in Bangladesch, China oder der Türkei durchgeführt worden, aber man setze grundsätzlich auf „eine Unterstützung auf partnerschaftlicher Basis“. Man nähere sich „dem Problem durch Prävention und Unterstützung“.

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