https://www.faz.net/-hrx-7ttcz

Schauspieler Korittke im Interview : „Sneaker sind das Gold des kleinen Mannes“

  • Aktualisiert am

Oliver im Glück: Korittke wird in der New-Balance-Fabrik in Flimby ausgestattet. Bild: Espen Eichhöfer / OSTKREUZ

Schauspieler Oliver Korittke sammelt Sneaker. Er sagt: Es ist eine Sucht. 2500 Paar Schuhe stehen in seiner Wohnung. Wir haben mit ihm über Laufschuhe und Schweißfüße gesprochen.

          6 Min.

          Herr Korittke, Sie gelten als fanatischer Sneaker-Sammler. Wie kam es dazu?

          Als ich jung war, aufgewachsen in der Eckkneipe meiner Großeltern, da war es ein Statussymbol, coole Sneaker zu haben. Wir gingen damals in die Siedlungen der US Army und stellten uns mit 30 oder 50 Dollar in der Hand vor die Kaserne, bis mal einer kam und uns für das Geld ein paar Turnschuhe rausbrachte. Später, in den Achtzigern, war das ein gegenseitiges Hochkitzeln: Wer hat die geilsten Treter, wer die ersten Superstar-Schuhe?

          Hört das nach der Pubertät nicht auf?

          Diese Liebe zieht sich bei mir durchs ganze Leben. Sneaker sind das Gold des kleinen Mannes. Das Erste, was Jugendliche heute tun: auf die Schuhe schauen.

          Da kommt es auf die teuren Modelle an.

          Ich weiß noch, wie früher in der Schule die Leute mit Lico ankamen, den Billig-Turnschuh mit den zwei Streifen. Klar, das waren oft Kinder aus ärmerem Elternhaus. Aber als Junge hatte man dafür kein Verständnis, da war man gnadenlos.

          Woher hatten Sie das Geld für Sneaker?

          Von meiner Gage. Ich konnte das, weil ich schon mit vier Jahren mit der Schauspielerei angefangen habe. Von den 2500 Paar, die ich heute besitze, habe ich sicher 500 selbst bezahlt. Der Rest wurde mir geschenkt oder von Schuhfirmen gesponsert, nachdem sich rumgesprochen hatte, dass ich sammle. Bis heute habe ich keinen davon weggegeben.

          Wann haben Sie gemerkt, dass sich das zwischen Ihnen und den Sneakern in eine amouröse Richtung entwickelt?

          Mitte der Neunziger hatte ich 150 Paar Turnschuhe. Schon das war ungewöhnlich. Und da fing der große Hype ja erst an, mit den Dunks von Nike zum Beispiel. Das ging bei mir dann immer so weiter, bis ich 2012 ein Museum aufgemacht habe, in dem neben den Schuhen auch meine Actionfiguren-Sammlung gezeigt wurde. Das Museum mussten wir inzwischen leider schließen, weil dort ein paar Sachen schief gelaufen sind. Wer Interesse hat, finanziell einzusteigen, kann sich übrigens gerne bei mir melden. Das ist mir wichtig, weil ich finde, dass Schuhe ein Kulturgut sind, das man der Öffentlichkeit nicht vorenthalten sollte.

          Was gehört für Sie überhaupt zur Gattung der Sneaker?

          Sneaker ist der amerikanische Begriff für Turnschuh. Aber ich verstehe darunter Schuhe, die man abends anzieht, wenn man ausgeht, auf die Straße, auf ’ne Party, aufs Konzert. Aber bitte nicht immer dieselben. Wenn man auf ein Hiphop-Konzert geht, dann zieht man nicht irgendwelche Jogging-Sneaker an, sondern holt den Air Force One raus oder einen Dunk oder den Adidas Superstar oder auch den Puma Disc.

          Die Schuhtechnik ist aber schon weiter. Warum tragen Sie nicht die Schuhe, die zum Beispiel dämpfungstechnisch auf dem allerneuesten Stand sind?

          Ich bin kein Basketball-Profi, also brauche ich nicht das neuste Dämpfungssystem. Ich brauche auch nicht den drehfähigsten oder hochspringendsten Schuh. Andererseits bin ich jetzt 46, ich lege schon Wert auf einen gewissen Laufkomfort und kann mir nicht mehr irgendwelche Gummitreter anziehen, da werden die Füße noch platter, als sie sowieso schon sind. Der Nike Blazer oder der Adidas Superstar sind mir mittlerweile zu hart. Trotzdem würde ich sie jederzeit Hightech-Modellen vorziehen. Die neuen Schuhe sehen furchtbar aus, als hätte man einen Gesundheitsschuh am Fuß.

          Gerade gibt es einen Sneaker-Hype.

          Topmeldungen

          Zum Ende lässt Merkel kein gutes Fotomotiv aus: Die Kanzlerin im Vogelpark Marlow

          Merkel geht : Es waren sechzehn Jahre

          Über die Ära Merkel schreiben – wie soll das gehen? Unsere Autoren haben sich umgeschaut und umgehört. Und fanden große Schnitzel und Begeisterung für pommersche Zwergspitzen.

          Mord an der Tankstelle : Plötzlich bist du Hassfigur

          Idar-Oberstein trauert um Alexander W., Kassiererinnen und Verkäufer im ganzen Land sind verunsichert. Seit Corona erleben sie immer aggressivere Kunden.

          Ärger beim FC Bayern : „Das war keine Glanzleistung“

          Trotz des nächsten Erfolgs in der Fußball-Bundesliga ärgern sich die Münchner über „schlampige“ Momente beim Spiel gegen Greuther Fürth. Auch Trainer Julian Nagelsmann gesteht Fehler ein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.