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„Landi“-Stuhl : Bitte Platz nehmen in der Designgeschichte

  • Aktualisiert am

Hans Coray mit seinem „Landi“-Stuhl. Eine Besonderheit: die 91 gestanzten Löcher sorgen für das charakteristische Aussehen des Stuhls. Bild: Roland Beck

Hans Corays „Landi“-Stuhl sollte 1939 ein Meisterstück des modernen Designs werden. Der Entwickler profitierte davon nie. 75 Jahre später nimmt ein Schweizer Hersteller den Stuhl wieder in Produktion.

          Der Auftrag klang simpel: Für die Schweizerische Landesausstellung, kurz „Landi“ genannt, sollte ein neuer Stuhl entworfen werden, auf dem sich die Besucher auch im Freien ausruhen konnten. Die Stückzahl war vorgegeben: 1500. Hans Coray, promovierter Romanist, bekam schließlich den Zuschlag. Der Autodidakt hatte sich mit einem Stuhl aus Aluminium beworben. Das passte gut, die rohstoffarme Schweiz war führend in der Herstellung des Metalls, was zugleich ein Thema der Ausstellung war. Der Entwurf des 32 Jahre alten Schweizers überzeugte auch deshalb die Jury, weil er wie kein anderes Möbel seiner Zeit den technischen Fortschritt der Aluminiumverarbeitung nutzte. Der „Landi“-Stuhl sollte als Meisterstück der Moderne in die Designgeschichte eingehen.

          Fast auf den Tag genau 75 Jahre nach der Ausstellungseröffnung am 6. Mai 1939 ist der „Landi“ beim Schweizer Hersteller Vitra nun wieder in Produktion gegangen. Rolf Fehlbaum, emeritierter Vorsitzender des von seinem Vater Willi 1950 gegründeten Familienunternehmens, hat lange auf diesen Moment gewartet. „Schon vor 30 Jahren habe ich erste Gespräche mit Henriette Coray geführt“, sagt Fehlbaum, der den „Landi“ schon damals nur zu gerne in seine Kollektion aufgenommen hätte. Doch die Rechte der Herstellung lagen von Anfang an bei der Metallwarenfabrik Wädenswil (Mewa).

          Hans Coray bekam nie Lizenzgebühren für seine Arbeit, wie seine Witwe erzählt. Er profitierte also nicht von seinem Werk. Das blieb auch so, als der Stuhl längst nicht mehr im Sinne von Corays Originalentwurf und zum Teil sogar unter anderem Namen von anderen Firmen produziert wurde.

          91 gestanzte Löcher sorgen für charakteristisches Aussehen

          Erst Vitra hat sich dem Prototypen nun möglich originalgetreu wieder angenähert. Dabei zeigt sich, dass der „Landi“ bis heute eine Herausforderung ist. „Den Stuhltypus mit seiner Aluminiumschale, die dreidimensional verformt ist, gab es so nicht“, sagt Fehlbaum. Damals bedeutete das bei der Herstellung viel Handarbeit. Das zumindest hat sich geändert. Noch eine Besonderheit: Die Sitzschale ist mit 91 gestanzten Löchern versehen. Das sorgt nicht nur für das charakteristische Aussehen. Der Stuhl wird leichter, zugleich stabiler, man benötigt weniger Material, und es sammelt sich kein Regenwasser auf der Sitzfläche.

          Die Schweizer jedenfalls schlossen schon 1939 den kaum drei Kilogramm leichten „Landi“ in ihr Herz. Die 1500 Stühle wurden nach dem Ende der Ausstellung allesamt für ein paar Franken verkauft und damit erst richtig unters Volk gebracht. Zu besonderen Ehren kam er dann 2004: Die Schweizerische Post nahm den Design-Klasiker als Motiv ihrer Ein-Franken-Dauermarke auf.

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