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Schmuckdesign aus Schweden : Steine statt Perlen

Liebt Patti Smith: Märta Larsson ist Schmuckdesignerin, Tänzerin und Rocksängerin. Bild: Alexander Bello

Seit Kronprinzessin Victoria vor vier Jahren eine ihrer Ketten trug, ist der Schmuck von Märta Larsson gefragt. Die Designerin setzt auf handverlesene Steine aus der ganzen Welt.

          Vier Jahre ist er her, ihr „Victoria-Moment“. Plötzlich war Märta Larssons Name in vielen Zeitungen und Magazinen zu lesen, vor allem in ihrer Heimat Schweden. Ihre Karriere, die damals gerade erst ein paar Monate währte, nahm danach dermaßen Fahrt auf, dass die Schmuckdesignerin, die damals auch noch schwanger war, kaum mit der Produktion immer neuer Halsketten, Armbänder, Ohr- und Fingerringe nachkam.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Inzwischen ist Märta Larssons Sohn Äsom dreieinhalb Jahre alt. Die Nachfrage nach ihren Schmuckstücken ist zwar weiter gewachsen, doch damit kommt sie mittlerweile so gut zurecht, dass sie sogar die Zeit hatte, eine Kollektion aus Tüchern und Kimonos aus Seide aufzulegen. Sie sind mit Steinen bedruckt, wie sie Larsson auch für ihren Schmuck verwendet. Ihre erste Prêt-à-porter-Kollektion präsentierte sie im März auf der Pariser Modewoche im Tuileries-Showroom.

          Der folgenreiche „Victoria-Moment“ - er hatte natürlich mit der schwedischen Kronprinzessin zu tun. Victoria kam vor vier Jahren auf offiziellen Deutschland-Besuch. Erste Station war Hamburg. Dort musste sie – der Tradition folgend – den Ersten Bürgermeister der Stadt, Olaf Scholz, am oberen Ende der Senatstreppe im Rathaus begrüßen, obwohl die Kronprinzessin nach einem Ski-Unfall auf Krücken unterwegs war. Es war ein gefundenes Fressen für die Presse, die mit Überschriften wie „Trotz Krücken einfach königlich!“ und „Entzücken mit Krücken“ glänzte.

          Ohrringe gegen den Klimawandel

          Besondere Erwähnung fand dabei stets auch die „Kette in XL“, die die künftige schwedische Königin um ihren Hals trug: schwarze Turmaline, so groß wie Walnüsse. „Das war mein Victoria-Moment“, sagt Märta Larsson.

          Mit zwei großen und sehr schweren Taschen ist die Dreiundvierzigjährige an diesem warmen Frühlingstag ins Svenskt Tenn am Strandvägen im Stockholmer Stadtbezirk Östermalm gekommen. Das Unternehmen, von Estrid Ericson 1924 gegründet, bietet auf zwei Etagen ausschließlich schwedisches Design an, darunter auch Märta Larssons Schmuck.

          Die Steine reiht Larsson auf einem Tablett so auf, wie sie später miteinander verbunden werden sollen. Bilderstrecke

          Wer mag, kann sich dort zum Beispiel den Ring Alice kaufen, der nach der Kultur- und Demokratieministerin Alice Bah Kuhnke benannt ist. Die Grünen-Politikerin trug ihn im November zu einem vielbeachteten Kleid aus Papier anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises an Kazuo Ishiguro. Mit der strahlend weißen Origami-Robe samt fächerartig gefalteter Schulterpartie wollte die ehemalige Fernsehmoderatorin mit gambischen Wurzeln ein Zeichen setzen: gegen den Klimawandel in der Arktis. Passend zu dem Entwurf von Bea Szenfeld und Naim Josefi hatte sich die Ministerin von Märta Larsson Ohrringe und einen Fingerring mit weißen Quarzsteinen anfertigen lassen. Der Quarz sollte wie arktisches Eis wirken, das langsam vor sich hin schmilzt.

          Sie weiß, was sie will

          Alice ist aber nicht gleich Alice. „Jeder Stein ist natürlich ein Unikat“, sagt die Designerin. Nach und nach holt sie ihre Mitbringsel aus den Taschen. Als erstes steckt sie sich einen Ring mit einem metallisch glänzenden Pyrit an den Finger, dann legt sie sich eine schwere Amethyst-Kette um den Hals, schließlich holt sie Ohrringe mit grünen Dioptasen aus einem Schächtelchen. Kette folgt auf Kette, Ring auf Ring, Armband auf Armband.

          Sie selbst trägt ein Stück aus ihrer Bondage-Kollektion um den Hals: Es ist ein würfelförmiger Pyrit, den sie mit Golddraht umwickelt und an einem schwarzen Lederband befestigt hat. Märta Larsson hat eigens Draht und Zange mitgebracht, um zu zeigen, wie sie jeden der handverlesenen Steine so lange mit Gold oder Silber „fesselt“, bis aus Metall und Mineral eine fast untrennbare Einheit geworden ist.

          Auch Snoopy und Belle hat sie schon mit Bondage-Ketten ausstatten dürfen. Für sie war das eine große Ehre, gehört sie doch damit in eine Reihe von Designern wie Karl Lagerfeld, Diane von Furstenberg, Gianni Versace, Oscar de la Renta, Isabel Marant und Philip Treacy. Sie alle haben die Hundegeschwister aus den „Peanuts“ für die Show „Snoopy & Belle in Fashion“ schon eingekleidet. Zur Zeit sind die Couture-Puppen in den Vereinigten Staaten zu sehen – ein Paar trägt die von Larsson gefertigten Pyrit-Ketten.

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