https://www.faz.net/-hrx-8f42e

Holzdesign : Schwarzwälder Brettgeschichten

Schreinermeister Raphael Pozsgai präsentiert seine Arbeiten aus Holz jedes Jahr bei den Passagen in Köln, dem Begleitprogramm der Möbelmesse IMM Cologne. Bild: Raphael Pozsgai

Ein Schreinermeister aus Baden-Württemberg versucht sich mit seinen Arbeiten gegen Möbelhäuser und Onlineshops durchzusetzen. Warum seine Anrichte den Namen „Ultimo16“ trägt, hat einen speziellen Grund.

          Ein Schreiner mit eigener Schreinerei hat es in Deutschland nicht leicht. Noch gehört er zwar nicht zu den stark gefährdeten oder sogar vergessenen Berufen wie Maulwurffänger oder Gasriecher. Aber die guten Zeiten, als sich jeder Haushalt seine Inneneinrichtung beim Tischler anfertigen ließ, sind lange vorbei.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Massenware Stuhl, Tisch und Bett für Möbelhäuser und Onlineshops wird heutzutage überwiegend in Fernost hergestellt und eben nicht von einem Schreinermeister wie Raphael Pozsgai im schönen Oberrhein-Örtchen Heitersheim. „Die Konkurrenz ist groß", sagt Pozsgai und meint damit nicht nur die Kollegen aus China oder Polen. Auch in Deutschland buhlen viele Schreiner um die Gunst der wenigen Kunden.

          So kam Pozsgai mit drei anderen Schreinern aus dem Schwarzwaldraum auf die Idee, sich mit eigenen handgefertigten Entwürfen am Rande der Kölner Möbelmesse zu präsentieren. Die vier – Felix Forsbeck, Sebastian Schilling, Marco Singer und Raphael Pozsgai – kannten sich von der Meisterschule in Freiburg, 2010 stellte jeder von ihnen beim Begleitprogramm der IMM Cologne, den Passagen, erstmals eine Arbeit aus Holz vor. „Wir wollten gutes Design mit einem regionalen Bezug zeigen", sagt Pozsgai. Die Gruppe nannte sich „Brettgeschichten".

          Pozsgai arbeitet nur mit natürlichen Materialien: vor allem mit geölter Eiche und Valchromat.

          Der Aufwand, jedes Jahr in Köln etwas Neues zu zeigen, war aber groß, der Erfolg mäßig. Einer nach dem anderen sprang ab. Pozsgai war in diesem Jahr der Einzige, der bei der größten deutschen Designveranstaltung wieder mitmachte. Dieses Mal waren seine Werke im "Café Central" an der Jülicher Straße zu sehen, darunter einige ältere Entwürfe wie sein Schwarzwälder Melkschemel "Angus", der auf hohen Beinen zum Barhocker wird.

          Dazu aber auch seine „Wohnkiste", die rechtzeitig zur Messe fertig wurde. Die Kiste ist schlicht und funktional. Sie passt sich von der Größe her an vieles an: Aktenordner und Bücher zum Beispiel, die sich in ihr passgenau transportieren, übereinander stapeln oder als Regale an die Wand hängen lassen. Dazu gibt es Deckel, so dass die geschlossene Kiste als Beistelltisch dienen kann.

          Schreinermeister hat sich ein Ultimatum gestellt

          Als Schreinermeister arbeitet Pozsgai nur mit natürlichen Materialien – vor allem mit geölter Eiche und Valchromat, einer aus Kiefernspänen verpressten Holzfaserplatte. Das innovative Produkt aus Portugal lässt sich komplett durchfärben und wird auch für Kinderspielzeuge verwendet. „Die Farbstoffe sind organisch und darum völlig unbedenklich."

          Die Farbpalette ist groß, der Einundvierzigjährige schätzt aber den Kontrast von Braun und Schwarz. Auch sein neues Sideboard wirkt dadurch edel. Die Türen sind aus schwarzem Valchromat hergestellt, eingelegte Details in Eiche zeigen an, wo die grifflosen Fronten berührt werden müssen, damit sie sich öffnen. Er nennt seine Anrichte "Ultimo16". Raphael Pozsgai (www.pozsgai.de) hat sich nämlich ein Ultimatum gestellt: Sollte es mit seinem Durchbruch als Designer dieses Jahr nichts werden, dann finden die Brettgeschichten aus dem Schwarzwald endgültig ihr Ende.

          Weitere Themen

          Chef mit Mitte 20

          Ausbildung als Schreiner : Chef mit Mitte 20

          Als Moritz Schumacher 24 ist, übernimmt er einen Betrieb. Ein Studium hat er dafür nicht gebraucht. Nach oben geschafft hat er es mit einer Ausbildung zum Schreinermeister.

          Taschen aus den zehner Jahren

          Schlicht ein Stück Status : Taschen aus den zehner Jahren

          Die It-Bag der nuller Jahre hatte in den zehner Jahren auf einmal ausgedient. Für das modebewusste Publikum begann die Suche nach einzigartigen Stücken, die vor allem eines gemeinsam hatten: schnörkellose Schlichtheit.

          Topmeldungen

          Plan für Klimaneutralität : Die Stunde der Klimaretter

          Am Freitag will die Regierung den Plan für ein klimaneutrales Deutschland beschließen. Was kommt da auf uns zu? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

          Geringer Inflationsdruck : Amerikanische Notenbank senkt Leitzins abermals

          Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten hat die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die Notenbanker fassten den Beschluss jedoch nicht einstimmig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.