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Designerin Rosie Assoulin : Die Frau, die Kleiderordnungen überwindet

„So dicht besiedelt, dass alle paar Blocks eine andere Einrichtung für Kinder liegt“: Rosie Assoulin lebt und arbeitet in Soho. Bild: Kai Nedden

Die Mode von Rosie Assoulin ist von Frauen mit grundverschiedenen Lebenshaltungen tragbar. Die interkulturellen Entwürfe der New Yorker Designerin sind zugleich freizügig und maßvoll.

          8 Min.

          Es gibt zwei Fraktionen, die ein anstehendes Interview mit Rosie Assoulin in New York unterschiedlich kommentieren. Fraktion A: Wer ist Rosie Assoulin? Fraktion B: Der folge ich auf Instagram.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die New Yorker Designerin ist bekannt und zugleich unbekannt. Rosie Assoulin ist weder Ralph Lauren noch Giorgio Armani. Wegen ihres Lebensalters – sie ist 34 – und aufgrund der Unternehmensgeschichte – die gerade mal fünf Jahre zurückreicht – wäre das auch unmöglich und natürlich ein ungerechter Vergleich. Der Name Rosie Assoulin geht aber auch nicht so vertraut über die Lippen wie etwa der Name Jason Wu, der 2009 mit 27 Jahren über Nacht berühmt wurde, als die neue First Lady Michelle Obama ein Kleid von ihm trug.

          Damit sind wir gleich beim Thema: wie unglaublich schwer es heute ist, sich als junger Designer, egal wo auf der Welt, durchzusetzen und sich mit seinem Label im Gespräch zu halten. In New York, wo Rosie Assoulin arbeitet, bleibt davon auch der boys club aus asiatisch-amerikanischen Designern wie Derek Lam und Alexander Wang nicht verschont. Auch um Jason Wu ist es ruhiger geworden. Der Marketingfaktor First Lady fällt in den Vereinigten Staaten aktuell weg, das macht es nicht leichter.

          Jede Rocklänge geht

          Aber da ist ja noch Fraktion B, das sind die Menschen, deren Augen leuchten und deren Stimme sich hebt, wenn die Rede auf Rosie Assoulin kommt. In einer Stadt, die ihren Ruf als Talentschmiede für Modedesigner in den vergangenen Jahren nicht mehr wirklich verteidigt hat und in der ein eigenes Label aufzubauen eine fast unmögliche Aufgabe ist – dort zeigt Assoulin, dass es trotzdem geht.

          Eine der größten Modehoffnungen der Stadt nimmt an diesem Vormittag auf einem Sofa mit flauschig-weißem Bezug in einem Loft in Soho Platz. Sie trägt ein smaragdgrünes Kleid aus Seide, fließend wie drapiert, es schwebt über dem Boden. Vor einigen Jahren hätten Frauen so etwas nicht unbedingt an einem Dienstag um zwölf Uhr getragen, sondern eher am Abend zu einem besonderen Anlass.

          Oberteil mit V-Ausschnitt und pastösen Farbspuren, dazu ein langer, weit ausgestellter Rock in schwarz von Rosie Assoulin

          Rosie Assoulin ist am Morgen aus dem verlängerten Familienwochenende in New Jersey zurückgekommen. In ihrem Atelier ein paar Häuser weiter sind ihre Mitarbeiter – „mal sind es zwölf, mal 15, wir halten das flexibel“ – gerade damit beschäftigt, die Zwischenkollektion zur Cruise-Saison fertigzustellen. Rosie Assoulin wird nach dem Interview dorthin zurückkehren und weiter an der Kollektion arbeiten.

          Trotzdem trägt sie jetzt ein langes Kleid. Selbst wenn Trends eine immer geringere Rolle spielen – Dresscodes verändern sich ständig. Für Frauen bedeutet das, dass aktuell jede Rocklänge geht, Mini, Midi, Maxi. Soll doch jeder für sich entscheiden, was passt. Man muss in solche stilistischen Veränderungen nicht allzu viel hineininterpretieren. Ein langes Kleid kann für die einen große Wahlfreiheit bedeuten – und für die anderen Mode, die sich einem Bekleidungskonzept nach strengen Glaubensregeln fügt.

          Ausgerechnet die Mode

          Das hat diese Frau früh erkannt, es ist das Spannungsfeld, in dem sie sich als Designerin bewegt. Man sieht das nicht unbedingt, wenn man ihr auf Instagram folgt. Da gibt es Stadt-Schnappschüsse aus New York, schöne Frauen in ihren Kleidern am Strand und im Auktionshaus, berühmte Frauen wie Jennifer Lawrence und Margot Robbie. Und wieder waren es lange Kleider für Tagesauftritte. Freie Schultern hatten beide Modelle trotzdem.

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