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Rianna (links) und Nina arbeiten mit ihrem Label Rianna and Nina nicht nach Schema F und ohne Saisons. Die Kundinnen lieben ihre neuen alten Kleider. Bild: Andreas Pein

Neues Vintage-Label : Zwei Frauen, ein Look

Mode aus Berlin? Das kann klappen. Rianna Kounou und Nina Kuhn fertigen aus Vintagetüchern neue Kleider.

          6 Min.

          Rianna Kounou und Nina Kuhn sitzen in ihrem brandneuen Atelier in einem Hinterhof an der Berliner Torstraße und erzählen von New York. Das Traditionskaufhaus Bergdorf Goodman hat für sie vor ein paar Wochen einen Pop-up-Store organisiert, eine Ecke nur mit Entwürfen von Rianna and Nina. Das Label von Rianna Kounou und Nina Kuhn ist gerade mal dreieinhalb Jahre alt, da ist eine solche Ecke eine große Ehre.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die erste Überraschung ließ nicht lange auf sich warten, wie Nina Kuhn erzählt. Am Tag der Eröffnung, einem Samstag, kaufte eine Kundin so viele ihrer Jacken, Mäntel und Kleider, so viele der aus bunten Stoffen zusammengesetzten Stücke, von denen einige noch mit Swarovski-Steinen besetzt waren, dass sie anschließend um 114.000 Dollar ärmer war.

          Als Rianna Kounou und Nina Kuhn am Montag darauf in New York eintrafen, um selbst für eine Woche dabei zu sein, und noch nichts von dem Großeinkauf der Kundin wussten, wunderten die beiden sich vor allem, dass die Kleiderstangen so leer waren. „Ich dachte mir“, sagt Nina Kuhn, „haben sie das alles noch hinten im Lager hängen?“ Die Leute von Bergdorf Goodman antworteten, es sei schon alles weg. Die gute Kundin, eine reiche Geschäftsfrau, war nicht selbst im Kaufhaus gewesen, sie hatte ihre Stylistin vorbeigeschickt und war mit ihr über Videoanruf verbunden.

          „Als der Verkäufer sie fragte, wann sie denn all diese Sachen tragen wolle, antwortete sie: Ich brauche keinen Anlass für Rianna and Nina. Darin hole ich morgens auch gerne meine Post aus dem Briefkasten.“

          Neues aus alten Stoffen und Tüchern

          Aus dem Lachen im Atelier von Rianna and Nina in Berlin ist auch ein wenig Stolz, Erstaunen und Erleichterung herauszuhören. Die beiden sind ein schönes Beispiel dafür, dass Mode, die aus Berlin kommt, ihre Daseinsberechtigung hat. Dass Konzepte, die hier erdacht werden, nicht einfach vor sich hin darben, sondern dass ihre Macherinnen mit einer Dynamik an die Arbeit gehen, die man in dieser schwierigen Branche braucht. Rianna Kounou, 49, und Nina Kuhn, 34, haben ein rares und klares Konzept.

          Aus alten Stoffen und Tüchern fertigen sie neue Kleider, Kimonos und Jacken. Das Ergebnis ist unverkennbar Rianna and Nina. Das Interesse an den neu aufgearbeiteten Vintagestücken zeigt auch, dass solche Ideen eine Zukunft für die Mode sein könnten, in der etablierte Marken allmählich an Macht verlieren. Junge Designer können mit nur einem guten Einfall, sofern es ein Knaller ist, erfolgreich sein, unabhängig von dem Ort, an dem sie leben.

          Rianna and Nina ist ein Knaller-Einfall. Jedenfalls hängt die Marke schon in 15 Läden, und nur zwei davon sind in Deutschland, das Kadewe in Berlin und Mohrmann in München. Rianna and Nina ist so speziell, dass sie mehr als einen Markt für ihre Mode brauchen, also die Welt. „Wir sind so teuer wie Valentino, Gucci oder Dolce & Gabbana“, sagt Nina Kuhn. „Neben diesen Marken hängen wir auch.“ Bei Browns in London zum Beispiel, auf Mykonos, auf Capri, in Peking, Monaco, Palm Beach. Und bei Joyce in Hongkong, deren Einkäufer im vergangenen Jahr den Berliner Modesalon besuchten und nur eine einzige Marke orderten.

          Das alles sind Läden, die nicht nach Schema F einkaufen, die nicht an Saisons kleben, die ihre Kunden individuell einkleiden und erkennen, dass die Designerinnen allein aus der Suche nach den richtigen Stoffen eine Wissenschaft gemacht haben, dass sie nicht einfach nur auf einer Stoffmesse nach Materialien suchen.

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