https://www.faz.net/-hrx-7ttcz

Schauspieler Korittke im Interview : „Sneaker sind das Gold des kleinen Mannes“

  • Aktualisiert am

Oliver im Glück: Korittke wird in der New-Balance-Fabrik in Flimby ausgestattet. Bild: Espen Eichhöfer / OSTKREUZ

Schauspieler Oliver Korittke sammelt Sneaker. Er sagt: Es ist eine Sucht. 2500 Paar Schuhe stehen in seiner Wohnung. Wir haben mit ihm über Laufschuhe und Schweißfüße gesprochen.

          Herr Korittke, Sie gelten als fanatischer Sneaker-Sammler. Wie kam es dazu?

          Als ich jung war, aufgewachsen in der Eckkneipe meiner Großeltern, da war es ein Statussymbol, coole Sneaker zu haben. Wir gingen damals in die Siedlungen der US Army und stellten uns mit 30 oder 50 Dollar in der Hand vor die Kaserne, bis mal einer kam und uns für das Geld ein paar Turnschuhe rausbrachte. Später, in den Achtzigern, war das ein gegenseitiges Hochkitzeln: Wer hat die geilsten Treter, wer die ersten Superstar-Schuhe?

          Hört das nach der Pubertät nicht auf?

          Diese Liebe zieht sich bei mir durchs ganze Leben. Sneaker sind das Gold des kleinen Mannes. Das Erste, was Jugendliche heute tun: auf die Schuhe schauen.

          Da kommt es auf die teuren Modelle an.

          Ich weiß noch, wie früher in der Schule die Leute mit Lico ankamen, den Billig-Turnschuh mit den zwei Streifen. Klar, das waren oft Kinder aus ärmerem Elternhaus. Aber als Junge hatte man dafür kein Verständnis, da war man gnadenlos.

          Woher hatten Sie das Geld für Sneaker?

          Von meiner Gage. Ich konnte das, weil ich schon mit vier Jahren mit der Schauspielerei angefangen habe. Von den 2500 Paar, die ich heute besitze, habe ich sicher 500 selbst bezahlt. Der Rest wurde mir geschenkt oder von Schuhfirmen gesponsert, nachdem sich rumgesprochen hatte, dass ich sammle. Bis heute habe ich keinen davon weggegeben.

          Wann haben Sie gemerkt, dass sich das zwischen Ihnen und den Sneakern in eine amouröse Richtung entwickelt?

          Mitte der Neunziger hatte ich 150 Paar Turnschuhe. Schon das war ungewöhnlich. Und da fing der große Hype ja erst an, mit den Dunks von Nike zum Beispiel. Das ging bei mir dann immer so weiter, bis ich 2012 ein Museum aufgemacht habe, in dem neben den Schuhen auch meine Actionfiguren-Sammlung gezeigt wurde. Das Museum mussten wir inzwischen leider schließen, weil dort ein paar Sachen schief gelaufen sind. Wer Interesse hat, finanziell einzusteigen, kann sich übrigens gerne bei mir melden. Das ist mir wichtig, weil ich finde, dass Schuhe ein Kulturgut sind, das man der Öffentlichkeit nicht vorenthalten sollte.

          Was gehört für Sie überhaupt zur Gattung der Sneaker?

          Sneaker ist der amerikanische Begriff für Turnschuh. Aber ich verstehe darunter Schuhe, die man abends anzieht, wenn man ausgeht, auf die Straße, auf ’ne Party, aufs Konzert. Aber bitte nicht immer dieselben. Wenn man auf ein Hiphop-Konzert geht, dann zieht man nicht irgendwelche Jogging-Sneaker an, sondern holt den Air Force One raus oder einen Dunk oder den Adidas Superstar oder auch den Puma Disc.

          Die Schuhtechnik ist aber schon weiter. Warum tragen Sie nicht die Schuhe, die zum Beispiel dämpfungstechnisch auf dem allerneuesten Stand sind?

          Ich bin kein Basketball-Profi, also brauche ich nicht das neuste Dämpfungssystem. Ich brauche auch nicht den drehfähigsten oder hochspringendsten Schuh. Andererseits bin ich jetzt 46, ich lege schon Wert auf einen gewissen Laufkomfort und kann mir nicht mehr irgendwelche Gummitreter anziehen, da werden die Füße noch platter, als sie sowieso schon sind. Der Nike Blazer oder der Adidas Superstar sind mir mittlerweile zu hart. Trotzdem würde ich sie jederzeit Hightech-Modellen vorziehen. Die neuen Schuhe sehen furchtbar aus, als hätte man einen Gesundheitsschuh am Fuß.

          Gerade gibt es einen Sneaker-Hype.

          Weitere Themen

          Airbags für die Füße

          Air Max 1 /97 Foot Locker Only : Airbags für die Füße

          Den Vorschlag machte ein Luftfahrtingenieur: Füße auf Luft polstern, um die Gelenke zu schonen. Nachdem zahlreiche Schuhfirmen die Idee verwarfen, nahm sich Nike ihrer an. Der Nike Air war geboren. Die Kolumne Sneak around.

          Der Vokuhila ist zurück Video-Seite öffnen

          Aus den 80ern : Der Vokuhila ist zurück

          Vorne kurz und hinten lang: Der Vokuhila war eine Modesünde aus den 80er Jahren. Doch gibt es immer noch Liebhaber der Frisur – bekommt der Vokuhila ein Revival?

          Frauen im Ring Video-Seite öffnen

          Boxen : Frauen im Ring

          Sie schlagen sich, sie schwitzen, und sie spüren ihre Kraft: Zu Besuch bei 17 Boxerinnen, die mit ihren Muskeln auch gegen Stereotype ankämpfen.

          Topmeldungen

          Österreichs Regierung am Ende : Pech für die Wirtschaft

          Das Aus der schwarz-blauen Regierung ist folgerichtig. Doch wirtschaftlich hat das Bündnis mehr hinbekommen als die Vorgängerregierung. Hoffentlich fällt das Land nicht zurück in Stillstand.
          Die 45. Internationale Waffen-Sammlerbörse im März in Luzern

          Mit rund 64 Prozent : Schweizer stimmen für schärferes Waffenrecht

          Die Eidgenossen haben sich den Verbleib im Schengen-Raum gesichert: Eine Mehrheit sprach sich für die Übernahme der verschärften Waffenrichtlinie der EU aus. Bei einer Ablehnung wäre die Mitgliedschaft automatisch nach sechs Monaten erloschen.
          Werner Bahlsen

          Bahlsen gibt Fehler zu : „Es muss alles auf den Tisch“

          Der Bahlsen-Verwaltungsratsvorsitzende kündigt an, dass die Geschichte des Unternehmens fundiert aufgearbeitet werden soll. Was seine Tochter gesagt habe, sei falsch.

          Wie weiter mit dem Brexit? : Das britische System liegt in Trümmern

          Womöglich kann das britische Parlament einen „No Deal“ nach der Europawahl nicht mehr verhindern. Dann müsste die EU sich auch an die eigene Nase fassen – sie hat zur Polarisierung der Politik im Vereinigten Königreich beigetragen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.