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Samurai-Schau in München : Das Rittertum in voller Blüte

In München gibt es eine Samurai-Schau zu sehen, die anders ist als gewohnt. So viele prächtige Rüstungen und Helme hat man noch nicht beisammen gesehen.

          4 Min.

          Aus Niederlagen kann die größte Pracht erwachsen. So etwa im Fall der nebenstehenden japanischen Rüstung, die laut Familienüberlieferung der Mori, eines Samurai-Clans, dessen Geschichte sich über ein ganzes Jahrtausend zurückverfolgen lässt, im ausgehenden sechzehnten Jahrhundert dem ihr angehörigen Fürsten Kobayakawa Takakage geschenkt wurde: als Belohnung für dessen Einsatz beim gescheiterten Versuch des damaligen starken Mannes von Japan, Toyotomi Hideyoshi, 1592/93 die koreanische Halbinsel zu erobern. Derartige feudale Gunstbeweise wurden von den Erben der Empfänger in hohen Ehren gehalten – bis im Zuge der Modernisierung Japans durch den Meiji-Kaiser in den Jahren zwischen 1868 und 1876 die bisherigen Privilegien der Kriegerkaste beseitigt wurden, zuletzt auch ihr Recht, Schwerter zu tragen. Behalten aber durfte sie das alte Kriegsgerät, und die Nachkommen von Kobayakawa verkauften dessen Rüstung samt Zubehör 1923 an einen britischen Missionar, der in Japan Englisch lehrte – ein beklagenswertes Symptom des Niedergangs der Samurai in einer Zeit, als das sonstige Kaiserreich einen immensen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. So aber kam das einzige außerhalb Japans bekannte vollständige Ensemble einer fürstlichen Kriegerausrüstung erst nach England und dann nach Amerika, wo es heute das Glanzstück der in Dallas beheimateten Sammlung von Ann und Gabriel Barbier-Mueller ist.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Derzeit ist das mit dem Mori-Wappen der Paulowniablüte geschmückte Ensemble in München zu sehen, als Schluss- und Höhepunkt der Ausstellung „Samurai – Pracht des japanischen Rittertums“ in der Hypo-Kunsthalle. Es ist in einer eigenen Wandvitrine ausgestellt, die das Zubehör weit besser zur Geltung kommen lässt als die arrangierte Gesamtaufnahme. Wenn man von „Höhepunkt“ spricht, will das angesichts von insgesamt 21 Rüstungen und 46 separaten Helmen, die aus Dallas nach München ausgeliehen wurden (wobei jede Rüstung natürlich auch einen Helm zu bieten hat), einiges heißen. Eine solch reiche Präsentation haben selbst die wichtigsten westlichen Schausammlungen in den Museen von Paris, London, Venedig oder Boston nicht zu bieten. Was die Barbier-Muellers seit 1992 zusammengetragen haben, ist nicht nur des Mori-Ensembles wegen eine Sensation.

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          In dieser Zusammenstellung kann man die Objekte nicht einmal in Dallas sehen, wo sie sich aufs Museum für die Sammlung, die Privatwohnung der Familie und die Atrien der Bürogebäude ihres Unternehmens verteilen. Vor acht Jahren ging erstmals ein großer Teil der Kollektion auf Reisen, zunächst nach Paris, später auch nach Boston und Los Angeles, und aus diesem Anlass wurde ein hervorragender Katalog erstellt, der jetzt anlässlich der Münchner Schau ins Deutsche übersetzt wurde – leider unaktualisiert, so dass es etliche Objekte in der Kunsthalle gibt, die „außer Katalog“ dort Aufnahme fanden und bei deren Beschreibungen man sich keine große Mühe gemacht hat, weil man nicht wie bei den anderen Stücken auf die Katalogtexte zurückgreifen konnte. Dieses Ungleichgewicht bei der Kommentierung in den Sälen ist eine Enttäuschung.

          Fast fünf Kilo Gewicht

          Gleiches gilt für die Vitrinenverglasung, die zu sehr spiegelt, als dass man die darin ausgestellten Kunstwerke uneingeschränkt bewundern könnte. Und um Kunst handelt es sich bei diesen Meisterwerken der Plattner-, Schmiede-, Flecht- und auch Lackierkunst, denn eine japanische Rüstung vereint geschickt unterschiedlichste Materialien, um möglichst geringes Gewicht der Ausrüstung und größtmögliche Beweglichkeit des Kriegers zu gewährleisten. Auch die teilweise höchst pittoresken Gestaltungen der Helme – einer sieht aus wie eine Axtschneide, ein anderer hat die Gestalt der hohen Stirn des japanischen Glücksgottes Fukurokuju, ein dritter trägt die meterlange Nachbildung einer Falkenfeder als Helmzier – verlangte nach den unterschiedlichsten handwerklichen Begabungen, denn meist ist der eigentliche Kopfschutz aus verschmiedeten Metallplatten verborgen unter kulissenartigen Applikationen aus leichtgewichtigen Holz-, Lack- oder Papierelementen. Trotzdem wiegt der schwerste dieser Helme fast fünf Kilo, was aber in seinem Fall an reichlich verwendetem massiven Goldschmuck liegt.

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