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Saint Laurents Traum : Hinter den Mauern Marrakeschs

  • -Aktualisiert am

Als Yves Saint Laurent 1966 zum ersten Mal nach Marokko kam, erlag er dem „Feuer dieses Landes“. Bild: Reginald Gray

Yves Saint Laurent war der einzige Modeschöpfer seiner Generation, der früh die Weitsicht besaß, herausragende Entwürfe zu archivieren. Im neu eröffneten Musée Yves Saint Laurent in Marrakesch werden bedeutende Stücke gezeigt.

          Vor Marrakesch, sagte Yves Saint Laurent, kannte er nur Schwarz und Weiß. Als er 1966 mit seinem Partner Pierre Bergé zum ersten Mal nach Marokko kam, erlag er dem „Feuer dieses Landes“, das seine Mode kraftvoller und facettenreicher machte. Fortan kommen sie zweimal jährlich wieder: am 1. Juni und am 1. Dezember. Für Saint Laurent ist es die Rückkehr in ein unbekanntes Land. Die Farben, Düfte, Arabesken erinnern ihn an das verlorene Paradies seiner Kindheit im damals französischen Algerien. Hier ist er glücklicher und freier als in Paris, und 1980 kauft er den Jardin Majorelle und macht aus ihm eine Ruheoase im nie müde werdenden Marrakesch.

          In unmittelbarer Nachbarschaft hat ihm, fünfzig Jahre nach dem ersten Besuch, sein langjähriger Partner Pierre Bergé ein Denkmal gesetzt. Bergé, dessen Optimismus und betriebswirtschaftliches Geschick dem Genie Yves Saint Laurent halfen, ein Modehaus von internationaler Strahlkraft zu errichten, schützte seit dem Tod des großen Couturiers auch sein Vermächtnis. Für die Finanzierung des 15 Millionen Euro teuren Museums hatte er seine Kunstsammlung und Teile seiner Bibliothek verkauft. Die Eröffnung am Samstag konnte er nicht mehr erleben – er starb am 8. September in seinem Haus in Saint-Rémy-de-Provence.

          Bergé beaufragte die Architekten Olivier Marty und Karl Fournier mit dem Bau: „Ihr oder niemand”, sagte Bergé. Er liebte das Risiko. „Natürlich habe ich auch große Architekten im Sinn gehabt“, sagte er im Juni auf einer Pressekonferenz in Paris. „Aber dann dachte ich: Warum sollte ich mich mit denen rumplagen?“ Marty und Fournier sind mit ihrem „Studio Ko“ seit 15 Jahren in Marrakesch aktiv, sie haben sich an der École des Beaux-Arts in Paris kennen und lieben gelernt und stiegen schnell in den Zirkel der einflussreichen Franzosen auf, die in Marokko leben. Zuerst bauten sie ein Wohnhaus für Patrick Guerrand-Hermès, später eines für die Industriellenfamilie Agnelli.

          Für die Finanzierung des 15 Millionen Euro teuren Museums hatte Bergé seine Kunstsammlung und Teile seiner Bibliothek verkauft.

          Olivier Marty und Karl Fournier arbeiten unkonventionell. „Ich fasse Gedanken in Worte, Olivier arbeitet sehr visuell, sensorisch“, sagt Karl Fournier. Für das Museum träumte Karl von einem Gebäude, das außen rau und warm ist und und innen leicht und hell. Olivier entwarf daraufhin eine abstrakte Komposition, opak und robust, ein Spiel aus Volumen und scharfen Winkeln, das wie eine kubistische Skulptur anmutet. Die Backsteinfassade drapieren die Architekten wie ein Kleid um das Gebäude; die reliefartige Textur nimmt dem Material seine Schwere, so dass die Ziegelsteine zu einer luftigen Hülle werden.

          Der Bau, der sich über 4000 Quadratmeter erstreckt, umfasst einen Konzertsaal, eine Bibliothek, eine Boutique und ein kleines Café – und den „Salle YSL“, der die ständige Sammlung beherbergt. In einer Art Blackbox rotieren hier 50 Couture-Kleider, die Teil der 5000 Teile starken Sammlung sind. Yves Saint Laurent war der einzige Modeschöpfer seiner Generation, der früh die Weitsicht besaß, herausragende Entwürfe zu archivieren. In Marrakesch werden bedeutende Stücke wie „Le Smoking“ gezeigt, das Safari Jacket oder die „Robe Mondrian“. Das Haus in der Rue Yves Saint Laurent in Marrakesch erkundet die phantasievolle Seite des Lebenswerks von Yves Saint Laurent. Es ist keine umfassende Retrospektive – die wird fortan im zum Museum umgebauten ehemaligen Atelier des Coutouriers gezeigt, das am 3. Oktober in Paris eröffnete.

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