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Männerfüße : Lauf dich frei

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Geschmackssicher oder nicht? Sandalen mit Socken: Durchgesetzt hat sich dieser Trend nicht. Bild: dpa

Männer und Sandalen – das galt lange als Fauxpas. Nur Albert Einstein lief in Sandalen für Damen herum. Heute hingegen sind Mandals das Sommer-Accessoire des Großstädters.

          Die Zeichen stehen auf Fußfreiheit. Sonne raus, Zehen frei. Seit mindestens zwei Jahren zelebrieren Männer eine neue Lässigkeit im Sommer. Hollywood-Beau Zac Efron spaziert in smartem Anzug und Flipflops durch die Straße. Stilikone Marc Jacobs verwirrt auf einer Veranstaltung im gemusterten Pyjama und mit braunen Sandalen. Und Designer Raf Simons belebt die Adilette mit neuen Farbkombinationen. Von wegen dunkelblau-weiß, Männer sollen im Sommer 2015 grasgrün-königsblaue Latschen anziehen.

          Das älteste Schuhwerk der Welt wird also jetzt auch von Männern wiederentdeckt. In Nordamerika trugen die Ureinwohner einst Sandalen aus Pflanzenmaterialien. Seitdem ist es der Männersandale in der Geschichte kontinuierlich schlechter gegangen: Die einfachen Menschen im Römischen Reich schnallten sich zwar Sandalen um, die Soldaten trugen sie mit angenagelten Brettern an den Füßen, aber in besseren Kreisen galt es als Affront, sich mit offenen Schuhen in der Öffentlichkeit zu zeigen. Nur wenn ein Senator zum Essen eingeladen wurde, durfte er Sandalen anziehen – damit er diese leicht abstreifen konnte, wenn man sich obligatorisch auf die Kissen fläzte und speiste. Wer es sich über die Jahrhunderte leisten konnte, ließ sich Schuhwerk anfertigen, das den gesamten Fuß umschloss. Seinen Fuß nackt zu zeigen galt als Armutszeugnis.

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          Dem konnten sich höchstens Paradiesvögel und Genies entziehen. Albert Einstein bezeichnete sich Ende der dreißiger Jahre selbst einmal als „eine Art antike Gestalt, die dafür bekannt ist, keine Socken zu benutzen“. Als er im Sommer 1939 auf Long Island weilte, wollte er in einem Geschäft ein Paar Sandalen erstehen. Der Besitzer konnte ihm nur noch welche in der größten Damengröße verkaufen – es gab einfach keine anderen. Einstein soll sie den ganzen Sommer über getragen haben. Auf Bildern sieht er damit noch heute exzentrisch aus.

          Einzug in Großstädten

          Jeder Benimmführer spart deshalb nicht mit der Aufforderung: nie, aber auch nie auf offiziellen Gelegenheiten die Zehen blicken zu lassen. Etikette-Experten aus der gesamten Bundesrepublik verdienen sich ihr Sommergehalt mit solchen Warnungen. Wann darf ein Mann ein Schuhwerk mit Lederriemen und leichter Sohle anziehen? Am Ostersonntag dieses Jahres spitzte sich dieser Benimmkonflikt auf geradezu himmlische Weise zu. Als Reverend Andrew Dotchan das Lokal „The Wine Bar“ im englischen Ipswich besuchen wollte, wurde ihm der Einlass verwehrt. Er hatte mandals an – so nennen die Engländer Männersandalen. Der Türsteher des Gastro-Pubs wies den kirchlichen Würdenträger darauf hin, dass er damit ein zu großes Verletzungsrisiko einginge. Die gastronomische Einrichtung wollte diese Verantwortung nicht übernehmen.

          Abseits dünnbesiedelter Landstriche indes sieht die Situation anders aus. In Großstädten halten mandals flächendeckend Einzug. Klingt natürlich moderner, wenn sie Namen wie Houm haben und dabei wie schwarze Lackschuhe mit schicken Luftschlitzen aussehen (gesehen bei Kenzo). Oder von Jeremy Scott mit Comic-Flügeln an den Riemen entworfen wurden (für Adidas). Diese Modelle sind nicht so kontaminiert wie die einfache Strandsandale, bei dem wenige an die Fußbekleidung der Blues-Anhänger in der DDR denken und viele an Russell Crowe in „Gladiator“. In beiden Fällen: an eine uralte modische Verirrung.

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