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Shopping-Touristen : Vier Handtaschen, für jede Ehefrau eine

Eine Frage des Service: Zum Shoppen wird das Wasser ohne Kohlensäure ganz bestimmt nicht im Champagnerglas gereicht. Selbst Gebetsräume haben manche Häuser schon eingerichtet. Bild: Jan Roeder

Die Shopping-Touristen haben auch deutsche Luxus-Einkaufsmeilen fest im Griff. Besonders Mode ist bei den Kunden aus dem Nahen und Fernen Osten beliebt. Über eine Art Weihnachtsgeschäft im Hochsommer.

          Eigentlich erkennt Anna Saizew schon an der Art des Auftritts, woher ihre Kunden kommen. Saizew arbeitet in dem Laden einer führenden europäischen Designermarke, irgendwo in Deutschland, an einer Luxus-Shoppingmeile. Anna Saizew heißt in Wirklichkeit anders, aber möchte weder ihren richtigen Namen noch den des Arbeitgebers im Internet sehen. Weil sich in ihrem Unternehmen höchstens eine Handvoll Menschen offiziell äußern dürfen. Weil sie also sonst zum Beispiel nicht erzählen könnte, dass sie Kunden aus den Vereinigten Arabischen Emiraten schon daran erkennt, dass sie als Erstes die Frage stellen, was es denn an Neuheiten gebe. „Das Beste ist für sie immer das Neueste“, sagt Saizew und schiebt ein Stück Carpaccio auf ihre Gabel hier in einem Straßencafé nicht weit entfernt von dem Laden, in dem sie arbeitet.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Bei vielen Asiaten geht es hingegen nur darum, dass genau das Produkt, das sie suchen, auch vorrätig ist. Die meisten kommen schon mit einem Bild und einer Style-Nummer zur Tür herein.“ Ein anderes Modell käme selten in Frage. „Und Russen haben nie Zeit“, Saizew lacht. Eins ihrer Elternteile ist russisch; obwohl sie seit Jahren in Deutschland lebt, fühle sie sich selbst immer noch als Russin. „Russen machen häufig alles auf die letzte Minute“, wollen dann aber alles sehen, was für sie in Frage kommt. Wer ein Hemd sucht, möchte alle Hemden sehen – auf einmal. „Dann heißt es, die Auswahl schnell einzupacken, viele überlegen kaum“, sagt Saizew. „Und oft zahlen sie bar. Schwarzgeld ...“, Saizew spricht jetzt etwas leiser. „Auch die Asiaten tragen ihr Geld oft in Umschlägen bei sich.“ Gut, es kommen jetzt krisenbedingt weniger Russen. Aber dazu später. Wenn man Saizew fragt, wie oft sie ihre Muttersprache bei der Arbeit noch heute verwenden kann, schaut sie einen perplex an. „Jeden Tag.“

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          Der Shopping-Tourismus hat die Luxus-Meilen in Deutschland fest im Griff. Laut Finanzdienstleister Global Blue gehen Kunden aus dem Ausland zwar immer noch am liebsten in Italien shoppen, gefolgt von Frankreich und Großbritannien, aber gleich an vierter Stelle steht mittlerweile Deutschland. Natürlich kommen Shopping-Touristen auch aus dem umliegenden Ausland, zum Beispiel aus der Schweiz oder den Niederlanden.

          Den Löwenanteil setzen jetzt aber jene Nationen mit ganz anderen kulturellen Gepflogenheiten um. Wenn Saizew sich zum Beispiel abends anschaut, wer bei ihr über den Tag hinweg Geld gelassen hat, im Durchschnitt sind es 2000 bis 7000 Euro pro Einkauf, dann sind das „zu 50 Prozent Asiaten, 20 Prozent Russen, 20 Prozent Araber, ein paar Italiener, Spanier, Griechen, vielleicht 5 Prozent. Der Rest kommt aus der Gegend.“ Also gerade einmal weitere fünf Prozent.

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          „Besonders für Russen und Chinesen ist Deutschland wichtig, weil es früher als andere die Visaregeln gelockert hat“, sagt auch Thorsten Lind, Geschäftsführer von Global Blue Deutschland. Hinzu kommt, dass sich besonders Araber zunächst in Deutschland als Patienten aufhalten und hier etwa die Sommermonate für medizinische Check-ups nutzen, vor allem in und um München. Wer schon mal vor Ort ist, lässt sich dann das Shopping-Angebot, die Flagship-Stores, nicht entgehen, zumal viele dieser Touristen mit der Großfamilie anreisen. Da ist es auch kein Wunder, dass München, so Global-Blue-Geschäftsführer Lind, auf Platz eins der wichtigsten Städte für Shopping-Tourismus steht. Dahinter kommen Frankfurt, Berlin, Düsseldorf.

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