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Männerfüße : Lauf dich frei

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Eine U-Bahnstation entfernt vom Büro der beiden Modeblogger liegt der Voo Store. In der Kreuzberger Oranienstraße gilt er als das Mekka der Hipster und Touristen, die sich wie solche kleiden. Und was tragen die in diesem Sommer? Der Auslage im Voo Store nach jene Adiletten von Raf Simons, bis zu den Knöcheln kunstvoll verschnürte Ledersandalen von Maison Margiela und schneeweiße respektive schwarz glänzende Birkenstock-Riemensandalen. Ein englisch sprechender Tourist greift sich jedenfalls gleich beide Modelle und probiert sie an.

Birkenstock? Da war doch was. Das 1774 gegründete Traditionshaus galt bis vor einigen Jahren als Sündenfall im Fashion-Paradies. Wer diese klobigen Schuhe trug, war draußen, eindeutig. Die Gesundheitslatschen klebten wie Betonsockel an den Füßen, wenn man gerade über die Piazza Navona stolperte und sich die Blicke der entsetzten Römer wie eine Welle kalten Flutwassers über einen ergossen.

„Happy Ugly Feet“

Nun ist Birkenstock der letzte Schrei. Das Magazin „New Yorker“ feierte die deutsche Firma im März dieses Jahres als eine Art Retterin der geschundenen Füße. „Happy Ugly Feet“, stand über dem Artikel. Denn die Schuhe sähen „an großen Füßen wie Boote“ aus, stand dort. Aber auch, dass ausgerechnet Manolo Blahnik, der Mann, der High Heels fetischisierte, sich zum Fan der platten Schlappen erklärte.

In Neustadt an der Wied sagt Oliver Reichert, CEO der Birkenstock Gruppe: „Als Marke mit einer Tradition von zweieinhalb Jahrhunderten tragen wir diese Aufgeregtheit mit Fassung.“ Die Firma bleibe ihrem Credo treu, während der Modezirkus sich um sie herum drehe, mal dichter, mal weiter entfernt: „Gute, bequeme und gesunde Schuhe.“

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Entscheidend bei einer Sandale sei das Fußbett, erklärt Reichert, weil es den Füßen Halt geben muss – viel mehr als bei geschlossenem Schuhwerk. „Streng genommen, sind Sandalen das perfekte Schuhwerk für Männer; sie engen die Füße nicht ein, sorgen für eine perfekte Belüftung und brauchen weniger Platz im Koffer. Reine Funktion also, und darauf achten Männer ja besonders.“

Oliver Reichert trägt am liebsten das Zweiriemer-Modell Arizona, und zwar aus dem Kunststoff Eva, der den Schuh leicht macht. „Passen in jede Strandtasche, oder man klemmt sie einfach unter den Arm.“ An solchen Details wie Material, Sohlenkonzepten und Verschlusslösungen forschen die Entwickler bei Birkenstock. „Im Vordergrund steht immer die Funktion, Design-Chichi wird es bei uns nicht geben“, sagt der Chef. Dafür sorgen Labels wie Givenchy oder Céline, die ihre eigene Interpretation des klassischen Gesundheitsschuhs entwerfen.

Für Reichert gibt es nur eine Konstante: das Fußbett. Diese anatomisch geformte dicke Sohle, die der Marke ihren einzigartigen Look gibt – „die tasten wir nicht an“. Muss er auch nicht. Stars wie Leonardo DiCaprio oder Usher wurden in Birkenstocks gesichtet. Diese Männer hätte der Türsteher der Bar in Ipswich bestimmt nicht am Einlass gehindert.

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