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Männerfüße : Lauf dich frei

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Fußpflege und Pediküre bei Männern

„Es ist kein modischer Fauxpas mehr, wenn ein Mann Sandalen anzieht“, sagt einer, der es wissen muss: Dan May, der Style Director von Mr. Porter. Der Online-Shop beliefert Herren und Hipster in London, New York oder München. Das schlechte Image der Sandale hält der Brite nicht für gerechtfertigt. „Ich habe Sandalen immer gemocht. Vor zehn Jahren habe ich ein tolles Paar in einem Charity-Shop gefunden, und ich trage es nach wie vor. Es hat wahrscheinlich sein Leben bei einem Geographielehrer begonnen. Wichtig ist natürlich, wie man die Schuhe trägt.“

Und damit meint er, dass es heutzutage viel besser möglich ist, seine Sommergarderobe auf die unterschiedlichen mandal-Modelle abzustimmen. Die sportlichen Teva-Sandalen mit Klettverschlüssen und Gummisohlen passen zu einer Freizeitgarderobe von T-Shirt und kurzer Hose, die Lanvin-Sandalen mit zwei breiten Riemen und weichem Wildlederfußbett gehören eher zu Jachtclub-Cocktails, weiten Leinenhemden und lässigen Chinos.

Bei Mr. Porter besonders beliebt sind die dunkelblauen Leder-Flipflops von Bottega Veneta und die Klettverschluss-Sandale mit der doppelt beschichteten Sohle von der japanischen Marke Suicoke. Dan May bevorzugt persönlich ein klassisches Modell des französischen Modehauses APC: chromgegerbtes kastanienbraunes Leder, Kreppsohle, drei Riemen, eine seitliche Schnalle.

Aber ist der Trend zur Sandale wirklich einfach nur dem größeren Designangebot geschuldet? Hat der Mann wieder eine Chance, Sandalen zu entdecken, weil Dolce&Gabbana, Prada und Rick Owens sich entschieden haben, einfach mehr Riemenschuhe zu produzieren? Vielleicht steckt aber auch die Pflegerevolution dahinter, die seit rund 15 Jahren im Badezimmer der Herren stattfindet. Kosmetika, Parfüms, Peelings: Die Investition ins gepflegte Äußere hat enorm zugenommen. Der Fuß ist nicht mehr der vernachlässigte Körperteil, den viele Herren einfach übersehen.

Das glaubt auch David Kurt Karl Roth vom Berliner Fashion-Blog „Dandy Diary“: „Männer reduzieren ihre Fußpflege nicht mehr auf ein jährliches Kürzen ihrer Zehennägel, sondern gehen immer öfter zur Pediküre. Sie können somit auch ohne Scham vor öffentlicher Ächtung ihre Füße vorzeigen.“

Socken und Sandalen

Der Modeblogger, der mit seinem Kompagnon Carl Jakob Haupt kleine Berühmtheit erlangte, als er einen Flitzer über den Dolce&Gabbana-Laufsteg rennen ließ, nahm die Sandale im „modischen Kontext“ erstmals 2007 wahr. In jenem Jahr schockte die geschmackssichere Miuccia Prada, indem sie Männermodels eine unfassbare Kombination aufzwang: Socken und Sandalen. Sofort schrieben alle Modemagazine darüber, einige legten mit Socke an Sandalen-Modestrecken nach.

Massenhaft durchgesetzt hat sich dieser Trend jedoch nicht. Obwohl Roth eine größere Häufigkeit registriert. Im Zuge des Normcore-Trends – unauffällig und bewusst nicht an Mode interessiert – wurde gerade diese verpönte Mischung zum Anti-Statement. Er sieht nun Männer, „die ihren Tag nicht Bier trinkend auf dem Campingstuhl verbringen“, sondern lieber am Berliner Landwehrkanal entlangschlendern und Socken in Sandalen tragen. Das kann „großartig“ sein, findet Roth. Privat greift er aber doch lieber zu den sportlichen Modellen von Teva – ohne Socken.

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