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Uhren-Trend : Die entscheidenden Millimeter

37 Millimeter: „Pebble“-Uhr von Bulbul. Bild: Hersteller

Uhren sind jetzt groß – so groß, dass sie oft kaum an die Handgelenke passen. Das könnte sich bald ändern.

          3 Min.

          Jacob Juuls Uhrenmarke Bulbul ist noch klein und neu genug, dass sich der Gründer jede Bestellung über den Online-Store selbst anschaut. „So haben wir ja die Namen und E-Mail-Adressen der Kunden. Oft googeln wir sie, einfach aus Interesse, um zu sehen, wer bei uns so einkauft“, erzählt der Däne. „Das sind Anwälte, Ärzte, Werbeleute.“

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Juuls Uhrenmarke ist auch so neu, dass der Gründer das Phänomen der überdimensional großen Uhren aus jüngster Vergangenheit schon wieder links liegenlässt. Seine Kunden, die Anwälte, Ärzte und Werbeleute, scheinen das zu schätzen. „Die richtigen Größen zu ermitteln ist für uns ein wichtiger Teil der Arbeit beim Entwerfen von Uhren“, erklärt Juul. „Wenn Uhren zu klein sind, sehen sie zu feminin aus. Sind sie zu groß, wirken sie hingegen schnell vulgär. Es geht darum, die richtigen Proportionen zu finden.“

          Uhren waren massiver als die Handgelenke ihrer Besitzer

          Nachdem die Modelle der vergangenen Jahre diese Proportionen zunehmend gesprengt haben, weil sie zuletzt oft massiver waren als die Handgelenke ihrer Besitzer, könnten die Uhren nun wieder schrumpfen, zumindest auf Normalgröße. Nicht nur der Bulbul-Chef sieht das so, obwohl der Gehäusedurchmesser bei Herrenmodellen momentan oft noch bei 46 Millimetern liegt und bei Frauen bei 40. „Bei Frauen könnte es sich bald auf 38 Millimeter einpendeln“, schätzt Antonio Nigro, Vize-Chef der Marke Fossil. „Bei Herren sind 40 Millimeter realistisch.“

          Die Uhrenmarke IWC zum Beispiel spendiert ihrem Portugieser Yacht Club Chronograph zum 75. Jubiläum in diesem Jahr ein Sondermodell mit etwas kleinerem Gehäuse: 43,5 Millimeter statt 45,4. Breitling – eigentlich bekannt für seine massiven Uhren – stellt jetzt den Chronomat „SleekT“ mit einem Durchmesser von 38 Millimetern vor. Das ist eine vernünftige Damengröße, nachdem es den Chronomat zuvor ausschließlich für Männer gab. Und nur einen Millimeter größer ist bei Rolex das neue Modell „Oyster Perpetual 39“ – entworfen wurde es für Herren. „Die Tendenz hin zu subtileren, weniger protzigen Uhren wird immer stärker“, sagt auch Jacob Juul.

          Diese Modelle passen zu einer leiseren Art von Luxus, die langlebiger sein dürfte und sich seit einigen Jahren als die neue Art von Luxus durchsetzt, zumindest in den gesättigten Märkten. Dort sinkt die Konsumbereitschaft für Luxusartikel zunehmend; wer sich doch dafür entscheidet, denkt zuvor genauer über seine Einkäufe nach. An einer viel zu großen Uhr, die nur scheinbar am Handgelenk gut aussieht, weil sie gerade in den Trend passt, wird man kaum so lange Freude haben wie an einem proportional richtigen Modell – der mid-size, das weiß man als erfahrener Konsument eines gesättigten Marktes. „Die Krisen der vergangenen Jahre haben das Konsumverhalten verändert“, sagt auch Franck Touzeau von Piaget. „Immer weniger Kunden suchen jetzt nach auffälligen Symbolen. Stattdessen sind subtilere Statussymbole wie das Handwerk, das in einem Produkt steckt, wichtiger geworden.“ Auch kleinere, flachere und somit weniger auffällige Uhren passen zu dieser neuen Haltung gegenüber dem Luxus. „Sie stehen für sicheren und guten Geschmack“, meint Touzeau. „Ich bin mir sicher, dass sich die Nachfrage nach diesen Modellen so erklären lässt.“

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