https://www.faz.net/-hrx-82bqf

Mit Hand und Fuß (4) : Der Königliche: John Lobb aus London

Noble Stätte: Blick in den Laden in der St. James Street Bild: Helmut Fricke

Der britische Maßschuhhersteller John Lobb bekleidet seit 1849 die Füße vermögender Herren. Wer hier ein Paar neuer Treter ordert, ist ab 5500 Euro dabei. Heute wird der Familienbetrieb von Weltruf in vierter Generation geführt.

          Zwischen Oxford und Derby liegen hundert Meilen und zwei Welten. In der einen Stadt erfand England seine Bildung, in der anderen die industrielle Revolution; in der einen wurde viel gedacht, in der anderen schwer gearbeitet; beide sind berühmt, nach beiden wurde ein Paar Schuhe benannt. John Hunter Lobb liebt das Spiel mit Worten und Gedanken. „Derby oder Oxford „, sagt er, „das ist eine gute Frage.“ Elegantes oder sportliches, offenes oder geschlossenes System: Auf die Schnürung kommt es an. Bei Lobb haben sie auf jede Frage eine Antwort.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir machen das, was die Kunden wollen“, sagt er trocken. Londons erste Schuhmacher sind da ganz neutral. Sie fertigen von Hand und über den Leisten - so, wie zu Zeiten ihres Gründers. Sie liefern das Beste vom Besten, und das braucht Zeit und Geld. Ein Paar Schuhe kann hier länger dauern als eine Schwangerschaft und mehr kosten als ein Auto. Das macht die Lobbs zum Maß der Dinge. John Hunter pflegt das Erbe. Mit ihm hat die Firma aus London die vierte Generation erreicht. Nummer fünf steht unten an der Leistenschere, Nummer sechs schneidet drüben das Leder zu. Ein Familienbetrieb von Weltruf.

          Jonathan und John Junior sind Hunters Cousins und die Zukunft der Firma, eines Hauses mit Geschichte. Die Lobbs bedienen seit anderthalb Jahrhunderten Kaiser und Herrscher, Millionäre, Milliardäre und alle, die gern auf großem Fuß leben. Die Vergangenheit liegt tief im Keller. In deckenhohen Standregalen sind Zehntausende hölzerne Leisten einsortiert. Nach Namen und Nummern: Queen Victoria und Queen Elizabeth, die Cavendishs, die Stanleys, die Lennox, die FitzRoys. Die erste Reihe der englischen Gesellschaft. Prinz Charles ließ sich hier mit 20 Jahren sein erstes Paar machen. Er trägt es noch heute.

          Momentan ist die vierte Generation der Lobbs am Ruder.

          Sein Wappen prangt über dem Eingang. Die gefederte Krone. Die Lobbs sind Lieferanten der Royals. Das macht sie zu einer Institution. Sie sind die Schuhmacher der Könige und die Könige der Schuhmacher. Eine Dynastie von Handwerkern, die ihr Metier zur Kunst und ihre Schuhe zum Statussymbol aller Gutbesohlten erhoben haben.

          Eine Firma mit beschränkter Haftung. Mitten in London, auf der St James’s Street, Haus Nummer 9. Links liegt Mayfair; rechts der Palast. Lobb ist mittendrin. Sein Geschäft steht im Zeichen des schwarzen Stiefels und schimmert purpur unter einem opulenten Kronleuchter.

          Getäfelte Wände, Armstühle aus der Gründerzeit, Schuhe hinter Glasvitrinen: der William und der Lopez, der erste Derby und der letzte Oxford. Unter der Decke hängen zwei Porträts, das eine in Gold, das andere in Holz gefasst. Hier die Queen, da der Gründer, Elizabeth II. und John Lobb I. Ein Junge aus Cornwall, der 1852 nach Australien ging, Stiefel für die Kohleschürfer am Hunter-River machte und zehn Jahre später auf der Weltausstellung in England eine Goldmedaille und einen Auftrag des Prinzen von Wales gewann. Er kam zurück in die Heimat, machte in London ein Geschäft auf. Eine Goldgrube - bis heute.

          Weitere Themen

          Die weiße Liebe der Deutschen Video-Seite öffnen

          Kulturgut Spargel : Die weiße Liebe der Deutschen

          Der Weißspargel gilt in Deutschland als eines der beliebtesten Saisongemüse, wohingegen im restlichen Europa meist grüner Spargel auf den Tisch kommt. Die Saison ist relativ kurz und endet jedes Jahr am 24. Juni.

          Der Vokuhila ist zurück Video-Seite öffnen

          Aus den 80ern : Der Vokuhila ist zurück

          Vorne kurz und hinten lang: Der Vokuhila war eine Modesünde aus den 80er Jahren. Doch gibt es immer noch Liebhaber der Frisur – bekommt der Vokuhila ein Revival?

          Topmeldungen

          Formel-1-Legende : Niki Lauda ist tot

          Niki Lauda ist gestorben: Der Österreicher wurde 70 Jahre alt. Nicht nur als Rennfahrer in der Formel 1 feierte er Erfolge.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.