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Schmuckstücke : Der Ohrring soll ja nicht im Safe liegen

Glänzt hier in einer anderen Rolle: Die Schauspielerin Emilia Schüle, 1992 geboren, tritt in Cannes als Star aus Deutschland auf. Auf unserem Bild von den Filmfestspielen trägt sie Schmuck der Schweizer Marke Chopard. Bild: Chopard

Was trägt man auf dem roten Teppich in Cannes? Welcher Schmuck passt zu welchem Kleid? Wie die Schmuckmanufaktur Chopard gemeinsam mit Schauspielern und Filmfestspielen für noch mehr Glamour sorgt. Ein Treffen mit Emilia Schüle.

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          Emilia Schüle hat sich schon entschieden, bevor noch alle Juwelen vor ihr ausgebreitet sind: „Das Blau ist sehr schön!“ Fünf große navyblaue Schmuckschatullen liegen auf dem flachen Tisch. Darin Ketten, Ringe, Ohrhänger und Armbänder mit großen roten Tropfen oder kleinen grünen Ovalen. Emilia Schüle, die Schauspielerin, liebäugelt aber mit vier filigranen Stücken aus Tansaniten, die so blau glitzern wie das Meer hinter den Glasfenstern der Dachterrasse.

          Maria Wiesner
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Wir sind im siebten Stock des Hotels Martinez in Cannes. Die Schmuckmanufaktur Chopard hat hier für die zwei Wochen des Filmfestivals mehrere Suiten gemietet. Der Raum drinnen brummt wie ein Bienenstock: Schauspielerinnen in weiten Plisseekleidern mit tiefen Ausschnitten legen Schmuckstücke an; Managerinnen laufen telefonierend dazwischen herum; Fotografen versuchen, ihre Beleuchtungskabel so zu verlegen, dass sich High-Heels nicht darin verfangen. Wenn jemand die Tür zur Dachterrasse öffnet, lässt ein kalter Wind die Plisseekleider rauschen. Draußen drückt er mit einer Macht gegen die Fenster, dass man meinen könnte, der Mistral habe sich kurzfristig die Côte d’Azur hinauf nach Cannes verirrt.

          Wie von diesem Wind getragen, wehte auch Emilia Schüle vor wenigen Minuten in die Chopard-Suite: grüne Jacke, weit fließende Hose, einen dicken Schal um den Hals geschlungen, leichter Gang, große braune Augen – man fühlt sich an die junge Audrey Hepburn erinnert. Mit der gleichen Stilsicherheit wählt sie nun auch ihre Garderobe für den roten Teppich am Abend aus.

          Enge Zusammenarbeit mit den Schauspielern

          „Wir arbeiten bei der Auswahl des Schmucks eng mit den Schauspielerinnen zusammen“, sagt Céline Wackie-Eysten von Chopard. „Wir lassen uns beschreiben, welche Kleider zur Auswahl stehen, welche Farben sie haben, ob sie schon mit Mustern oder Ornamenten besetzt sind. Hier präsentieren wir dann eine Vorauswahl, und die Schauspielerinnen können in Ruhe entscheiden, was für sie in Frage kommt.“ Seit Jahren ist die Schmuckmanufaktur Partner der Filmfestspiele. Zwei Wochen lang laufen in Cannes jeden Abend mehrere Filmpremieren. Ob man seinen eigenen Film vorstellt, ob man ein anderes Projekt bewirbt oder ob man zum Netzwerken an die Croisette gekommen ist – ein paar Tage in Cannes erfordern eine detaillierte Planung der Garderobe. „Neben den Oscars ist das hier der wichtigste rote Teppich der Welt“, sagt Céline Wackie-Eysten. „Durch das Internet gehen die Bilder noch viel schneller um die Welt als früher. Der Druck, auf dem roten Teppich toll auszusehen, ist also sehr hoch.“

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          Emilia Schüle hatte nicht wochenlang Zeit, sich Gedanken über ihr Outfit zu machen. Sie dreht gerade am Eibsee in Bayern den Film „Jugend ohne Gott“ nach dem Roman Ödön von Horváths. Die Einladung nach Cannes kam recht spontan. „Eigentlich hatte ich nur einen Nachmittag Zeit, um mit meiner Stylistin Outfits auszusuchen.“

          Die beiden entschieden sich für Kleider von Marina Hoermanseder, deren Lederkorsagen schon auf der Berliner Fashion Week wie gemacht für den roten Teppich schienen. In Cannes stattet die österreichische Designerin gleich mehrere deutsche Schauspielerinnen aus. Doch kaum eine wird später so viel besprochen werden wie Emilia Schüle. Ihre Kombination für diesen Abend hat sie schon dabei. Nach fünf Minuten erscheint sie im Gala-Outfit: einer mit Blüten überzogenen Lederkorsage zum hellen Glockenrock. Perfekter Stilbruch! Fehlt nur noch der Schmuck.

          „Das macht die Form des Oberteils kaputt.“

          „Mit der Kette bin ich mir nicht sicher“, sagt sie und hält sich das blau funkelnde Halsband an. „Das macht die Form des Oberteils kaputt.“ Ihre Managerin bittet sie, dennoch einmal die ganze Kombination anzulegen, lacht aber gleich darauf: „Du hast recht, das sieht ein bisschen nach der Fürstin von Monaco aus.“ Sie schießt trotzdem ein Foto. Dann noch eines ohne Kette. Die Auswahl geht per Whatsapp an die Stylistin in Deutschland.

          Die Anfragen für Schmuck und Kleidung an die Designerlabels kommen nicht immer von den Stylisten oder Agenten, manchmal kontaktieren die Designer auch selbst die Stars. „Wenn wir wissen, dass zum Beispiel Julia Roberts hierherkommt, dann treten wir natürlich an sie heran, ob sie unseren Schmuck für den roten Teppich tragen will“, sagt Wackie-Eysten. „Cannes ist für uns die beste Auslage, die man sich für Schmuck wünschen kann. Er soll ja nicht im Safe liegen, sondern getragen werden. Und es ist eben sehr anregend, wie die Stars den Schmuck tragen.“

          Dann erzählt sie die Anekdote, wie Cate Blanchett hier vor zwei Jahren Ohrringe aus der „Animal World Collection“ trug. Pink funkelnde Shrimps, an deren Ende lange bunte Stein-Tropfen hingen. „Zwei Tage später waren sie an einen chinesischen Kunden verkauft.“

          Spezielle Kollektion für Cannes

          Die meisten Schmuckstücke sind Einzelanfertigungen. In den vergangenen Tagen schmückten sich unter anderen Kirsten Dunst, Julia Roberts und Valeria Bruni Tedeschi mit Geschmeide der Schmuckmanufaktur. Der Reiz, die exklusiven Stücke noch direkt in Cannes zu kaufen, ist stark. Während der Filmfestspiele versammeln sich hier gutbetuchte Juwelenliebhaber aus Südamerika, China, Russland, Kasachstan oder auch den Vereinigten Staaten. „Wir haben mehr als 1000 Schmuckstücke in Cannes“, sagt Caroline Scheufele, Ko-Präsidentin und Artistic Director des Familienunternehmens Chopard. Wie viele Schmuckstücke insgesamt während des Festivals verkauft werden – darüber schweigt sie sich lächelnd aus.

          Dafür erzählt sie von den Spezialanfertigungen. Jedes Jahr entwirft sie eine spezielle Kollektion für Cannes. Dieses Jahr besteht sie aus 69 Schmuckstücken, so viele, wie das Filmfest in Jahren alt ist. Außerdem hat sie in diesem Jahr mit Julianne Moore deren Schmuck für den roten Teppich entworfen. „Wir kennen uns schon eine Weile. Sie hat sich da schnell entschieden.“ Herausgekommen sind Smaragdohrringe, die gleich im doppelten Sinn grün sind, denn sie stammen aus fair abgebauten und gehandelten Steinen.

          Bei Emilia Schüle hat die Stylistin derweil den Instinkt der Schauspielerin bestätigt. Die blauen Ohrringe und der Tansanit-besetzte Ring sollen es für den Abend werden. Schüle legt sie für ein Fotoshooting auf dem Balkon noch einmal an. Draußen weht der Wind noch immer so stark, dass man Angst hat, er könne sie samt Ohrringen davontragen. Doch sie ist Profi, lächelt und posiert. Hinter der Balkonscheibe stehen die Kellner und schauen verträumt zu. Draußen knallt die Sonne aufs Meer und glitzert mit den Stars um die Wette.

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