https://www.faz.net/-hrx-7l86y

Secondhand in Afrika : „Jedes Mal eine Reise ins Unbekannte“

Nelsa: Die meisten, die in Maputo auf den Märkten einkaufen, haben nicht viel für Vintage übrig. Wenn wir solche Kleider suchen, sagen die Leute: Das sind doch die Zwillinge, die die Kleider kaufen, die sonst niemand will. Uns motiviert das. Diese Kleidung in etwas zu verwandeln, das den Leuten gefällt, das sie kaufen wollen.

Was macht ihr aus den Altkleidern?

Nelsa: Wir wollen sie nicht komplett verändern. Wir wollen den Vintage-Aspekt, die Originalität und die Geschichte der Kleider erhalten. Hinter jedem der Kleider steckt ja ein langer Prozess. Er fängt beim Baumwollproduzenten an, vielleicht sogar hier in Moçambique, geht über den Designer in Europa oder den Vereinigten Staaten, der die Muster und Modelle entwirft, bis nach Bangladesch oder China. Dann zurück nach Europa, wo die Kleider getragen werden. Und wieder hierher.

Nelly: Wir versuchen, die Kleider wieder zu modernisieren, passen sie für das heutige Publikum in Maputo oder sonstwo an. Manche kürzen wir, manche verlängern wir. Manchmal schneiden wir die Ärmel ab. Oder wir kombinieren mehrere. Wir haben Kleider, die wir Twin-Dresses nennen. Dazu kreuzen wir zwei Kleider. Von einem nehmen wir zum Beispiel den oberen Teil, vom anderen den unteren. Und umgekehrt.

Schneidert ihr selbst?

Nelly: Ich nehme Näh-Unterricht. Manche Änderungen mache ich selbst. Meistens arbeiten wir aber mit Schneidern zusammen, direkt auf den Märkten oder bei uns zu Hause. So geben wir ihnen auch die Möglichkeit, Geld zu verdienen.

Geschäftsmodell: Nelly Guambe mit den neuen alten Kleidern

Wer kauft eure Kleider?

Nelsa: Vor allem Ausländer, die hier leben. Für viele Menschen in Moçambique ist der Vintage-Look noch ungewohnt oder einfach alt.

Wie sieht die Mainstream-Mode in Moçambique aus?

Nelly: Da wir Portugiesisch sprechen, ist der Einfluss aus Portugal und Brasilien groß, vor allem durch die Telenovelas. Und dann gibt es noch unseren Nachbarn, Südafrika, wo manche einkaufen gehen, in günstigen Kaufhäusern wie Mr. Price und Woolworth. Außerdem ist Moçambique ein tropisches Land. Es gibt hier, wie wir sagen, die Mode der „Tchuna-Babies“: tief sitzende Hosen und Röcke, die die Hüften und ein bisschen vom Hintern zeigen. Stil tropisch-brasilianisch eben.

Nelsa: Aber es gibt auch eine gewisse Neugier. Unsere Kleider sind Einzelstücke, das gefällt den Frauen. Viele wollen nicht auf die Kleidermärkte gehen, denn die haben in der Mittelschicht keinen guten Ruf. Sie gelten als Ort der Armen. Aber zu uns nach Hause kommen sie. So haben wir auch immer mehr einheimische Kundinnen.

Wie viel kosten eure Kleider?

Nelsa: 1500 bis 2000 Meticais, das sind etwa 35 bis 50 Euro. Manche verkaufen wir auch über unseren Online-Shop, die sind etwas teurer.

Ihr beide arbeitet auch noch bei einer Entwicklungshilfeorganisation. Könntet ihr euch vorstellen, nur noch Mode zu machen?

Nelsa: Ich mag meine Arbeit sehr. Ich mag die Mode. Und irgendwie gehört das auch zusammen.

Nelly: Da geht es mir genauso. Ich arbeite in einem Projekt zum Aufbau von Berufsschulen. Moçambique braucht gutausgebildete Jugendliche, unternehmerisch denkende Jugendliche. Da kann unsere Mode auch Inspiration sein.

Nelsa: Es wäre schön, wenn wir als Geschäftsmodell dienen könnten für andere junge Menschen. Dass sie ihr eigenes Geschäft aufziehen. Die Klamotten gibt es auf den Märkten ja en masse. Wir können sie nutzen, verändern, vom Label „nur secondhand“ befreien und als neues Produkt mit einem höheren Preis auf den Markt zurückbringen. Wir wollen zeigen, dass das ein Modell für eine Bekleidungsindustrie in Moçambique sein kann.

Weitere Themen

Eine Reise durch das Ökosystem der Kunst Video-Seite öffnen

Kunstwelt in der Krise : Eine Reise durch das Ökosystem der Kunst

Kunst hat mehr Publikum denn je – und steckt in ihrer tiefsten Krise. Die Konzentration von Kaufkraft in immer weniger Händen sorgt für eine Machtkonzentration wie einst in Hollywood. Was wird Kunst in Zukunft sein: Investment? Schönheit? Widerstand?

Topmeldungen

Grünen-Chef Robert Habeck

Kanzlerfrage : Habeck hängt Kramp-Karrenbauer ab

Der Grünen-Chef würde bei einer Direktwahl des Bundeskanzlers laut einer Umfrage doppelt so viele Stimmen erhalten wie seine Amtskollegin bei der CDU. Mit Friedrich Merz als Kandidat sähe die Lage anders aus.
Indiens Regierungschef Narendra Modi und der amerikanische Präsident Donald Trump

Handelsstreit mit Amerika : Indien erhebt Vergeltungszölle

In Asien bekommt Donald Trump einen weiteren Gegner im Handelskonflikt. Erst strich der amerikanische Präsident Indien Sondervergünstigungen. Nun wehrt sich die Regierung in Neu Delhi.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.