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Schulterfrei zur Ballsaison : Ist Ihnen denn nicht kalt?

Großer Auftritt: Jennifer Lawrence bei der Premiere von „The Hunger Games: Catching Fire“ Bild: AP

Scharen von Frauen werden zur Ballsaison wieder in ihre schulterfreien Roben schlüpfen, frösteln - und leider nicht die beste Figur abgeben. Warum tun sie sich das an?

          5 Min.

          Zum ersten schulterfreien Kleid kommt man als Frau oft schon im Teenageralter, zum Abschlussball in der Tanzschule. Zum zweiten dann beim Abiball. Irgendwann heiratet man, und wieder hängt bereit: das Kleid ohne Träger. Und sollte man gern tanzen gehen und einigermaßen kommunikativ sein, folgen im Laufe des Lebens sicher diverse weitere Bälle, zum Beispiel Opernbälle, die nicht nur in Wien, sondern jetzt bald aufs Neue landauf, landab gefeiert werden. Wieder schmeißt man sich in Schale, was mit hoher Wahrscheinlichkeit bedeutet, dass man ein schulterfreies Kleid trägt.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bald ist wieder Ballsaison, die einzige Zeit des gesellschaftlichen Kalenders, in der man somit auf der offiziellen Feierlichkeit mal nicht genauso gut in Jeans, Strickpulli, legerem Hemd und irgendwelchen Schnürschuhen aufkreuzen könnte. So sehen wir ja heute aus, egal, ob wochentags morgens im Bus, auf dem Weg zur Arbeit, oder wochenends unterwegs zur Abendunterhaltung. Dort werden die eigentlichen Kleiderordnungen nicht mal mehr ignoriert. Dafür müssten erst mal welche existieren. Nein, es gibt lediglich noch inoffizielle, die einen schlimmstenfalls blöd dastehen lassen. Das war’s. Wer sich also in Turnschuhen und in der Windjacke in Knallfarben ins Grandhotel verirrt, riskiert es kaum, an der Tür abgewiesen zu werden.

          Allein für ein einziges Ereignis scheinen wir uns mit höchster Sorgfalt herauszuputzen - dann nämlich, wenn auf der Einladung von „Black Tie“ die Rede ist und folglich die Frauen unter den Gästen im Ballkleid aufschlagen sollen. Es muss also bodenlang sein. Ein bisschen glitzern! Aus Seide sein! Und dabei soll das Kleid, so scheint es mit einem Blick auf die Tanzparkette und die roten Teppiche des Landes, unbedingt auch trägerlos sein. Aber warum tun wir uns das an?

          Nadja Michael auf dem Semperopernball in Dresden Bilderstrecke

          Zum einen fällt die Ballsaison ja traditionell in die kältesten Wochen des Jahres, eine Zeit, in der man selbst in diesem milden Winter unweigerlich frösteln wird. Und davon abgesehen, die wenigsten sehen darin aus wie Sissi, Kaiserin von Österreich, deren Schultern auf Porträts unter Bergen von baiserartig aufgestülpter Seide vergleichsweise grazil anmuten. Viele wirken eher wie Sumoringer, weil die horizontale Bustierlinie des Kleides den Oberkörper optisch in die Breite zieht, wie ein schlechter Spiegel.

          Oder aber die Jugendsünde in Form eines Tattoos auf der Schulter zerstört das Gesamtbild, wie es zum Beispiel der Sängerin Aura Dione und der Moderatorin Miriam Pielhau ergeht. Oder der Rumpf ist ein bisschen athletisch, was mit der dünnen, in Massenfertigung produzierten Seide nur noch mehr betont wird. Aber nichts für ungut, dass man aussieht, als habe man ein Schwimmerinnenkreuz, dieses Schicksal könnte unter diesen Umständen beinahe jede Frau ereilen. Oder man ist eher der blasse Typ, wie Ursula von der Leyen, die sich für den Bundespresseball in Berlin im vergangenen Jahr, im November, eben gezwungenermaßen in Schale werfen musste. Nur stieg sie für das Ereignis nicht etwa in ein Kleid mit Ärmeln, die ihr zu der Jahreszeit wirklich niemand übelgenommen hätte, sondern in eine dunkelblaue Robe mit Crashlook-Optik.

          Auch im Februar, wenn es mit der eigentlichen Ballsaison losgeht, können die meisten von uns mit einer ähnlichen Winterblässe rechnen. Es sei denn, der Bikiniabdruck, den man sich in den Weihnachtsferien auf Bali zugelegt hat, zeichnet sich noch ab, was für das Gesamtbild aber mindestens ebenso ungünstig ist. Und selbst wenn man ein Verschnitt der von Überstunden im Ballettsaal trainierten Natalie Portman sein sollte, also wirklich von sich sagen kann, eine gute Figur im Bustierkleid abzugeben, wirkt man zu Tisch damit immer noch - nackt.

          Kurz: In einer trägerlosen Robe können wir nur verlieren.

          Trotzdem scheint der Look der freien Schultern ein Dauerthema zu sein. Selbst die Tatsache, dass das Teil einem den ganzen Abend lang das Gefühl gibt, jeden Moment herunterrutschen zu können - egal.

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